«Eine Mensch-Hund-Beziehung darf individuell sein»

Mo, 01. Jun. 2020
Vanessa Picard mit ihren Hunden Rocco und Divya. Foto: zVg

Vanessa Picard ist Gründerin und Leiterin einer Hundeschule in Frick

Bereits als Zehnjährige besuchte sie mit ihrem Hund Sima die Hundeschule. Vor vier Jahren gründete Vanessa Picard in Frick eine eigene Hundeschule und vereinte so ihre Berufung mit Alltag und Beruf.

Janine Tschopp

«Es ist schwierig zu beantworten. Eigentlich alles», ist die Antwort von Vanessa Picard auf die Frage, was sie an Hunden fasziniert. Angefangen von der Domestizierung, also von der Entwicklung wie der Hund vom wilden Tier zum Menschen kam und sich ihm anpasste, über die Vielfältigkeit des Tieres bis hin zur engen Bindung zwischen Mensch und Hund. Es ist tatsächlich alles, was die 30-Jährige am Hund interessiert. Und sie kriegt nie genug davon, immer mehr über das Tier zu erfahren.

«Seit ich denken kann, lebe ich mit Hunden», erzählt Vanessa Picard. Ihre Mutter ist diplomierte Tierpflegerin und Hundecoiffeuse und ihr Vater ist Hundetrainer. Die Familie lebte immer mit einem Rudel Hunden. «Wenn du einen eigenen Hund willst, musst du dir das verdienen», hiess es zu Hause. So half Vanessa Picard ihrer Mutter bei verschiedenen Arbeiten, um möglichst schnell viel Geld zu sparen. «Für einmal Autoputzen bekam ich fünf Franken», erinnert sie sich. So war sie erst zehn Jahre alt, als sie ihren ersten eigenen Hund bekam und mit ihm die Jugendhundeschule besuchte. Als Zwölfjährige besuchte sie den Kynologischen Jugend und Sport Verein Aarau. Zwei Jahre später leitete sie dort bereits die Dogdance-Plausch-Kinder-Gruppe und übernahm Aufgaben im Vorstand.

Ihr Hund Sima begleitete sie während zwölf Jahren ständig. «Er machte mit mir die Pubertät durch und begleitete mich später bei der Arbeit. Er war einfach immer bei mir», schildert sie und bekommt Tränen in die Augen, wenn sie erzählt, dass sie sich, als er 13 Jahre alt war, für immer von ihm verabschieden musste. «Das ist etwas vom Schlimmsten», sagt sie. Auch wenn man von Anfang an wisse, dass das Haustier im Normalfall vor einem gehe.

Von der Automechanikerin zur Hundetrainerin
Vanessa Picard lernte Automechanikerin und absolvierte die technische Berufsmatur. Nach der vierjährigen Ausbildung war sie als Kundendienst-Beraterin in einer Garage tätig. Ursprünglich wollte sie Tierärztin werden. «Ich ging aber nicht so gerne in die Schule.» Sie zog es vor, so schnell wie möglich selbständig zu sein. «Ich wollte Geld verdienen und ausziehen.»

Zur Ausbildung zur Hundetrainerin kam sie, weil sie sich einen Hund mit «innerartlichen» Problemen kaufte. («Er versteht sich nicht gut mit anderen Hunden.»). So suchte sie einen Spezialisten auf, der mit ihrem Hund am Verhalten arbeitete. «Dieser Spezialist hat mich anschliessend während eineinhalb Jahren als Hundetrainerin ausgebildet», erzählt Vanessa Picard. Seither absolvierte die Hundetrainerin zahlreiche weitere Ausbildungen, um immer mehr über Hunde und ihr Verhalten zu lernen. «Ich will wissen und verstehen, wieso der Hund was wann macht. Denn ich glaube, dass man nur etwas verändern oder beeinflussen kann, wenn man die Beweggründe dafür versteht.»

Eigene Hundeschule
2016 machte sich Vanessa Picard, die in Erlinsbach aufwuchs und heute mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Münchwilen lebt, als Hundetrainerin selbständig und eröffnete eine eigene Schule in Frick. «Sie lernen harmonisch miteinander zu leben», antwortet sie auf die Frage, was sie Hunden und Menschen an ihrer Schule vermittelt. «Eine Mensch-Hund-Beziehung darf und muss individuell sein, entsprechend ist auch das Training. Es gibt keine Patentrezepte.» Wichtig sei ihr der Aufbau von gegenseitigem Vertrauen und Respekt. «Den Hund lesen und verstehen zu können, seine Bedürfnisse und Stärken zu kennen sowie Grenzen zu setzen gehört in unseren Augen zur Pflicht jedes Hundehalters.» Zudem sei es wichtig, dem Tier eine arttypische Beschäftigung zu ermöglichen. «Das Schöne ist, dass ich als Hundetrainerin Teams begleiten und ihre Entwicklung miterleben darf.»

Aufgrund der Corona-Krise erlebte auch die Hundeschulleiterin die letzten Wochen als sehr speziell. «Es war oftmals lange nicht klar, inwiefern unsere Schule betroffen war, respektive zu welcher Gruppe von Institutionen sie zählte. Sowohl bei den restriktiven Massnahmen als auch bei den Lockerungen. Das war sehr anstrengend.»

Schliesslich war es so, dass die Hundeschule beim Lockdown, also am 16. März geschlossen werden musste und erst wieder am 11. Mai öffnen durfte. «Für unsere aktiven Kunden haben wir Homeschooling angeboten.» Vanessa Picard bereitete Videoaufnahmen vor, um ihren Kunden das Wissen digital zu vermitteln. Die Hundetrainerin freute sich, dass viele vom virtuellen Unterricht Gebrauch machten. Es sei jedoch nicht immer einfach gewesen, gewisse Probleme oder Fragestellungen per Video zu lösen. Insbesondere für Welpen, die normalerweise im Alter von zehn Wochen in die Schule kommen, war die Schulschliessung nicht ideal. «Ich hatte in dieser Zeit oftmals ein schlechtes Gefühl. Ich wusste, es gibt Welpen, die mich bräuchten, aber ich durfte keinen Kurs geben», schildert die leidenschaftliche Trainerin.

«Sie liebt Hunde jetzt schon»
Wenn Vanessa Picard einmal nicht an ihrer Schule ist, arbeitet sie mit den beiden eigenen Hunden Rocco und Divya. Die Frau, die sehr gerne Sport treibt, liebt es mit ihnen spazieren oder joggen zu gehen. Ihre halbjährige Tochter begleitet sie bei fast allen Aktivitäten. «Sie liebt Hunde jetzt schon», sagt Picard und freut sich, dass ihr Kind, wie sie damals, zusammen mit vierbeinigen Freunden aufwachsen darf.

hundeschule-vanessa.ch

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