Berufsbildungszentrum Fricktal: Mehr als die Hälfte der Lehrer muss eine neue Stelle suchen

Di, 29. Okt. 2019
«20 Lehrern müssen wir kündigen oder ihr Vertrag läuft aus und wird nicht verlängert», erklärt Hans Marthaler, Rektor des BZF. Foto: Valentin Zumsteg

Das Berufsbildungszentrum Fricktal verliert auf das Schuljahr 2020/21 rund 400 Schülerinnen und Schüler. Das hat zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Lehrer eine neue Stelle suchen muss.

Valentin Zumsteg

«Das Schicksal von gewissen Lehrpersonen, die vom Abbau betroffen sind, tut mir sehr leid», sagt Hans Marthaler, Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) in Rheinfelden. Die vom Aargauer Regierungsrat in diesem Frühjahr beschlossene Reform in der Berufsbildung hat einschneidende Konsequenzen für die Fricktaler Schule. Auf das Schuljahr 2020/21 verliert das BZF die gewerblich-industriellen Berufe (Kosmetik, Bau, Elektro, Bekleidungsgestaltung, Anlagenbau und Schreiner). Das BZF soll künftig nur noch die Ausbildung im Bereich KV (mit Berufsmatur) und Detailhandel anbieten können (die NFZ berichtete). «Heute zählen wir rund 670 Lernende. Ab August 2020 werden es noch zwischen 250 und 270 sein», schildert Marthaler. «Es ist für uns negativ, dass im Aargau das KV und die Gewerbeschulen getrennt werden. In vergleichbaren ländlichen Kantonen wie Bern oder Luzern gibt es in den Randregionen gemischte Schulen, weil nur so eine sinnvolle Grösse erreicht werden kann. Der Aargau will das nicht.»

20 Lehrer müssen gehen
Ebenfalls auf das neue Schuljahr 2020/21 wird Rheinfelden ein Aussenstandort des Brugger Kompetenzzentrums für Gesundheit und Betreuung und erhält damit den Beruf Fachangestellte Gesundheit zugesprochen. Damit sollen voraussichtlich rund 150 zusätzliche Auszubildende ins Fricktal kommen, wie Marthaler schätzt. Für sie ist aber das Brugger Kompetenzzentrum zuständig – es bringt die eigenen Fachlehrer mit. «Bei den allgemeinbildenden Fächern hoffen wir, dass Lehrer von uns unterrichten können. Entsprechende Gespräche laufen. Wir sind aber auf den Goodwill des Brugger Kompetenzzentrums angewiesen», sagt Marthaler. Gleichzeitig setzt er sich dafür ein, dass das BZF-Sekretariat künftig gewisse Aufgaben für die Brugger Schule übernehmen kann. «Es wäre eine sehr gute Lösung, wenn der Bereich Fachangestellte Gesundheit über unsere Schule laufen würde. Doch das will der Kanton auch nicht», bedauert Marthaler.

Der massive Rückgang bei den Schülerzahlen hat zur Folge, dass sich das BZF von vielen Lehrern trennen muss. Heute zählt die Schule 34 Lehrpersonen, künftig wird weniger als die Hälfte benötigt. «20 Lehrern müssen wir kündigen oder ihr Vertrag läuft aus und wird nicht verlängert. Ich setze alles daran, dass sie eine Anschlusslösung finden. Das ist derzeit ein wesentlicher Teil meiner Arbeit», so Marthaler. Die Rektoren der Aargauer Berufsschulen haben eine Absichtserklärung unterzeichnet; darin ist festgehalten, dass sie nach Möglichkeit Lehrpersonen von Standorten, an denen es einen Abbau gibt, übernehmen.

Kosten sind die grosse Herausforderung
Das neue Schulgebäude, in dem das BZF seit Anfang Jahr untergebracht ist, weist aktuell eine Auslastung von rund 80 Prozent auf, wie Marthaler sagt. Da das BZF künftig weniger Platz benötigen wird, laufen derzeit ebenfalls Gespräche mit anderen möglichen Nutzern wie der Musikschule Unteres Fricktal, der Kantonalen Schule für Berufsbildung (Brückenangebot) und der Kreisschule Unteres Fricktal.

Mit seinen künftig noch rund 250 Schülern ist das BZF mit Abstand die kleinste Berufsschule im Aargau. «Die grösseren Schulen haben den Vorteil, dass sie grössere Klassen führen können und damit bei den Kosten besser dastehen. Das wird für uns eine grosse Herausforderung», so Marthaler. Trotzdem gibt er sich zweckoptimistisch: «Wenn alle im Fricktal am gleichen Strick ziehen, dann hat diese Schule auch eine Perspektive.» Einfach wird es aber nicht.

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