Wie die Heinzelmännchen
09.07.2026 Rheinfelden, MöhlinMehr als bloss eine Randbemerkung zum Eidgenössischen daheim
All die guten Geister scheuen manchmal das Scheinwerferlicht. Am Eidgenössischen daheim hat die NFZ welche entdeckt – im Service, in der Fischküche, einfach überall.
Ronny Wittenwiler
Als am Sonntag das ...
Mehr als bloss eine Randbemerkung zum Eidgenössischen daheim
All die guten Geister scheuen manchmal das Scheinwerferlicht. Am Eidgenössischen daheim hat die NFZ welche entdeckt – im Service, in der Fischküche, einfach überall.
Ronny Wittenwiler
Als am Sonntag das Eidgenössische Weidlings-Wettfahren zur Neige ging, sagte OK-Präsident Christian Herzog: «Dieses Lob gehört allen. Wir haben das hier als Kollektiv geschafft, das will ich betonen.» Herzog, gleichzeitig Präsident des Rhein-Club Rheinfelden, würdigte bereits am Festakt die unzähligen Helfer, die das Eidgenössische unvergesslich machten; genauso sieht es Pascal Sacher, Präsident beim Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin. Dass zwei prägende Köpfe im Organisationskomitee derart grossen Wert darauflegen, stets das Grosse und Ganze zu betonen – vielleicht liegt es in der DNA des Wasserfahrens. Mit Sicherheit taugt das Bild vom Paarwettfahren, das in Möhlin ausgetragen wurde: allein im Boot wird’s schwierig.
«Danke für diesen wahnsinnigen Einsatz»
Und so ist die Geschichte über das gemeinsam von Ryburg-Möhlin und Rheinfelden ausgetragene Eidgenössische auch eine von vielen Heinzelmännchen. 1250 Kilogramm Fisch, 600 Würste, 350 Steaks, 360 Kilogramm Pommes und 150 Kilogramm Mayo liessen sie an zwei Tagen in Möhlin raus, vorne im Festzelt weibelte der Service und nach der grossen Sause Samstagnacht – war wie von Zauberhand am nächsten Morgen alles wieder parat.
Stephan Schlachter ist ein Heinzelmännchen, gehört er doch zu diesen stillen «Chrampfern» im Hintergrund. Seit Jahren verantwortlich für die Festwirtschaft am Fischessen des WFV Ryburg-Möhlin, übergibt er nun in neue Hände. «Im Namen des Vereins von Herzen ein grosses Dankeschön für seinen wahnsinnigen Einsatz», sagt Pascal Sacher – auch das ist mehr als bloss eine Randbemerkung im Rahmen des Eidgenössischen, an dem es sie zuhauf gab, all die stillen Helfer, ohne die ganz vorne auf der grossen Bühne das helle Scheinwerferlicht gar nie erst angegangen wäre. Keine Gemeinschaft ohne Heinzelmännchen.
Ein Kranz den Alltagshelden
Das Rangverlesen am Sonntag unten am Möhliner Rhein ist in vollem Gang, als plötzlich die Nachricht von einem Grossbrand im Dorf die Runde macht. Minuten später steht ein riesiges Aufgebot an Einsatzkräften vor Ort, Menschen werden aus ihren Wohnungen gerettet, das Feuer gelöscht. Als alles Kontrolle ist: Anruf der NFZ beim Feuerwehrkommandanten Richard Urich. Er gibt Auskunft, trägt dazu bei, die Bevölkerung, die das Grossaufgebot und die Sirenen fragend mitbekommen hat, informiert werden kann. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: Beim emotionalen Rangverlesen unten am Rhein ist auch sein Name gefallen. Unter dem Jubel seiner Vereinskollegen holt sich Urich zusammen mit Pascal Sacher seinen allersten Eidgenössischen Kranz. Er selbst verpasst diesen feierlichen Moment – weil es jetzt Wichtigeres gibt.
Noch weit in die Samstagnacht hinein schob er als Wasserfahrer wie viele andere Schicht für ein unvergessliches Eidgenössisches, und geplant gewesen wäre am frühen Montagmorgen vor seinem runden Geburtstag ein Kurztrip mit der Familie in eine europäische Stadt. «Das muss ich meiner Frau noch beichten», sagt der Feuerwehrkommandant am Sonntagabend am Telefon. Denn zuerst hatte er nach dieser Nacht am Montagmorgen wieder vor Ort sein müssen. Inspektion des Brandortes. Dort, wo Stunden zuvor Menschen rechtzeitig gerettet werden konnten. Ein Kranz all jenen, die für die Gemeinschaft immer wieder alles stehen und liegen lassen, wenn es brennt. (rw)

