Wilder Westen im Fricktal
04.01.2026 Persönlich, MumpfFilmemacher Theodor Boder und die perfekte Filmkulisse
Fury, Charlie Chaplin und Winnetou begleiteten den Mumpfer Theodor Boder in der Kindheit. Wie er selber zum Filmemacher wurde und warum genau das Fricktal die Hauptrolle im neuen Film spielt, erzählt er gern.
Petra ...
Filmemacher Theodor Boder und die perfekte Filmkulisse
Fury, Charlie Chaplin und Winnetou begleiteten den Mumpfer Theodor Boder in der Kindheit. Wie er selber zum Filmemacher wurde und warum genau das Fricktal die Hauptrolle im neuen Film spielt, erzählt er gern.
Petra Schumacher
Der in Basel geborene Theodor Boder, Jahrgang 1952, dessen Mutter aus Mumpf stammt, wo er jetzt auch lebt, ist mit Fernsehen aufgewachsen. «Ich habe mit Kollegen draussen gespielt, aber zwanzig vor fünf gingen wir alle zu mir, schauten Kinderstunde und gingen danach wieder spielen. Ich glaube, Film ist bei mir seit Geburt drin.» Aber auch die Fotografie interessierte ihn früh. Er bekam eine eigene Kamera und der Vater zahlte ihm die Filme. In den analogen Zeiten war das Fotografieren noch anders, weiss Theodor Boder zu berichten. «Jedes Bild musste gut überlegt sein, es waren ja nur 24 Bilder auf dem Film und die Entwicklung musste ich selber zahlen.»
Grosses Kino
Der Vater besass aus seiner Kindheit einen 35 Millimeter Kleinprojektor und so liefen im Heimkino oft die vierminütigen Charly Chaplin-Filme. Die technischen Abläufe bei der Vorführung interessierten Theodor Boder, die Filmstreifen in der Hand zu halten, begeisterten ihn. Prägend war die erste Kinoerfahrung. Ab 1962 liefen die Winnetou-Filme im Kino und das Filmeschauen auf der grossen Leinwand war für Theodor Boder ein unvergessliches Erlebnis: «Für mich war die Leinwand riesig und ich fühlte mich wie mitten im Film. Genau da entstand wohl der Wunsch, selber Filme zu machen.» Dass der Weg dahin lang werden würde, ahnte er nicht.
Die enge Beziehung zum Kino blieb. Als 1968 ein Filmvorführer gesucht wurde, meldete sich Theodor Boder, der damals in die KV Lehre ging. Neben der Lehre verbrachte er viele Abende und Wochenenden im Kino. Der erfahrene Vorführer-Kollege spürte die Neugier und das Interesse und wurde zu seinem Lehrer für alle technische Belange. Später wurde Theodor Boder Filmvorführer im Nebenerwerb, bei dem er sich weiterhin für alle technischen Details interessierte.
Der Weg zum eigenen Film
Vom gesparten Geld kaufte er seine erste professionelle Kamera und drehte Kurzfilme. Der Schweizer Filmpionier August Kern, dem in Basel ein Filmlabor gehörte, wurde sein Mentor. 1983 kam sein erster Spielfilm, «Strasek der Vampir», ins Kino und wurde ein Erfolg. Eine Prämie vom Bundesamt für Kultur und die Teilnahme an Festivals bestätigten den Filmemacher. «Um einen Film bekannt zu machen, muss man ihn breit streuen und dafür braucht man viel Geld, sonst rutscht er bei allem Erfolg schnell ins Archiv, damals in Zeiten ohne Internet erst recht», erklärt der Filmemacher, der sich mit Förderanträgen und Sponsorensuche inzwischen gut auskennt. «Immer um das Geld kämpfen und nicht mutlos werden, braucht Kraft.»
Aus Interesse gründete Theodor Boder 2000 einen Buchverlag, führte ihn erfolgreich, liess aber das Projekt 2023 auslaufen, weil er wieder einen Film machen wollte. «Ich habe immer drei Projekte parallel im Kopf. Dann kann ich schauen, welches davon sich entwickelt, wo bleib ich dran», verrät er und sagt weiter: «Die Grundidee für den neuen Film habe ich schon seit 2015 im Kopf. Es brauchte dann aber Zeit, bis mein inneres Drehbuch stand.» Von Anfang an klar war für ihn die Besetzung der Hauptrolle. «Diese eine, ganz bestimmte Frau, die ich vom Verlag her kannte, war meine ‹Linn Wyler›. Nur sie konnte aus meiner Sicht die Rolle übernehmen.»
Das Fricktal im Film
Theodor Boder besetzt seine Filmrollen alle mit Laien. «Ich beobachtete in Frick im Coop und in der Migros die Leute», erklärt Theodor Boder. «Das Aussehen, die Art zu gehen oder die Bewegungen beim Einkauf haben darüber entschieden, ob ich die Leute angesprochen habe.» Andere Schauspieler fanden sich durch den Theaterverein Staffeleggtal. 150 Mitwirkende hat er so für seinen Film gefunden. Bevor es an die konkreten Filmarbeiten ging, mussten viele Details abgeklärt werden. Eine zentrale Frage war, wo der Film gedreht werden soll. Nach längerer Suche wurde Theodor Boder im Fricktal fündig. «Mein Film spielt zum grossen Teil in Amerika zur Wildwest-Zeit. Die Stone Ranch in Wegenstetten hat mich überzeugt. Die Ranch selber als Kulisse, die Pferde, aber auch der Wald und die Felder ringsherum, waren ideal für mein Vorhaben.» Der Zuschauer, der später im Film das Amerika um 1860 erlebt, sieht zu siebzig Prozent das Fricktal.
«Linn Wyler»
Theodor Boder ist Drehbuchautor, wie auch Regisseur und Kameramann. Er verantwortet die Spezialeffekte und den Schnitt. «Ich gebe mit dem Drehbuch den Rahmen vor, in dem sich der neue Film dann entwickeln kann. Den roten Faden muss ich immer sehen, alles andere ist ein spannender Prozess», meint der Filmemacher, dessen neuer Film in sechs Wochen Dreharbeiten entstanden ist, wobei das gedrehte Filmmaterial nur ein Teil vom Ganzen ist, denn der Rohfilm muss in den Schnitt, was in dem Fall ein Jahr gedauert hat, weil Theodor Boder sich die Zeit dafür nehmen wollte. Der Schnitt verlief ohne Ton, alle Stimmen und Geräusche wurden erst danach dazu synchronisiert. «So kann ich entscheiden, ob zum Beispiel das Gewitter von links oder besser von rechts kommen soll», erklärt der Boder.
Theodor Boders neuer Film «Linn Wyler» erzählt vom Schicksal einer Frau, die durch unglückliche Umstände von Deutschland nach Amerika auswandert und etliche Erfahrungen und Wandlungen erleben muss. Ab 22. Januar 2026 läuft er im Frick Monti.

