Widerstand gegen Verkauf des ehemaligen Oberstufenzentrums

Do, 05. Dez. 2019
Verkauf oder nicht: Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Fischingertal können darüber an der Urne entscheiden. Foto: Valentin Zumsteg

Die vier Gemeinden des Fischingertals wollen die Schulliegenschaft des ehemaligen Oberstufenzentrums verkaufen. Dagegen ist das fakultative Referendum ergriffen worden. Voraussichtlich am 9. Februar 2020 wird abgestimmt.

Valentin Zumsteg

«Wir möchten, dass dieses Schulhaus weiterhin für die Schülerinnen und Schüler aus dem Fischingertal zur Verfügung steht», erklärt Hanspeter Zingg. Der Familienvater aus Mumpf hat zusammen mit Gleichgesinnten in den vergangenen Wochen Unterschriften gegen den Verkauf des ehemaligen Oberstufenzentrums in Mumpf an die Stiftung MBF gesammelt. «Wir haben am Sonntag rund 240 Unterschriften eingereicht», erklärt Zingg. Das Referendum ist zustande gekommen, da allein aus Mumpf 204 gültige Unterschriften vorliegen, wie Gemeindeschreiber Reto Hofer gegenüber der NFZ erklärt. 179 wären insgesamt nötig.

«Stimmbürger sollen entscheiden können»
Die Liegenschaft des ehemaligen Oberstufenzentrums Fischingertal steht seit diesem Sommer leer, weil die Oberstufenschülerinnen und -schüler den Unterricht neu in Rheinfelden besuchen. Die MBF möchte die Liegenschaft, die den Gemeinden Schupfart, Obermumpf, Mumpf und Wallbach gehört, per 1. Mai 2021 übernehmen und dort auf das Schuljahr 2021/22 die Heilpädagogische Schule Fricktal (HPS) unterbringen. Als Kaufpreis sind 9,3 Millionen Franken vereinbart worden (die NFZ berichtete).

«Es ist uns ein Anliegen, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über diesen geplanten Verkauf entscheiden können», betont Zingg. Deswegen habe eine Gruppe von Mumpferinnen und Mumpfer die Unterschriftensammlung lanciert. «Wir sind nicht gegen die MBF oder die HPS», betont Zingg. Er kann sich vorstellen, dass dieses Schulhaus künftig für die Primarschule genutzt wird. In diesem Zusammenhang meint er, dass einige Schulhäuser im Tal heute in einem schlechten Zustand seien. «Die Unterschriften kamen in sehr kurzer Zeit zusammen. Wir haben erst nach der Gemeindeversammlung in Mumpf vom 22. November mit der Sammlung begonnen. Wir spürten einen grossen Unmut in der Bevölkerung.»

«Überrascht und enttäuscht»
Beim Schulvorstand des Oberstufenzentrums, der den Verkauf regelt, ist man nicht erfreut über das Referendum. «Wir sind sehr überrascht und enttäuscht. Wir haben absolut nicht mit einem Referendum gerechnet. Aber es ist ein politisches Instrument, das genutzt werden kann», sagt Schulvorstands-Präsidentin Astrid Zeiner gegenüber der NFZ. Aus ihrer Sicht wäre der Verkauf der Schulanlage an die MBF und die künftige Unterbringung der Heilpädagogischen Schule Fricktal «eine perfekte Lösung». Eine Nutzung durch die Primarschule sei hingegen kein Thema mehr, da sich der Primarschulverband für den Erhalt der bisherigen Standorte in den einzelnen Gemeinden ausgesprochen habe.

Beim Stiftungsrat der MBF hat man ebenfalls vom Referendum Kenntnis genommen. «Das gehört zu den demokratischen Spielregeln. Wir warten jetzt den Entscheid relativ unaufgeregt ab», erklärt René Berger, Vizepräsident des Stiftungsrates, gegenüber der NFZ. Auch er äussert sich überzeugt, dass eine Nutzung der Schulanlage durch die HPS eine gute Lösung wäre.

Laut Astrid Zeiner wird die Urnenabstimmung voraussichtlich am 9. Februar 2020 durchgeführt. Die Schulvorstands-Präsidentin ist zuversichtlich, dass es dort ein Ja für den geplanten Verkauf gibt.

Kommentare

Wenn Frau Zeiner tatsächlich meint, dass jede Gemeinde ihren Primarschulhaus Standort behalten darf, dann Frage ich mich, warum kann und darf dann die Gemeinde Mumpf das OSZF nicht selbst kaufen? Damit könnte man genügend Schulraum für die Kinder aus Mumpf die in die Kinderspielgruppe, Kindergarten und in die Primarschule gehen, schaffen. Man wäre gerüstet für geburtenstärkere Jahre. Die Gemeinde kann daraus eine Ganztagesschule aufbauen was dem heutigen Zeitgeist entsprechen würde und die Eltern, wo beide Berufstätig sind, unterstützen. Sogar eine Kita könnte integriert werden. Wenn dieses Konzept zusammen mit den Fischingertal Gemeinden Obermumpf und Schupfart genutzt werden könnte, umso besser. Oder möchten genau das gewisse Bürger/innen verhindern, weil sie dann Angst hätten in Zukunft ihre Primarschule zu verlieren? Niemand weiss wie die Zukunft der Primarschule im Kanton weitergeht. Der Kanton kann jederzeit Schliessungen oder Zusammenlegungen von Schulhäusern bestimmen. Das haben wir ja soeben erlebt mit den Oberstufenschulhäusern. Das ganze kann in ein paar Jahren mit den Primarschulen genauso geschehen. Das OSZF Schulhaus kostete uns Steuerzahler dazumal fast 19 Millionen Steuerfranken. Geld das für die Zukunft unserer Kinder gesprochen wurde. Und jetzt soll das alles einfach so weggeben werden? Wir mussten dazumal abstimmen ob wir dieses Schulhaus finanzieren wollten. Und jetzt sollen wiederum die Stimmbürger im Fischingertal entscheiden wie es mit dem OSZF weitergeht. Sicher nicht ein Schulverband! Darum helft alle mit, dass wir das OSZF weiterhin als öffentliche Schule für unsere Kinder nutzen können. Ohne das wir weitere Millionen zusätzlich in Schulhäuser investieren und womöglich wieder abschreiben müssten.
Die Aussage von Frau Zeiner, dass sich alle drei Gemeinden des Primarschulverbandes Fischingertal für den Erhalt des jeweiligen Standortes ausgesprochen hätten ist nicht richtig. Das Primarschulhaus in Mumpf ist stark renovierungsbedürftig. Eine Klasse musste nun das Schulzimmer wechseln, weil es reingeregnet hat. Die Gemeinde Mumpf möchte aber nur so wenig wie nur möglich für eine dringende Sanierung ausgeben, da es unsicher ist, wie lange alle drei Gemeinden noch die eigenen Primarschulhäuser behalten werden. Dies klingt für mich nicht danach, als dass dieses Thema vom Tisch ist. Ein gemeinsamer Standort für die Primarschule könnte unter gewissen Bedingungen durchaus sinn machen. Die sehr fluktuierenden Zahlen von Schülerinnen und Schülern könnte so besser abgefedert werden. Allerdings muss ein sicherer Transport für die Schülerinnen und Schülern gewährleistet sein. Eine Reise mit dem Postauto bei welchem die Linie zwar fast am Schulhaus vorbei fährt, aber es leider keine Haltestelle gibt, ist unzumutbar.

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