«Ich habe den Hut gerne auf»
20.06.2026 Frick, PersönlichFabian Friedli amtet als Marktleiter in Frick
Die Tradition vom Markt in Frick geht mit der Erteilung des Marktrechts auf das Jahr 1701 zurück. Im August feiert das Marktgeschehen sein 225-Jahr-Jubiläum mit einem Marktfest. Fabian Friedli erklärt, was es braucht, um einen Markt ...
Fabian Friedli amtet als Marktleiter in Frick
Die Tradition vom Markt in Frick geht mit der Erteilung des Marktrechts auf das Jahr 1701 zurück. Im August feiert das Marktgeschehen sein 225-Jahr-Jubiläum mit einem Marktfest. Fabian Friedli erklärt, was es braucht, um einen Markt erfolgreich zu leiten und warum er sich wünscht, dass die Markttradition noch lange währt.
Petra Schumacher
Fabian Friedli, Jahrgang 1982, ist mit Herz und Seele Fricktaler. In Frick ist er aufgewachsen, zur Schule gegangen, lebt und arbeitet hier und kennt den Fricker Markt seit Kindertagen. «Die vier Markttage im Jahr waren für uns Kinder immer sehr aufregend. Zu meiner Zeit hatten wir an diesen Montagen sogar schulfrei», erzählt er. «Auf bestimmte Stände hat man sich immer schon vorab gefreut. Von Gotte und Götti oder den Grosseltern gab es meist einen ‹Marktbatzen›, mit dem man dann recht stolz zusammen mit den Kollegen unterwegs war. Ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Zeit.»
Einstieg ins Marktgeschehen
Nach der Lehre machte Fabian Friedli zusätzlich den KV-Abschluss und stieg in die Versicherungsbranche ein. Aktuell leitet er das Regionalbüro der Mobiliar in Frick. «Zum Glück kann ich mir in meinem Beruf die Zeit eigenständig einteilen und bin flexibel. Das war eine wichtige Voraussetzung für die Mitarbeit in der Marktkommission, so Fabian Friedli. Die Anfrage im Jahr 2010, ob er in der fünfköpfigen Marktkommission mitarbeiten würde, empfand er als Wertschätzung. «Es ist schön, wenn man im Dorf gesehen wird und das Vertrauen bekommt.» Fünf Jahre war Fabian Friedli in der Marktkommission tätig, dann kam die Frage, ob er Daniel Suter als Marktleiter ablösen würde. «Ganz ehrlich? Ich musste nur ganz kurz überlegen. Nach einer Rückfrage bei meiner Frau, die so einen Entscheid ja mittragen muss, habe ich zugesagt.» Er führt weiter aus: «Ein Jahr lang durfte ich Daniel Suter bei allen Marktbelangen begleiten. Ich konnte enorm von seinem Wissen und den Erfahrungen profitieren und hab damit ein gutes Rüstzeug bekommen.»
Der Hutträger
Seit 2016 ist er Marktchef wie der offizielle Titel lautet. Wobei Fabian Friedli das Wort Chef nicht gern hört. «Das klingt für mich, wie von oben herab Befehle erteilen und das ist nicht meine Art. Ich sehe mich als Teil des Teams. Natürlich mit der Verantwortung, die ich nun einmal habe. Ich habe bildlich gesprochen, den Hut auf.» Den Hut trägt er aber auch tatsächlich. «Schon früher hat der Marktchef einen höheren Hut getragen, damit man ihn auf dem Markt erkennt und schnell findet. Diese Tradition führe ich gern fort», so Fabian Friedli.
Auf den richtigen Mix kommt es an
Zwei Jahre, also acht Märkte habe es gedauert, bis er sich vollumfänglich eingearbeitet habe, erklärt der Marktleiter. Die Vorbereitungen für die vier Märkte beschäftigen ihn ganzjährig. Um die 600 Gesuche landen pro Jahr auf seinen Tisch, die geprüft werden müssen. Nur etwa 50 der 140 Marktfahrer bekommen eine Jahresgenehmigung. «Es braucht den richtigen Mix von Ständen, damit einerseits die Besucher zufrieden sind und andererseits die Einnahmen der Marktfahrer stimmen», so Fabian Friedli. «Wir brauchen Spezialitäten, die dann etwas höherpreisig sein dürfen, aber auch günstigere Ware. Die Leute schauen gerne neue Stände an, freuen sich aber auch über «gute alte Bekannte». Beim Pfingstmarkt habe er René Rohner von «Magenbrot Rohner» zu seinem 50-Jahr-Marktjubiläum gratulieren können, erzählt der Marktleiter. «Das war ein schöner Anlass. René kenne ich schon seit der Zeit, in der ich mit meinen Schulkollegen über den Markt gelaufen bin.»
Die Marktfahrer
Fabian Friedli spricht über die Besonderheiten der Märkte. «Die Marktfahrer haben ihre eigene Mentalität. Dafür muss man erst das Gespür entwickeln. Es braucht eine gewisse Strenge und klare Regeln, aber auch das Verständnis für die Marktfahrer sowie das wohlwollende Bemühen, ihre Wünsche zu erfüllen.» Sechs Wochen vor dem Markt verschickt der Marktleiter die definitiven Zusagen mit Platznummer und Meterzahl und schreibt seinen Standplan. Dieser geht zum Bauamt der Gemeinde, da einige Stände von der Gemeinde aufgestellt werden. Am Sonntagabend vor dem Markt trifft sich die Marktkommission, um alle Standnummern zur Orientierung für die Marktfahrer auf 900 Metern Verkaufslänge auf den Boden zu schreiben. Am Marktmorgen ist die Marktkommission ab 6 Uhr vor Ort. «Ab dann ‹wuselt› es ordentlich», erzählt Fabian Friedli. «Zu den Marktfahrern, die ihre Plätze suchen und am Auf bauen sind, kommen zwei bis sechzehn ‹wilde› Marktfahrer dazu, die versuchen noch spontan einen Platz zu bekommen. Das hat eine gewisse Berechtigung, denn einige Marktfahrer sagen kurzfristig ab und die Lücke sollte ja gefüllt werden.» Auch bei den spontanen Zu- und Absagen braucht es Augenmass und die richtige Tonart. «Wie bereits gesagt, das Marktgeschehen hat sein ganz eigenes Flair», so der Marktleiter. «Mir gefällt es.»
Die Markttradition
Fabian Friedli freut sich auf den Markt im August. In diesem Jubiläumsmarktjahr wird er auf den Sonntag, 23. August, gelegt und im Dorffest integriert, das in diesem Jahr «Marktfest» heisst. «Ich finde es schön, dass die Tradition vom Markt fortgeführt wird. Für mich ist das ein Stück Kulturgut. Wenn ich Marktstände sehe, an denen Besucher mit dem Verkäufer über ein Produkt diskutieren, geht mir das Herz auf», so Fabian Friedli. «Früher war der Markt vor allem für den Warenverkehr wichtig, war aber auch ein gesellschaftlicher Anlass. Heute sehe ich die Bedeutung des Marktes vor allem als Ort der Begegnung und des Miteinanders und wünsche mir, dass das auch weiterhin so bleibt.»

