In Rheinfelden gibt es seit vielen Jahren ein Tageszentrum für Menschen mit langandauernden psychischen Erkrankungen. Dieses Zentrum wird auf das Jahr 2027 neu ausgerichtet, dadurch verlieren zahlreiche bisherige Patientinnen und Patienten einen wichtigen Rückhalt. Sie sind verzweifelt.
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In Rheinfelden gibt es seit vielen Jahren ein Tageszentrum für Menschen mit langandauernden psychischen Erkrankungen. Dieses Zentrum wird auf das Jahr 2027 neu ausgerichtet, dadurch verlieren zahlreiche bisherige Patientinnen und Patienten einen wichtigen Rückhalt. Sie sind verzweifelt.
Valentin Zumsteg
«Wir sind alle am Boden zerstört», sagt eine Fricktalerin, die seit vielen Jahren das Tageszentrum für Menschen mit langanhaltenden psychischen Erkrankungen in Rheinfelden besucht. Dieses Angebot der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG), das sich im Salmenpark befindet, ist werktäglich geöffnet und für viele Menschen eine wichtige Anlaufstelle. Wie die bisherigen Patientinnen und Patienten vergangene Woche erfahren haben, kommt es jetzt zu einer Neuausrichtung. Dadurch steht ihnen dieses Angebot im Fricktal ab dem 12. Dezember nicht mehr zur Verfügung; diese Ankündigung kam für sie überraschend.
«Die Situation belastet mich sehr»
Die NFZ konnte mit rund einem Dutzend Betroffener reden, denen die Ankündigung grosse Sorgen bereitet. Sie alle schildern, wie wichtig ihnen dieses Angebot ist und wie verzweifelt sie nun sind. «Die ganze Situation belastet mich so sehr, dass ich manchmal den ganzen Tag nur weinen könnte», erklärt ein Mann, der an einer depressiven Störung leidet und das Tageszentrum regelmässig nutzt. «Die Angst, diesen wichtigen Rückhalt zu verlieren, und die Ungewissheit, wie es danach weitergehen soll, machen mir sehr zu schaffen. Besonders schwer wiegt für mich, dass diese Unsicherheit ausgerechnet vor den Feiertagen aufkommt, die für uns psychisch erkrankte Menschen ohnehin oft keine einfache Zeit ist.» Er besucht das Tageszentrum einen Tag pro Woche. Dieser eine Tag gebe ihm die Kraft, die er brauche, um die restlichen sechs Tage der Woche zu bewältigen. «Dort finde ich Halt, Verständnis und das Gefühl, mit meiner Krankheit nicht allein zu sein», erklärt er weiter. Eine ältere Frau, die das Tageszentrum ebenfalls seit vielen Jahren besucht, fühlte sich dort immer gut unterstützt. «Das gab mir eine Struktur. Das fällt nun weg.» Ein junger Mann, der an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, erklärt: «Über 50 Menschen wird jetzt der Boden unter den Füssen weggerissen.»
Kompetenzzentrum für ADHS und Autismus
Die Psychiatrischen Dienste Aargau bestätigen auf Anfrage der NFZ, dass es zu Änderungen kommt. «Die Neuausrichtung des Standorts Rheinfelden per Dezember 2026 ist eine gezielte strategische Weiterentwicklung des medizinischtherapeutischen A ngebots der PDAG», hält Mediensprecher Daniel Zimmermann gegenüber der NFZ fest. Aufgrund der steigenden Nachfrage im Kanton Aargau werde der Standort zu einem spezialisierten Kompetenzzentrum für ADHS und Autismus ausgebaut; mit entsprechenden Coaching- und Therapieangeboten ab Januar 2027. «Eine Schliessung beziehungsweise ein Stellenabbau findet nicht statt», so Zimmermann.
Das ändert für viele bisherige Patientinnen und Patienten aber nichts daran, dass sie ein wichtiges Angebot im Fricktal verlieren. Dazu heisst es vom PDAG: «Das bisherige allgemeinpsychiatrische Tageszentren-Angebot in Rheinfelden wird ab Januar 2027 nahtlos durch die etablierten Tageszentren der PDAG in Aarau, Baden und Wohlen übernommen.» Für jede betroffene Patientin und jeden betroffenen Patienten werde im persönlichen Gespräch eine individuelle und passgenaue Anschlusslösung erarbeitet, sodass die Versorgung lückenlos und ohne Unterbrechung gewährleistet bleibe.
Das überzeugt die Betroffenen, mit denen die NFZ gesprochen hat, allerdings nicht. Aarau, Baden oder Wohlen sind für sie zu weit entfernt. «Andere Tageszentren in der Region sind bereits voll besetzt, verfügen über lange Wartelisten oder können nur einzelne zusätzliche Personen aufnehmen. Somit verlieren rund 50 Menschen ausgerechnet vor Weihnachten einen wichtigen Lebensmittelpunkt.»