«Die Welt ein kleines bisschen besser machen»

| So, 01. Jan. 2017

Geld und Geist kommen bei Samuel Rom zusammen. Er ist  Psychologe und Manager. Auf Ende Jahr gibt er das Amt des CEO der Schützen Rheinfelden AG ab. Die NFZ sprach mit ihm über den Sinn des Lebens und gute Vorsätze für das neue Jahr.

Von Valentin Zumsteg

NFZ: Herr Rom, viele Menschen nehmen sich für das neue Jahr einen Vorsatz. Tun Sie das auch?

Samuel Rom: Ja, in diesem Jahr tue ich das. Ich habe mir vorgenommen, mit der neuen Freiheit gut umzugehen und die gewonnene Zeit nicht sofort wieder mit neuen Aufgaben zu füllen. Ich möchte es gelassen angehen und weniger fremdbestimmt sein als bisher. Ich kenne mich aber, ich weiss, dass Vorsätze nur eine geringe Halbwertszeit haben.

Zum Jahreswechsel stellt man sich gerne grundsätzliche Fragen. Probieren wir es:  Was ist der Sinn des Lebens?

Grundsätzlich gibt es kein Recht auf Sinn im Leben. Wir sind in das Leben geworfen. Das kann man als Unfall, als Katastrophe oder als Chance betrachten. Ich neige dazu, es als Chance zu sehen, um etwas daraus zu machen. Wir leben in einem wunderbaren Land, das uns viele Möglichkeiten bietet. Im Wissen darum, dass wir so wahnsinnig privilegiert sind, sollten wir Verantwortung übernehmen. Der Sinn besteht für mich persönlich deshalb darin, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, dort wo es mir möglich ist. Als Psychologe kann ich das in der Arbeit mit meinem Patienteninnen und Patienten tun. Als Manager kann ich dafür besorgt sein, dass sich unsere Mitarbeitenden wohlfühlen und sich entwickeln können.

 

Anders gefragt: Was braucht es für ein erfülltes Leben?

Für mich braucht es Menschen. Ich habe das Glück, in eine Grossfamilie hineingeboren worden zu sein. Ich habe neben Frau, Töchtern und den beiden Enkelinnen, vier Brüder und viele Cousinen und Cousins. Das hat mich sehr geprägt. Ich fühle mich wohl, wenn ich von vielen Menschen umgeben bin. Mit Menschen kann man wachsen und etwas gestalten.

Sie sind jüdischen Glaubens. Hilft Ihnen das auch?

Sicher. Die religiösen Rituale sind mir wichtig und geben mir Halt. Den Sabbat feiere ich jeden Freitag mit der Familie. Das hat sich auch in meinem Berufsumfeld herumgesprochen. Es ist bekannt, dass ich am Freitagabend nicht verfügbar bin. Das wird respektiert.

Wieso scheinen viele Menschen unglücklich, obwohl es ihnen materiell gut geht?

Weil wir immer nach oben schauen. Wir scheinen zu glauben, dass wir immer das Beste zugute haben. Dabei ist ein bisschen vergessen gegangen, dass wir etwas für die Gesellschaft tun müssen. Die Solidarität mit den Menschen, denen es nicht so gut geht, scheint abzunehmen. Eigentlich gehört es zur DNA des Menschen, dass er ein soziales Wesen ist. Im Idealfall heisst das, dass wir bereit sind, Mitverantwortung füreinander zu tragen. Dass dies verloren gegangen ist, hat ganz viel mit der Vereinzelung zu tun.

Gibt es denn heute mehr Druck oder können die Menschen schlechter mit Druck umgehen?

Wahrscheinlich ist beides richtig. Tatsache ist, dass sich immer mehr Menschen gestresst fühlen. In der Klinik Schützen haben wir viel mit Burnout-Patienten zu tun. Vielen Menschen fehlt das Handwerkzeug, um mit diesem echten oder gefühlten Stress umzugehen. Auch dies hängt meines Erachtens mit der Vereinzelung zusammen.

Ist dies der Grund, warum mehr Menschen psychologische Hilfe nötig haben?

Ein Teil ist sicher die erwähnte Vereinsamung und Vereinzelung. Viele Menschen sind heute aber auch nicht mehr eingebettet in irgendeiner Form von Gemeinschaft und spiritueller Heimat, das ist der zweite Teil. Die Religion ist heute für viele Menschen ein Auslaufmodell, obwohl sich die Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität nicht verändert hat.

 

Ganzes Interview in der NFZ-Printausgabe vom Freitag.

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