Freakistan – ein kleiner Staat mitten in Frick
29.06.2023 Frick, SchuleWie funktioniert ein Staat mit Politik, Wirtschaft und Stimmbevölkerung? Antworten auf das und mehr gibt Freakistan. Nach intensiver Vorlaufzeit simulieren die dritten Klassen der Fricker Oberstufe als bisher einzige Schule in der Schweiz eine kurze Zeit einen fiktiven Staat.
...Wie funktioniert ein Staat mit Politik, Wirtschaft und Stimmbevölkerung? Antworten auf das und mehr gibt Freakistan. Nach intensiver Vorlaufzeit simulieren die dritten Klassen der Fricker Oberstufe als bisher einzige Schule in der Schweiz eine kurze Zeit einen fiktiven Staat.
Susanne Hörth
Wer in ein fremdes Land einreisen will, muss dafür auch den Zoll passieren. Für die Einreise nach Freakistan braucht es zudem ein kostenpflichtiges Touristenvisum. Geld benötigt es ebenfalls, um in einem der Geschäfte einzukaufen, eine Dienstleistung zu beziehen, in einem der Gastrobetriebe einzukehren oder sich in einem der Gesundheitsangebote verwöhnen zu lassen. Anderes Land, andere Währung. So auch in Freakistan. Beim Zoll-Büro und natürlich bei der stattlichen oder der privaten Bank können für 10 Franken 100 Freaktaler gewechselt werden. Für Recht und Ordnung sorgt die Polizei. Wer sich nicht an die Gesetze hält, muss sich vor dem freakistanischen Gericht verantworten.
Wo aber ist dieses Freakistan? Das kleine Land befindet sich mitten in Frick, genauer in und um das Gebäude C der Oberstufenanlage Ebnet. Seine Bevölkerung besteht ausschliesslich aus den etwas mehr als 200 Schülerinnen und Schülern der dritten Oberstufenklassen (9. Schuljahr) sowie ihrer Lehrerschaft. Gemeinsam haben sie den Kleinststaat geplant und ihn nun ein paar Tage lang auch Realität werden lassen.
Was simpel tönt, ist es aber nicht. Hinter Projekt «Schule als Staat» mit seinen vielen Bereichen steckt eine rund halbjährige Vorbereitungsund Planarbeit. Aufgaben wurden verteilt, Parteien ins Leben gerufen, ein Parlament einberufen, Unternehmen gegründet, Arbeitsverträge aufgesetzt und vieles mehr. «Es ist ein Planspiel», betonte am Dienstagmorgen bei der offiziellen Staatsgründung ein sichtlich stolzer und zufriedener Schulleiter Lothar Kühne. Er sprach von einem wahrhaft «historischen Moment». Auch der Schulleiter musste zuvor für den Zugang nach Freakistan als «Ausländer» zuerst ein Visum lösen. «Schule als Staat» ist ein Schulprojekt, welches laut Lothar Kühne in Deutschland bereits an mehreren Schulen erfolgreich realisiert wurde. In der Schweiz sei Frick sehr wahrscheinlich die erste Schule, die nach entsprechender Vorlaufzeit einen kompletten Staat inklusive Staatsapparat simuliert.
Einblicke
Der fiktive Staat Freakistan hat den Jugendlichen der Abschlussklassen neue Einblicke in vielfach reale Abläufe ermöglicht. Wobei es mehr als nur Einblicke sind. Die jungen Leute sind selbst Teil des Ganzen. Die NFZ konnte bei einer Führung mit Lisa Eisenhuth, einer der Klassenlehrerinnen, durch den Kleinststaat auch das 14-köpfige Parlament besuchen, welches an diesem Tag gerade den Steuerfuss bei acht Prozent festgelegt hatte. Um diese Steuern überhaupt bezahlen zu können, muss das Geld zuerst in Umlauf kommen, beziehungsweise verdient werden. Wer ein Unternehmen, beispielsweise ein Café eröffnet hatte, stellte bei den Arbeitsplänen auch schnell fest, dass Doppelschichten aufgrund des zu bezahlenden Mindeststundenlohns von 30 Freaktaler nicht realisierbar sind. «40 Freaktaler für zehn Minuten», erklärte im Gespräch mit den Medienleuten von «aussen» eine Mitarbeiterin der freakistanischen Massagepraxis. Sie verdeutlichte damit, dass bei den Berechnungen für die Einnahmen stets auch die Kosten für Miete, Mitarbeiter, Steuern und vieles mehr einkalkuliert werden müssen.
Fricks Gemeinderätin Susanne Gmünder Bamert, die als erste ausländische Staatsbürgerin zu den Eröffnungsfeierlichkeiten von Freakistan eingeladen worden war, zeigte sich begeistert. Für sie war schnell klar, dass sie sich in den wenigen Existenztagen des Schüler-Kleinstaates sicher noch einmal kulinarisch verwöhnen lassen wird. Selbstverständlich gegen Bezahlung in Freaktalern.






