«Chum bring en hei»

| Do, 09. Jul. 2015
«Form»-Suche auf der Aare: Der zersägte und wieder verklebte Möhliner Weidling wird gerade getestet. Im Bild Marco Braccini mit zwei Probefahrern aus dem «eigenen Wasserfahrer-Rennstall». Foto: zVg

Die gute Nachricht: Das Schiff, obschon zerschnitten, ist nicht untergegangen. Die noch bessere Nachricht: Die Idee nimmt Kurs Richtung Heimathafen; der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin kommt seinem verrückten Ziel näher.

Es war Ende März. «Ein Schiff wird kommen», titelte die NFZ und berichtete darüber, wie die Wasserfahrer aus Ryburg-Möhlin vor riesigen Investition stehen (gegen 100 000 Franken). Neue Wettkampfschiffe, so genannte Weidlinge, müssen her. Die alten haben langsam ausgedient, über vierzig Jahre alt sind sie. Im Rahmen der Neubeschaffung sprach Präsident Marco Braccini von dieser verrückten Idee: Er wollte einen Weidling für Kinder bauen lassen; weil, so sagte er, es ihm irgendwann mal gereicht hatte: «Im Fussball gibt es für Mädchen und Buben kleinere Tore, kleinere Bälle, im Handball auch. Jetzt passen wir unsere Sportgeräte auch an.» Der Hintergedanke sollte keine Speerspitze gegen die populären Sportarten sein, sondern vielmehr war es Bestreben, den eigenen Sport gerade für die Kleinsten zugänglicher zu machen. Mit rund 380 Kilogramm und fast zehn Metern Länge sind die üblichen Weidlinge schlicht überdimensioniert, als dass Mädchen und Buben damit zurechtkämen. Und deshalb erteilte der Wasserfahrverein diesen besonderen Auftrag an einen professionellen Bootsbauer: Zusätzlich zu den drei offiziellen, neuen Wettkampfweidlingen möge dieser einen Weidling für Kinder bauen – mit niedrigerer Bordwand und verkürztem Mittelteil, so, dass aber die proportionalen Verhältnisse bestehen bleiben. Für dieses Unterfangen «opferten» die heimischen Wasserfahrer einen ihrer alten Weidlinge. Dieser wurde zersägt, zerschnitten; er hatte richtiggehend gelitten. Dieser wurde verleimt, verklebt. Getestet.

Nationaler Pionier
«Wir sind auf Kurs mit dem Projekt» freut sich heute der Präsident. Eine erste Testfahrt mit dem verkleinerten Weidling auf der Aare sei zufriedenstellend verlaufen. «Wir waren eigentlich überrascht, wie nah dran wir bereits sind.»
Derzeit ist der beauftragte Bootsbauer mit weiteren Justierungen beschäftigt, bevor in ein paar Wochen der ultimative Härtetest ansteht. Dann sollen zwei Kinder ins Boot steigen, die das Rudern für ihr Alter bereits ausserordentlich gut beherrschen würden. Fündig diesbezüglich wurde man beim Wasserfahrverein Rupperswil. «Die Verantwortlichen dort haben sofort zugesagt», freut sich Braccini. Sowieso würde eigentlich die gesamte nationale Wasserfahrfamilie dieses Pionierprojekt begrüssen.

Juli 2016
Vorgesehen ist, dass der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin in genau einem Jahr die gesamte neue Wettkampfflotte – drei Weidlinge und ebendieser Kinderweidling – wird taufen können. Bislang wurde zersägt, zerschnitten. Wieder neu verklebt. Geleimt. Und bald also soll daraus die eigentliche Idee in vollendete Form gegossen werden. Der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin kommt seinem verrückten Ziel näher. Noch befindet es sich irgendwo in einer Werft an der Solothurner Aare. Doch es nimmt Kurs Richtung Heimathafen. «Chum bring en hei.»

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