Keine Ausnahmebewilligung, vorerst

Di, 17. Nov. 2020
Wettlauf gegen die Zeit: die Oberstufe in Wegenstetten. Foto: Archiv NFZ

Kanton macht kein Zugeständnis an die Oberstufe Wegenstetten – Hoffnung bleibt dennoch

Das Bildungsdepartement versagt dem Sekundarschulstandort Wegenstetten die Verlängerung einer Ausnahmebewilligung. Stand jetzt würde das die Schliessung per Ende Schuljahr bedeuten. Für Grossrätin Kathrin Hasler aus Hellikon, die für den Erhalt der Oberstufe einsteht, heisst der jüngste Bescheid noch gar nichts.

Ronny Wittenwiler

 Im Wegenstettertal weibeln viele Personen für den Erhalt ihrer Oberstufe in Wegenstetten. Kürzlich haben sich auch die Schulleiter sowie Mitglieder der Kreisschulkommission noch einmal dezidiert für den Erhalt «ihrer» Schule ausgesprochen und sich in Überzeugung geübt, dass im nächsten Sommer die Türen nicht für immer geschlossen werden (Die NFZ berichtete). Eine jüngste Mitteilung des kantonalen Bildungsdepartements nährt diese Überzeugung allerdings nicht. Es war am Freitag, als das BKS verlauten liess, dem Standort Wegenstetten die Ausnahmebewilligung für eine Weiterführung der Oberstufe nicht zu verlängern. Die vier Gemeinden im Wegenstettertal haben eine solche Verlängerung der Ausnahmebewilligung zuletzt beantragt – quasi im Wettlauf gegen die Zeit, um den Zusammenschluss mit der Oberstufe Gipf-Oberfrick zu einer «Kreisschule Thierstein» aufzugleisen.

«Ungenügende Bedingungen»
Die vorgelegten Eckwerte einer Kreisschule Thierstein würden für die ordentliche Erfüllung des Bildungsauftrags nicht ausreichen, so das Urteil des Kantons. «Im Gegenteil», heisst es: «Die angedachten Vertragsbedingungen und die aufgezeigte Ressourcenplanung sind ungenügend.» Der vorgesehene Aussenstandort Wegenstetten hätte aufgrund der für sich allein zu geringen Schülerzahlen nicht die Grösse, um das vom Gesetzgeber geforderte Bildungs- und Förderangebot zuverlässig bereitzustellen und das Recht auf gleiche Bildungsmöglichkeiten zu gewährleisten, schreibt das BKS. «Um an einer Kreisschule Thierstein den verfassungsmässigen Bildungsauftrag vollumfänglich zu erfüllen, wäre eine angemessene Verteilung des gesamten Ressourcenkontingents beziehungsweise ein Schüleraustausch zwischen den geplanten Standorten Gipf-Oberfrick und Wegenstetten zwingend notwendig. Dem BKS liegen keinerlei Hinweise vor, welche erkennen lassen, dass eine solche Verteilung oder ein solcher Austausch von den betroffenen Gemeinden beabsichtigt wird.» Aus diesen Gründen werde die beantragte Verlängerung der Ausnahmebewilligung für die Führung einer eigenständigen Sekundarschule in Wegenstetten vom BKS abgelehnt – vorerst.

«Den Strohhalm nutzen»
Eine definitive Absage soll das Nein aber dennoch nicht sein, was die Adressaten des Schreibens somit hoffen lässt. Das BKS hält nämlich fest: «Sollten jedoch bis am 15. Dezember alle involvierten Gemeinderäte dem BKS die Bereitschaft bestätigen, eine Kreisschule Thierstein anzustreben, welche mit einem Schüleraustausch und/oder einer angemessenen Verteilung der Lektionen die Erfüllung des verfassungsmässigen Bildungsauftrags gewährleistet, und sich bereiterklären, spätestens an der Sommergemeindeversammlung 2021 über diese abzustimmen, würde eine Weiterführung der Sekundarschule in Wegenstetten für das Schuljahr 2021/22 gewährt.»

Just an dieser Stelle knüpft Kathrin Hasler an. Die SVP-Grossrätin und alt Gemeindeammann aus Hellikon engagiert sich für den Erhalt der Oberstufe. Auf das jüngste Communiqué angesprochen, übt sie Gelassenheit. Das sei eine typische politische Antwort, die weder eine definitive Zusage noch eine definitive Absage an den Standort darstelle. «Nichts Neues also», sagt Hasler. Sie habe dafür ein Stück weit Verständnis – «das BKS gibt damit eine diplomatische Antwort.» Dennoch verunsichere sowas zusätzlich, Hasler hätte sich vielmehr gewünscht, das BKS würde nun klar Stellung beziehen. Die NFZ hat nebst Kathrin Hasler auch Felix Wendelspiess um eine Beurteilung der jüngsten Mitteilung des BKS gefragt. Der Gemeindeammann von Wegenstetten sagt: «Wir versuchen, diesen letzten Strohhalm bis 15. Dezember zu nutzen und sämtliche acht Gemeinden auf einen Nenner zu bringen, damit das Thema vor die Sommer-Gemeindeversammlungen kommt.» Zudem gelte es nun, mit den Schulleitungen ein Konzept auszuarbeiten, welches belegen kann, dass es kein Nachteil ist, mit den zur Verfügung stehenden pädagogischen Ressourcen in Wegenstetten zu unterrichten.

Vielleicht geht der Weg weiter – über eine doch noch erteilte weitere Ausnahmebewilligung, dann vielleicht über einen definitiven Verbleib der Oberstufe Wegenstetten in der Aargauer Bildungslandschaft. Kommt es allerdings so, wie das nach aktuellem Stand klingt, und die Türen schliessen im kommenden Sommer, dürften die Sekundarschüler aus dem Wegenstettertal die Oberstufe in Möhlin besuchen – genauso, wie das die Real- und Bezirksschüler bereits heute tun.

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