«Man sieht nicht mehr so viele Menschen draussen»

Mi, 04. Mär. 2020
«In Japan waren die letzten Wochen sehr kritisch betreffend Ausbreitung des Virus im Land», erklärt Roy Hofer. Foto: zVg

Der Rheinfelder Roy Hofer weilt mit seiner Familie bis im August in Tokio. Wie erlebt er die Auswirkungen des Coronavirus? Im Interview gibt er Auskunft.

Valentin Zumsteg

NFZ: Herr Hofer, wie ist die Stimmung betreffend Coronavirus in Japan?
Roy Hofer:
Wir erleben natürlich täglich die News zum Thema. Es ist ja mittlerweile ein globales Problem. In Japan waren die letzten Wochen sehr kritisch betreffend Ausbreitung des Virus im Land. Es kamen trotz Warnungen immer noch sehr viele Touristen in das Land. Auch hat man leider zu früh die Passagiere vom Schiff «Princess Diamond» von Bord gelassen.

Machen Sie sich Sorgen?
Ja und nein. Es gibt ja verschiedene Meinungen zum Thema. Aber wir sind im täglichen Leben sicher vorsichtiger geworden.

Welche Vorsichtsmassnahmen werden getroffen?
Obwohl hier alle antibakteriellen Seifen und alle Masken ausverkauft sind, gibt es an vielen Orten wie Restaurants diese antibakteriellen Seifenspender. Auch werden die Menschen informiert, wie man zum Beispiel die Hände waschen sollte. Die japanische Schule, die mein Sohn besucht, hat gerade entschieden, dass der Unterricht bis am 5. April ausfällt.

Was machen Sie und Ihre Familie selber?
Hände gründlich waschen, antibakterielle Seife verwenden, wenn nötig Masken tragen und nicht unnötig weg gehen.

Wie stark ist das öffentliche Leben eingeschränkt?
Man hat das Gefühl, dass das tägliche Leben «normal» weitergeht. Aber an Wochenenden oder Feiertagen sieht man nicht mehr so viele Menschen draussen.

Gibt es Hamsterkäufe in den Läden?
Nein, aber Masken und antibakterielle Seifen sind – wie erwähnt – ausverkauft.

Wie sieht es mit
Grossveranstaltungen aus?

Leider werden jetzt auch hier grössere Veranstaltungen abgesagt. Beim Marathon vom Wochenende war es so, dass «nur» die Profis für die Olympia-Qualifikation starten durften. Die Probleme klingen noch nicht ab.

Sind die Corona-Fälle in Europa ein Thema?
Das Thema ist täglich in den News. Aber wie überall wird es nicht von allen Leuten gleich stark aufgenommen.

Hat das Thema Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Bis jetzt nicht.

An welchem Projekt arbeiten Sie derzeit?
Wir sind an einem Projekt in Kyoto dran und am Auf bau einer grösseren Ausstellungsreihe in Taiwan.

Empfinden Sie Japan als inspirierend?
Definitiv. Die Stadt Tokio ist für mich in vielerlei Hinsicht interessant. Sie hat zum Beispiel architektonisch so viele Kontraste zu bieten. Ich sehe Formen, Farben und Materialien, welche ich auch gerne in meiner Arbeit verhandeln möchte. Da wir auch in der Nähe des Finanzzentrums leben, interessieren mich die Leute mit ihren schwarzen Anzügen: Wo sie hingehen, was sie machen. Langsam entsteht eine weiterführende «royglobalized»-Serie Made in Japan.

Wo wird Ihre Kunst ausgestellt?
Wie gesagt sind Projekte in Taiwan geplant und vielleicht auch noch in Kyoto und Tokio. In Basel wird während der Art Basel in der Kunsthalle Kleinbasel etwas aus Japan von mir zu sehen sein.


Ein Fricktaler in Japan

Seit Ende Dezember 2019 und noch bis am 8. August 2020 lebt der Rheinfelder Künstler Roy Hofer mit seiner Familie in Japan. Sie wohnen in der Millionenstadt Tokio, in der Nähe des Tokio Towers. Seine Frau arbeitet temporär für eine Pharmafirma. Der Sohn geht in die öffentliche japanische Schule und Roy Hofer kümmert sich um den Haushalt und arbeitet Teilzeit als Künstler und Grafiker.

«Im Dezember und Januar habe ich mit meinen japanischen Künstlerfreunden eine Kollaborationsausstellung in Tokio organisiert. Dabei waren fünf Künstler aus der Schweiz und vier japanische Künstler zum Thema ‹miniature of nature› eingeladen worden, ihre Werke zu präsentieren. Die Schweizer Botschaft in Tokio hat uns als Patronatgeber dabei unterstützt», erzählt Roy Hofer. (vzu)

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