Barbara Strebel fühlt sich wohl in ihrer alten Heimat
31.05.2026 PersönlichBarbara Strebel wurde in Rheinfelden geboren, ist in Gipf-Oberfrick aufgewachsen, hat zwischenzeitlich in Basel und Zürich gewohnt und ist nun wieder zurück in Rheinfelden, wo sich der Kreis schliesst.
Yasmin Malard
«Hier fühle ich mich schon wohl», sagt Barbara Strebel in ...
Barbara Strebel wurde in Rheinfelden geboren, ist in Gipf-Oberfrick aufgewachsen, hat zwischenzeitlich in Basel und Zürich gewohnt und ist nun wieder zurück in Rheinfelden, wo sich der Kreis schliesst.
Yasmin Malard
«Hier fühle ich mich schon wohl», sagt Barbara Strebel in ihrer neuen Altbau-Dachwohnung in Rheinfelden. Eine der Katzen, «der freche» Melchior, streift um ihre Beine herum und wechselt zwischen Balkon und Küche, während der andere Kater Fritz sich in einer Zügelkiste versteckt. Ein Wasser steht auf dem Tisch, wo normalerweise ein Kaffee stehen würde. Vom Röstgetränk trinkt Barbara Strebel nämlich täglich sechs bis acht Tassen, früher waren es bis zu zwölf. Es trage zu ihrem inneren Gleichgewicht bei, meint sie. «Ich bin nicht süchtig», ergänzt sie, «wobei, das sagen wahrscheinlich alle Süchtigen.» Sie grinst mit einem Funkeln in den Augen. «Einen Tee trinken gehen könnte ich nicht.»
Luftveränderung
In Basel hatte sich Barbara Strebels Haussituation ungünstig entwickelt, weswegen eine «Luftveränderung», der Auszug, eingeleitet wurde. Rheinfelden wurde schnell ihr Favorit bei der Wohnungssuche. Weswegen? «Rheinfelden ist ländlich, aber nicht allzu weit ab vom Schuss. Es ist mir wichtig, an einem Ort zu sein, an dem man auch kulturell stimuliert wird und wo man gerne aktiv Zeit verbringt.» Auch ihre Grosseltern waren schon in Rheinfelden geboren, weswegen sie auf Familienbesuchen die Stadt kennengelernt hatte. Noch vor drei Jahren hätte sie sich nie vorstellen können, wieder ins Fricktal zu ziehen. Nun möchte sie hier bleiben – für längere Zeit. «Aber wenn ins Fricktal, dann nur nach Rheinfelden», flüstert sie hinter vorgehaltener Hand.
Sprung in die Freiheit und dann in die Beschaulichkeit
In ihrer Jugend besuchte sie ein Gymnasium in Basel, während viele ihrer Klassenkameradinnen nach Aarau gingen. «Aarau galt als streng, das wollte ich natürlich umschiffen», sagt sie schelmisch. Der Sprung von Gipf-Oberfrick nach Basel-Stadt war für sie dazumal ein Sprung in die Freiheit gewesen. «Basel war für mich die grosse, weite Welt.» Die Stadt sei für sie ein Toröffner gewesen für neue Horizonte, denn das obere Fricktal habe sie immer als sehr eng empfunden. Dann wechselte sie zwischen den Städten Zürich und Basel hin und her; es folgten Studium und Arbeit. Irgendwann fing sie an, sich nach etwas «Beschaulicherem» zu sehnen. «Früher haben mich die Leute im Kleinbasel, die Drogen vertickten, nicht gestört. Ich habe einfach gedacht, das gehört zu einer Stadt. Mit dem Alter hat sich das geändert», erzählt sie.
Wertvolles Weben
Bis vor ein paar Monaten arbeitete Barbara Strebel immer in einem 100 Prozent-Pensum. Zurzeit geniesst sie einen zusätzlichen freien Tag in der Woche, den sie nutzt, um ihren Interessen nachzugehen – Zeit für sich zu haben. Dazu gehört für sie vor allem das Weben und Stricken. Sie zeigt verschiedene Schals in bunten Farben, die aus ihrer Hand entstanden sind. 20 Stunden braucht sie etwa, um einen Schal mit ihrem Webrahmen fertigzustellen, und davon hat sie mittlerweile 15 bis 20 produziert. Im Juni stehen die nächsten Web-Kurse an. Während sie die Kleidungsstücke wieder versorgt, sagt sie: «Mein Leben ist sehr unspektakulär und das ist mir auch recht.»
«Ich bin überhaupt nicht wetterfest»
Ein Thema, auf das sie immer wieder zurückkommt, ist das der inneren Balance. Für sie ist es wichtig, dass man gut auf sich schaut, sich weiterentwickelt, aufrichtig und authentisch durchs Leben geht. In ihrer Arbeit in der Psychiatrie hört oder sieht sie jeden Tag, wie schlecht es den Leuten gehen kann. Zur Erhaltung der inneren Balance geht sie hin und wieder an einen Retreat oder lernt neue Menschen und Sachen kennen. Zurzeit durchläuft sie ein «Probeschaffe» im Brockenhaus des gemeinnützigen Frauenvereins Rheinfelden, um etwas Gutes zu tun. «Ich will es zwar gar nicht wohltätiger hinstellen, als es ist», sagt sie rasch, denn die neue Arbeit bereite ihr Freude und fördere Abwechslung und Vernetzung. Um noch mehr in Rheinfelden anzukommen, hat sie auch schon überlegt, dem Natur- und Vogelschutz beizutreten, dann aber gemerkt: «Das würde null funktionieren, ich bin überhaupt nicht wetterfest!»
Hund und Ferien
Und was wünscht sich Barbara Strebel für die Zukunft? «Nebst Weltfrieden, meinst du?» Viel mehr als gesund und glücklich zu sein, brauche sie nicht. Ihre momentane Lebensrealität beinhaltet einen Job, der ihr Spass macht, ein gutes Umfeld und keine finanziellen Sorgen. Dennoch liessen sich zwei Wunschvorstellungen herausfiltern. Erstens: «Ich hätte mega gerne einen Sennenhund». Zweitens: «Ich möchte irgendwann im Leben mal auf Sansibar.» Ein Tropentraum, schöne Landschaften, aber ohne die Honeymoon-Atmosphäre der Malediven, sondern mit einem kulturell klar erkennbaren tansanischen Flair.
Familienkreis schliesst sich
Der Blick aus dem Fenster fällt auf das ästhetische Fabrikgebäude visà-vis von ihrem Balkon. «Das war eigentlich der Hauptgrund, wieso ich mich für diese Wohnung entschieden habe», verrät sie. Ihr Urgrossvater hat bei «Wuhrmann Cigars» ein Leben lang gearbeitet, sechzig Jahre etwa, «das muss noch vor der Einführung der AHV gewesen sein», vermutet sie. Obwohl sie ihren Urgrossvater nie kennengelernt hat, war er in ihrem Leben präsent durch die Erinnerungen und Erzählungen der Familie. «Man hört immer, wie streng und unfair die Vorfahren gewesen sind, aber bei mir sind sie positiv konnotiert und verdienen einen Platz in der Familiengeschichte.» Und so schliesst sich der Familienkreis in Rheinfelden. Klick. Ein Bild für die Ewigkeit.

