Viele Menschen haben viele Aufgaben
06.09.2026 Fokus, LaufenburgEin Baustellenbesuch auf der Hochrheinbahn
Rund 300 Menschen arbeiten derzeit an der Elektrifizierung der Hochrheinbahn zwischen Basel und Erzingen. Die NFZ war auf den Baustellen in Bad Säckingen und Laufenburg. Hier tut sich mehr, als der gelegentliche Blick von aussen offenbart.
...Ein Baustellenbesuch auf der Hochrheinbahn
Rund 300 Menschen arbeiten derzeit an der Elektrifizierung der Hochrheinbahn zwischen Basel und Erzingen. Die NFZ war auf den Baustellen in Bad Säckingen und Laufenburg. Hier tut sich mehr, als der gelegentliche Blick von aussen offenbart.
Boris Burkhardt
Manchmal sieht es so aus, als tue sich auf den Baustellen für die Elektrifizierung auf der Hochrheinstrecke nichts. Viele Arbeiten seien auf sehr spezialisierte Unternehmen verteilt, erklärt diesen Eindruck Gesamtprojektleiter Christian Lösch. Er und Projektingenieurin Franca Neumann-Opitz stehen mit der NFZ auf der Baustelle im Bahnhof Bad Säckingen. Gerade haben die Mitarbeiter der Firma Perzl aus Leutenbach bei Stuttgart mit ihrem Laster die Baustelle verlassen: Sie kümmern sich ausschliesslich um die Betonfundamente für die Oberleitungsmasten.
Lösch zeigt auf das Fundament direkt im Bahnhofsbereich neben dem Bahnsteigdach, das mit Holzbrettern abgedeckt ist: «Der Beton braucht Wochen, um auszuhärten.» 1600 Oberleitungsmasten werden auf den 75 Kilometern Hochrheinbahn zwischen Basel und Erzingen für die Elektrifizierung gesetzt. Noch geht die Deutsche Bahn von einer Fertigstellung bis Ende 2027 aus. Bad Säckingen ist ausserdem einer von 17 Bahnhöfen, die erneuert werden. Zusätzlich werden drei Haltestellen komplett neu gebaut: in Badisch-Wallbach, in Rheinfelden-Warmbach und Waldshut-West. In Bad Säckingen wurden die Bahnsteige entfernt und werden nun auf eine Länge von 155 Metern und Höhe von 55 Zentimetern neu gebaut; die markanten weissen Randsteine des Bahnsteigs stehen bereits.
Kellerschacht entdeckt
Die Bahnsteigdächer bleiben erhalten; die Stützen erhalten einen neuen Korrosionsschutz. Neumann-Opitz berichtet von einem Kellerschacht des Bahnhofgebäudes, der bei den Arbeiten gefunden wurde. «Wir wussten, dass das Gebäude unterkellert ist, allerdings nicht, dass sich auch unterhalb des Bahnsteigs ein Schacht befindet», berichtet sie. Der Bahnhof sei 1856 eröffnet worden; Baupläne des Schachtes gebe es keine mehr. Der Schacht ist laut Neumann-Opitz schon lange nicht mehr zugänglich und wurde nun verfüllt.
Über die unbenutzten Gleise kommt ein Mann mit Helm und orangener DB-Weste gelaufen und stellt sich als «Constantin, Anlagenverantwortlicher» vor. Er ist für den sicheren Betrieb zuständig und hält unter anderem Schäden an den Bahnanlagen fest, die die ausführenden Firmen verursacht haben. Schon hat er eine Delle im Bahnsteigdach entdeckt, macht Notizen und Photos. Lösch kennt ihn nicht persönlich.
«Es arbeiten schätzungsweise 300 Menschen von der Deutschen Bahn, ihren Unternehmen und Subunternehmen an diesen 75 Kilometern Strecke», erklärt er. Wie gerufen kommt in diesem Moment ein weiterer Mann: Es ist Bauüberwacher Andreas Bechler vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Malsch bei Karlsruhe. Er hat die alleinige Aufgabe, auf jeder Baustelle zu überprüfen, dass die beauftragten Unternehmen ihre Arbeit gemäss ihrem Auftrag erledigt haben.
Für die Aufrichtung der Masten ist wieder eine andere Firma zuständig als jene für die Fundamentlegung, für die Signale und Kabelverlegung wieder andere. Auch Bauüberwacher Bechler ist nur mit der Strecke zwischen Wehr und Murg betraut. Für die Oberleitungen und Signalanlagen gibt es wiederum eigene Bauüberwacher. Bechler freut sich, dass die drei Hauptunternehmer der Bauabschnitte aus der Region sind: «Die Zusammenarbeit mit den Mittelständlern läuft sehr angenehm und flexibel.»
Arbeiten vom Gleis aus
Bechler telefoniert kurz, um herauszufinden, dass sich die Baukolonne, die die Masten setzt, gerade auf der Strecke zwischen Wehr-Brennet und Badisch-Wallbach befindet. Die Masten würden von einem Bahnwaggon aus aufgerichtet, beschreibt Bechler. «Alle Arbeiten, bei denen es möglich ist, werden vom Gleis aus verrichtet», ergänzt Lösch. Er zeigt auf einen Zwei-Wege-Bagger, der auf der Bad Säckinger Baustelle ruht: Mit grossen Gummirädern und kleinen Metallrädern kann er auf der Strasse und auf den Schienen fahren.
Wegen der anhaltenden Hitze haben einige Unternehmen die Arbeiten auf den frühen Morgen oder Abend verlegt. Auch im Bahnhof Laufenburg liegen fünf Arbeiter im Schatten und halten Siesta. Im Gegensatz zu Bad Säckingen wurden hier die Gleise komplett entfernt, um genügend Platz für die Baustelle zu schaffen. Laufenburg bietet nämlich zwei besondere Herausforderungen: In Fahrtrichtung Waldshut wurde der Bahnsteig auf einer hohen Stützmauer errichtet, die die Höhe zum Rheinufer überwindet. In dieser Bauart muss der Bahnsteig nun um 35 Meter verlängert werden.
«Wir bauen etwas Altes neu nach», formuliert es Lösch. Die engen Platzverhältnisse machen das Bauen anspruchsvoll. Hier im Bahnhofsbereich werden statt einzelner Masten beidseits der Gleise sogenannte Mehrgleisausleger für die neuen Oberleitungen mit entsprechend langem Arm gebaut. Diese sind deutlich teurer als zwei einfache Masten, weswegen sie die Bahn nur einplant, wo es die Platzverhältnisse nötigmachen. Begutachten kann man die einarmigen Masten bereits in Badisch-Wallbach.
Die zweite Herausforderung in Laufenburg ist der Rappensteintunnel, der sich direkt an den Bahnhof anschliesst. Damit die Oberleitungen hindurchpassen, fehlen 60 Zentimeter in der Höhe. Diese werden am Beginn des Tunnels von der Decke abgefräst, weil hier der Bahnübergang direkt vor dem Portal eine Tieferlegung verunmöglicht. Dies geschieht erst weiter hinten im Tunnel. Am Ostende des Tunnels wird die Brücke der Brunnenmatt abgerissen und höher neu gebaut.
Bevor die Arbeiten im Tunnel beginnen konnten, mussten mit einer Dauerbeleuchtung die Fledermäuse vergrämt werden, die sich hier sonst im Nachtquartier eingenistet hätten. Der 337 Meter lange Tunnel wurde ebenfalls 1856 fertiggestellt: Damals baute man noch einen Firststollen, einen niedrigen Wartungsgang entlang des Scheitelpunkts des Tunnels. Auch diesen habe man erst verfüllen müssen, damit die Anker der Oberleitungen nicht in einen Hohlraum gedübelt würden, erklärt Neumann-Opitz.
Am 20. September veranstaltet die Deutsche Bahn anlässlich des Tags der Schiene ein Tunnelfest im Rappensteintunnel in Laufenburg. Es wird möglich sein, den Tunnel zu besichtigen.




