Seit über vier Jahren läuft der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. In Rheinfelden knüpfen Freiwillige Tarnnetze für ukrainische Rettungsdienste, Tierheime und die Armee.
Valentin Zumsteg
Es wird geredet, gelacht und manchmal auch geweint. Jeden Samstag sitzen Dutzende ...
Seit über vier Jahren läuft der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. In Rheinfelden knüpfen Freiwillige Tarnnetze für ukrainische Rettungsdienste, Tierheime und die Armee.
Valentin Zumsteg
Es wird geredet, gelacht und manchmal auch geweint. Jeden Samstag sitzen Dutzende von Frauen und Männern im Begegnungszentrum Drei Könige in Rheinfelden zusammen. Sie knüpfen gemeinsam Tarnnetze für die Ukraine – und damit ein Stück Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges. «Dies gibt uns ein Gefühl von Heimat», sagt Liliya Wälchli. Die 43-Jährige ist die Initiantin der Gruppe. Die gebürtige Ukrainerin ist mit einem Schweizer verheiratet, lebt seit 2012 hier und ist Mutter von zwei Kindern.
«Eine Katastrophe»
«Als am 24. Februar 2022 Russland die Ukraine angegriffen hat, war das eine Katastrophe. Ich hatte grosse Angst um meine Verwandten», erzählt sie. Ursprünglich stammt sie aus einem kleinen Dorf im Nordosten der Ukraine, nur rund 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. «Schon am ersten Tag sind russische Soldaten durch mein Heimatdorf gezogen. Früher lebten dort 450 Menschen, heute sind es nur noch rund 100.» Schnell war klar, dass sie helfen will. «Sonst wäre ich hier kaputt gegangen.» Sie organisierte Spenden für ihre alte Heimat.
Im November 2022 lernte sie eine geflüchtete Ukrainerin kennen, die in Muttenz Tarnnetze knüpfte. So begann sie auch mit dieser Arbeit, zuerst in Muttenz, dann in ihrem Wohnhaus in Möhlin und seit Oktober 2023 im Begegnungszentrum Drei Könige in Rheinfelden. Dort hat es genügend Platz, denn mittlerweile knüpfen jeden Samstag rund 20 Männer und Frauen die Tarnnetze. «Die Gruppe umfasst insgesamt rund 40 bis 50 Leute. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind dabei, aber auch Schweizer. Diese Treffen sind wichtig für uns. Nach der Arbeit wird gemeinsam Tee getrunken und gegessen», sagt Liliya Wälchli.
Schon über 300 Netze produziert
Als Ausgangsmaterial dienen Katzennetze, diese werden auf eine Grösse von 6 mal 3 Meter zugeschnitten und mit Gartenvlies-Streifen im Camouf lage-Muster ergänzt. «Seit es die Gruppe gibt, haben wir schon 304 Netze geknüpft. Diese werden fast wöchentlich in die Ukraine transportiert», schildert Liliya Wälchli. Um das Material zu finanzieren, verkauft die Gruppe auf dem Samstagsmarkt in Badisch Rheinfelden alle zwei Wochen ukrainische Spezialitäten. Das gibt zwar nicht viel Geld, doch es reicht. Die Netze gehen in der Ukraine an Rettungsdienste, die Armee und Tierheime. Regelmässig erhalten sie Dankesschreiben. «Ein Soldat hat mir geschrieben, dass er und seine Kumpels nur wegen unserer Tarnnetze noch leben.»
Liliya Wälchli und ihre Mitstreiter werden weiterhin jeden Samstag Tarnnetze für die Ukraine produzieren, immer verknüpft mit der Hoffnung, dass es Frieden gibt. «Wir träumen davon, uns in unserer Heimat gegenseitig zu besuchen, wenn das Land befreit ist.»