Rap-Trio aus dem Fricktal im Höhenflug

| Do, 11. Feb. 2016
Vokabularphysik

In neuer Formation fanden die Fricktaler Rapper von «Vokabularphysik» zum neuen Stil. 2015 war ein musikalisch intensives Jahr. Das Ergebnis: Kürzlich ist ihr Album «Luftschloss» erschienen. Und die jungen Männer haben noch viel vor.

Von Andrin Major

2001 hatten drei Kaister die Idee ein Kollektiv für verschiedene Hiphop-Bands aus dem Fricktal zu gründen. Sie nannten es MQ-Freaktal. Aus dieser Gruppe entstand 2003 Vokabularphysik. Bestehend aus Flare (Manuel Michel), Turescht (Stefan Fankhauser) und Dj Jazzthetik (Benjamin Landolt). Sie vertraten den Rap nach Fricktaler Art und veröffentlichten ihr erstes Album «Substanz».

2008 verliess Landolt die Formation. «Er war nicht einverstanden wie sich die hiesige Szene entwickelt», so Flare. Auch die verbliebenen Mitglieder spürten eine Veränderung. «Früher ging man an alle Konzerte, man wollte alle Rapper und Djs unterstützen. Heute gehen viele nur noch, um die eigenen Freunde, oder Bands, die man bereits kennt, zu sehen.»

Für die Verbleibenden war jedoch klar, dass sie weitermachen werden und dass sie einen neuen Mann benötigten.

Nach drei Jahren der Suche fanden sie schliesslich ihr neues, drittes Mitglied. Julian Rebmann oder DJ Broad Minded. Er habe 2008 angefangen Beats zu machen und bald darauf die ersten Plattenspieler gekauft. Darauf folgte das Auflegen an privaten Partys oder der Herbstmesse Laufenburg (Hela). Er sei immer durch die Leute aus dem MQ-Freaktal-Umfeld motiviert gewesen. Durch dieses gemeinsame Umfeld traf man sich und es wurde schnell klar, dass alle dieselben Interessen teilten. Nach mehreren Sessions war klar: Der neue DJ heisst Broad Minded.

 

Durch neue Crew zum neuen Stil

Nachdem die Crew sich eingespielt hatte, war klar, dass man ein neues Album produzieren muss.

Zuerst arbeiteten alle, wie gewohnt, weiter. Flare und Broad Minded feilten an neuen Beats, Turescht und Flare lieferten die Texte. Schliesslich kamen die Mitglieder jedoch auf die Idee, etwas Neues zu versuchen. Die klassische Arbeitsweise war, dass jeder seinen Teil selbst beiträgt. Für dieses neue Projekt haben die drei jedoch noch mit weiteren Leuten gearbeitet, darunter Oliver Herzog, um alle Teile gemeinsam zu überarbeiten.

«Diese Art der Produktion hat dem Ganzen ein ‹musikalischeres› Flair gegeben. Obwohl wir zugeben müssen, dass wir zunächst etwas skeptisch waren, als wir uns die ersten Ergebnisse anhörten. Wahrscheinlich weil diese Art zu arbeiten Neuland für uns war», erinnern sich die Künstler.

Schnell wurde aber aus der anfänglichen Unsicherheit Begeisterung und diese neue Arbeitsweise angenommen.

 

Nicht einfach Luftschlösser gebaut

Ende 2015 wurde das 14 Lieder grosse Luftschloss veröffentlicht. Wie zu erwarten, ist es vielfältig und hat einen eigenen Stil. Die Lieder beinhalten alles von Tagträumen über Nachdenkliches bis hin zu humorvollen Texten und echten Kopfnickern.

Eine gut besuchte Plattentaufe bestärkte das Trio. «Wir haben nur gute Rückmeldungen zum Album erhalten», freut sich Rebmann. Auch die Rapper sind zufrieden. Sie haben in der Zeit der Produktion viel dazu gelernt und mit Leuten gearbeitet, mit denen sie nach der alten Schaffensweise nie in Kontakt getreten wären. Das Ergebnis war genau das, was sie sich erhofft hatten.

«Luftschloss gab uns eine Menge an Motivation», betont Flare. Man erkennt das, wenn man verfolgt, was die Crew neben Luftschloss alles geschaffen hat. Mitte 2015 produzierte TreBeats, ein Schweizer DJ, eine Platte (Strugress) mit verschiedensten Künstlern aus verschiedenen Ländern. Auch auf diesem Album findet man zwei Lieder der Fricktaler wieder. «Wir machen Musik nach unserem Geschmack. Wenn sich ein anderer Künstler für uns interessiert, freut uns das natürlich. Man ist Teil von etwas, das über das Fricktal hinausrreicht und wir konnten viele Kontakte durch dieses Projekt knüpfen.»

 

Album von Fricktalern fürs Fricktal

Eine Freude für die Fans war sicherlich auch Flares zweites Soloalbum «Rückschritt», welches auch 2015 erschien. Da schon bereits zehn Jahre seit dem ersten Album «Fortschritt» vergangen waren, sei es für ihn an der Zeit gewesen, ein weiteres zu machen. Der Titel «Rückschritt» steht dabei für die Rückkehr zu Flares ursprünglichem Musikschema und nicht einer Schaffenskrise.

Für die Produktion wurden ausschliesslich Leute aus dem MQ-Freaktal-Umfeld gewählt, das Cover selbst erstellt, und aufgenommen wurde das Ganze in den «Wackassproductions» in Kaisten. «Es ist ein Album mit Fricktalern für das Fricktal», so Flare.

Auch Turescht verfolgt von Zeit zu Zeit seine eigenen Ziele. So hat er mit Womack 2013 «TW (Text-illes Wärche)» kreiert. Im Jahr darauf gab es eine Fortsetzung (TWContinues), zu der sich Criip dazugesellte. Diese beiden Projekte sind im Internet frei erhältlich.

Nach so einem Jahr wird jedoch nicht ausgeruht. Rebmann spielt mit dem Gedanken, ein Album mit verschiedenen Rappern aufzunehmen und es wird keine Gelegenheit ausgelassen, Konzerte zum Besten zu geben.

Feststeht, Rap-Liebhaber werden auch die nächsten Jahre von Vokabularphysik zu hören bekommen.

Hörproben auf : www.soundcloud.com/vokabularphysik

Neuigkeiten und Downloads auf: www.vokabularphysik.ch

 

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