«Meine Leidenschaft gehört alten Fotos und deren Geschichten»
02.01.2026 Persönlich, SteinFritz Käser trifft gern Menschen und hört gut zu
Eigentlich wäre der Bauernsohn gern Sportreporter geworden. Er hatte Druckerschwärze an den Händen, trainierte die Junioren beim FC Stein, ist unverhofft Redaktor geworden und sammelt mit Leidenschaft alte ...
Fritz Käser trifft gern Menschen und hört gut zu
Eigentlich wäre der Bauernsohn gern Sportreporter geworden. Er hatte Druckerschwärze an den Händen, trainierte die Junioren beim FC Stein, ist unverhofft Redaktor geworden und sammelt mit Leidenschaft alte Steiner Fotos und Dorfgeschichten – Fritz Käser weiss viel zu erzählen.
Petra Schumacher
Im Luzernischen geboren, kam Fritz Käser 1953 mit sechs Jahren nach Stein und sagt voller Überzeugung: «Ich bin Steiner.» Mit zwei Geschwistern ist er in bescheidenen Verhältnissen auf einem Bauernhof aufgewachsen. «Als Ältester hätte ich mich wohl in die Landwirtschaft einbringen sollen», erzählt er. «Aber die Scholle war nichts für mich. Mich hat das Grün vom Fussballrasen mehr interessiert als das Grün der Erdäpfel.» Der Fussball wird zu seiner Leidenschaft, beim FC Stein ist er seit der Vereinsgründung 1962 dabei. Fritz Käser spielte bei den Steiner Junioren, träumte als Jugendlicher kurz von einer Karriere als Sportreporter und wechselte dann auf die Trainerbank, um 27 Jahre die Junioren in Stein zu coachen.
Druckerschwärze
Nach der Primarschulzeit ging es für Fritz Käser an die Bezirksschule nach Rheinfelden. Während die anderen im Zug jassten, gab er das spärliche Sackgeld für die Sport-Zeitung aus. Die ersten Erfahrungen bei der Herstellung von Zeitungen machte er beim wöchentlichen Zeitungsfalten bei der Mobus AG in Stein. «Den Geruch vom bedruckten Papier hatte ich von Anfang an gern», sagt er. Dieser Geruch sollte ihn lange begleiten. Nach der Lehre als Schriftsetzer war er vier Jahre in Basel tätig, liess sich dort zum Maschinensetzer ausbilden und war dann 41 Jahre bei der Mobus AG in Stein tätig. «Der Bleisatz hat mir gefallen, sogar die Druckerschwärze konnte mir nichts anhaben», erzählt Fritz Käser und ergänzt: «Der Beruf hat sich stark verändert, aber das Entstehen der jeweiligen Zeitung war für mich bis zur Pensionierung immer wieder ein spannender Prozess.»
Ungeplante Projekte
Redaktor ist er unverhofft geworden. Als 2011 in Stein die Dorfzeitung, die «Brückenpost», ins Leben gerufen wurde, erhielt Fritz Käser eine
Einladung zur Mitarbeit. «Für technische Belange» stand hinter seinem Namen. Dass er 14 Jahre lang selber Berichte verfassen und die Fotoserie «Einst und Jetzt» betreuen würde, ahnte er bei seiner Zusage nicht. «Wenn sich etwas wie ein roter Faden durch mein Leben zieht, dann ist es das, dass ich mich ungeplant in neuen Projekten wiederfinde. Und wenn ich mal drin bin, dann lässt mich das Thema nicht mehr los», erklärt er lächelnd.
Der Foto- und Dorfgeschichten-Sammler
Die alten Griechen haben ihn im Geschichtsunterricht nicht sonderlich interessiert, weiss Fritz Käser zu berichten. Aber die Geschichten der Menschen um ihn herum wohl. «Ich rede gern mit den Leuten, höre zu und frage nach», erzählt er. «Je mehr ich von den alten Zeiten hier in Stein gehört habe, umso neugieriger wurde ich.» Gerade die alten Fotos begeistern ihn. Und zu jedem Foto gibt es eine Geschichte, eine Anekdote und oft auch weitere Schriftstücke. «Ich bekam mit der Zeit eine Sammlung, wobei ich gemerkt habe, dass ich eigentlich schon immer Zeitungsberichte mit Geschichten von Stein aufgehoben habe.»
Als eines dieser ungeplanten Projekte kam im 2023 von der reformierten Kirche in Stein die Anfrage, ob er alte Bilder von Stein zeigen würde. Der kleine Saal in der Kirche war voll und die Zustimmung im Publikum gross. Und danach kam das nächste ungeplante Projekt: die Anfrage von Hansueli Bühler, dem Präsidenten des Steiner Kulturvereins, ob Fritz Käser seinen Vortrag nicht im Saalbau in Stein nochmals halten könnte. Es brauchte etwas Überredungskunst, aber dann präsentierte er, stilecht in Knickerbocker und Schiebermütze, vor über 300 Leuten seine Sammlung an Fotos und Episödchen. Das Zusammenbringen der Anekdoten und der vielen kleinen persönlichen Geschichten – jenseits der «trockenen» historischen Fakten – begeisterte die Zuhörer.
Ehrenamt
«Ich möchte in meiner kleinen Welt etwas bewegen», sagt Fritz Käser. Ihm ist die Mitmenschlichkeit wichtig. Darum gehört er zu den ehrenamtlichen Gratulanten der reformierten Kirche, die Senioren ab dem 80. Geburtstag besuchen. «Wenn ich merke, diesen Leuten gefällt mein Besuch, erfüllt mich dies mit Freude», erzählt Fritz Käser, der auch regelmässig an den Pro Senectute-Mittagstisch in Stein geht. Sein ehrenamtliches Engagement sieht er als selbstverständlich an, die Ehrung vom Gemeinderat mit der Urkunde «für besondere Verdienste zum Wohl der Gemeinde Stein» 2023 empfand er aber als tolle Wertschätzung der Freiwilligenarbeit im Dorf.
Alte Geschichten
2025 kam die Reformierte Kirche Mittleres Fricktal nochmals auf Fritz Käser zu. Ein Vortrag über die Kirchengeschichte wurde gewünscht und Fritz Käser fand sich in einem seiner ungeplanten Projekte wieder. «Es ging dabei ja um alte Geschichten und da hat mich natürlich meine Begeisterung und Neugierde gepackt», sagt er schmunzelnd. Seine Recherchen zur Vortragsvorbereitung führten ihn zu einem alten Protokollbuch des Kirchenchors. «Unglaublich, was ich da gefunden habe», erzählt Fritz Käser. So wurde der Steiner Kirchenchor 1914 zu einem Auftritt in die Kirche nach Bözen eingeladen. Zu dieser Zeit war das Geld knapp. Die Zugtickets konnten nur bis Hornussen gelöst werden. Den Rest der Strecke ging der Chor zu Fuss. Retour mussten die Sänger gar bis Frick laufen, weiss er zu berichten.
Nicht nur die alten Geschichten interessieren Fritz Käser. «Mein Herz schlägt für die Zeitung», erklärt er. «Mich beschäftigen das Weltgeschehen und die aktuelle Politik sehr. Auch die Schnelligkeit der sozialen Medien, die Fake News und KI». Und abschliessend sagt er: «Ich würde mir wünschen, dass sich die Leute die Zeit nehmen, um sich seriös zu informieren. Eine gute Zeitung braucht es gerade in unserer heutigen Zeit».

