Wenn selbst Papa mal die Worte fehlen…

| Fr, 08. Dez. 2017
Fast schon ein wenig ehrfürchtig: Marco Braccini wird zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Den Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin prägte er acht Jahre an vorderster Front. Er nahm die Allerkleinsten mit ins Boot, jetzt steigt er von der Kommandobrücke. Marco Braccini übergibt an Pascal Sacher. Und wird zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Von Ronny Wittenwiler

Die NFZ hatte ihm den Namen eingebrockt: Papa. Es war der 20. Juni 2013. «Papa will den Titel», lautete die Schlagzeile einer Geschichte über Marco Braccini, damals Präsident in seinem vierten Jahr. Der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin wagte in jenem Sommer das Experiment, erstmals eine Schweizermeisterschaft zu organisieren und Braccini sprach davon, dass man als Veranstalter nicht bloss ein bisschen mitfahren wolle, nein, das grosse Ziel war: der Titel. Sicher war er, Braccini, dass solches möglich sei mit jenem Verein, der auch ein bisschen Familie ist. Zusammenhalt, gegenseitiger Respekt und Hilfsbereitschaft. Alle in dieselbe Richtung rudernd. Und dann passierte es: Der Verein wurde Schweizermeister und Braccini, als Präsident quasi Oberhaupt dieser Wasserfahrfamilie, sah seinen Traum verwirklicht. Die Sportler schenkten ihm den Titel. Und den Titel als Papa – den wurde er auch nicht mehr los.

Generationenwechsel
Nach acht Jahren, in denen Marco Braccini den Verein geprägt hatte, gibt er das Präsidium weiter. Pascal Sacher übernimmt, seit Samstagabend, anlässlich der Generalversammlung, ist es beschlossene Sache. Dabei entliessen die Mitglieder ihren Papa nicht einfach so aus dem Amt. Braccini ist jetzt Ehrenpräsident. Eine Würdigung, die in der über neunzigjährigen Vereinsgeschichte erst zum dritten Mal gesprochen wurde. Es ist sozusagen ein letzter Titel für einen, der mit dem Verein auf sportlicher Ebene so manchen hatte sammeln können. «Ich bin absolut überwältigt», sagte Braccini, sprach von einer «riesigen Ehre», die ihm zuteilwerde. Auch gab er seiner Freude darüber Ausdruck,  «dass ich das Amt in wirklich sehr gute Hände weitergeben kann. Das ist für mich das Schönste.» In einem Rückblick würdigte die Versammlung die Verdienste von Braccini, sein Nachfolger Pascal Sacher sprach davon, einen gut funktionierenden Verein übernehmen zu dürfen. «Was du in diesen acht Jahren geleistet hast, ist nicht selbstverständlich. Das ist eine tolle Geschichte.» Nebst mehreren Schweizermeistertiteln, die in seine präsidiale Ära fallen, gelang unter seiner Führung ein besonderer Kraftakt: Nämlich Kinder und Jugendliche in einem kaum dagewesenen Ausmass für diesen Sport zu begeistern. Am Ursprung stand die verrückt anmutende Idee, einen Weidling für Schüler anfertigen zu lassen. Seit dieser Schülerweidling 2016 offiziell gewassert wurde, erhielten die Wasserfahrer auf einen Schlag Zuwachs von rund dreissig Mädchen und Buben unter zwölf Jahren, die sich in diesem Sport versuchen (die NFZ berichtete). Nicht zuletzt diese Tatsache sorgte dafür, dass Ryburg-Möhlin mittlerweile den grössten Verein im Schweizer Verband stellt. Das bestätigte auch David Indolese, Fahrchef und Vizepräsident vom WFV Ryburg-Möhlin. Für ihn ist klar: Auch künftig wollen die Wasserfahrer Wellen schlagen. So, wie es unter der Ära Braccini auch gewesen ist, dem bei seiner Verabschiedung fast schon ein wenig die Worte fehlten. Und das soll etwas heissen.


An der GV wurden zudem vier Ehrenmitgliedschaften verliehen. Einerseits an Markus Güntert und Hanspeter Hänggi für jeweils fünfzig Jahre Aktivmitgliedschaft, andererseits an Sven Weidmann und Reto Wunderlin, die in den letzten Jahren die nationale Szene als absolutes Spitzenduo geprägt und dominiert hatten.

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