«Alle ziehen am gleichen Strick»
11.01.2026 Persönlich, SulzNach zehn Jahren an vorderster Front ist Lukas Zumsteg als Präsident des Radfahrer-Vereins «Helvetia» Sulz an der 116. Generalversammlung zurückgetreten. Der einstige Velo-Profi hat in diesem Jahrzehnt viel gelernt und gibt dem Vereinsleben auch für die Zukunft eine ...
Nach zehn Jahren an vorderster Front ist Lukas Zumsteg als Präsident des Radfahrer-Vereins «Helvetia» Sulz an der 116. Generalversammlung zurückgetreten. Der einstige Velo-Profi hat in diesem Jahrzehnt viel gelernt und gibt dem Vereinsleben auch für die Zukunft eine Chance.
August Widmer
«Wenn ein Verein aktiv ist und ein abwechslungsreiches Angebot hat, wird er auch in Zukunft bestehen», ist Lukas Zumsteg überzeugt. Sein Ziel als Präsident war es, allen der über 80 Vereinsmitglieder etwas zu bieten: «Die Jungradler holen wir in der Radsportschule Sulz-Gansingen ab, die aktiven Renn- sowie Hobbyfahrer unterstützen wir und für die älteren Mitglieder bieten wir in geselliger und in sportlicher Hinsicht einiges an». Als Angebot für alle Mitglieder zählen für Zumsteg, der als Profi zwischen 1998 und 2002 auf höchster Stufe Leistungssport betrieb, die all-sonntäglichen Ausfahrten: «Da kommen auch Leute mit, die nicht im Radfahrer-Verein sind. Nicht nur Mitglieder des Turnvereins, sondern auch Herbert Weiss war bei fast jeder Ausfahrt dabei». Der per Ende Jahr als Stadtammann von Laufenburg zurückgetretene Weiss hat in einem Zeitungsinterview gesagt, dass er wieder mehr in die Pedale treten möchte. Er wird an den Sonntags-Ausfahrten sicher weiterhin dabei sein.
Am Karfreitag Pasta mit Hackfleisch
Das Angebot für jedermann, das für Lukas Zumsteg eine Herzensangelegenheit war, hat auf höchster Ebene nicht nur bei den Politikern gefruchtet. Es waren nicht nur immer die älteren Semester, die mitfuhren, sondern auch die jungen Vereinsmitglieder. Ganz ohne Ranglisten kommen auch diese Ausfahrten nicht aus: «Rangiert wird nicht, wer am schnellsten wieder in Sulz ist, sondern wer bei den Ausfahrten am häufigsten dabei war». Nicht alle Teilnehmer der Sonntagsausfahrten gingen direkt nach Hause: «Da blieb man manchmal im Dorf auch beim Schlussbier etwas länger zusammen. So kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz». Zu diesen Ausfahrten fällt dem zurückgetretenen Vereinspräsidenten eine Anekdote ein: «Unsere traditionelle Karfreitagsausfahrt führt immer an den Rheinfall, wo wir Zwischenhalt machen und uns verpflegen. Im Corona-Jahr hatte kein Restaurant geöffnet, weshalb unser Koch die Verpf legung vorbereitete und diese an den Rheinfall brachte. Da unser Verpf leger gelernter Metzger ist, konnte ich ihm nicht beibringen, dass er an diesem Corona-Karfreitag Pasta ohne Hackfleisch machen soll». Die Absolution für die Velofahrer gab es dann in Sulz. Wie gewohnt wurde auch im Corona-Jahr an Karfreitag in der «Fischzucht» eingekehrt.
Am gleichen Strick ziehen
Für den 53-jährigen Zumsteg war es wichtig, dass er als Präsident für alle Vereinsmitglieder etwas bieten konnte. Dies, obwohl es nicht einfach ist, in einem Verein die Leute zu motivieren: «Die Leute im Verein zu motivieren ist schwieriger als in einem Betrieb. In einem Verein ist man freiwillig. Im Betrieb ist man Lohnempfänger und da kann von oben eher einmal etwas befohlen werden». Deshalb war und ist es für Zumsteg wichtig, dass in einem Verein alle am gleichen Strick ziehen und es keine Statusunterschiede gibt: «Wenn alle am gleichen Strick ziehen, kann viel bewirkt werden. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass das Vereinsleben weiterhin eine Zukunft hat. Da spielen Hierarchien keine Rolle. Alle haben gleiche Interessen und begegnen sich auf Augenhöhe. Und auch Junge können sich mit ihren Ideen einbringen». Zumsteg scheint dies für den RV Sulz gelungen zu sein. So konnte er das Präsidentenamt getrost in andere, jüngere Hände übergeben: «In unserem Verein ist eine junge Generation herangewachsen. Sie hat andere und gute Ideen und will diese auch umsetzen. Zudem haben diese Personen den Drive für das Führen eines Vereins. Für mich war es der ideale Zeitpunkt, um zurückzutreten». Der bisherige Vizepräsident Valeriano Vaccalluzzo wurde an der Generalversammlung zum Präsidenten gewählt und auch die übrigen Vorstandsämter konnten mit jüngeren Kräften besetzt werden.
Schwankendes Schiff und keine Durchfahrt durch das Nachbarland
Rückblickend sind es mehrere spezielle Momente, die Zumsteg aus seiner Präsidialzeit in Erinnerung bleiben werden. «2018 hielten wir die Generalversammlung auf einem Fährgastschiff auf dem Rhein ab. Während der Versammlung kam ein so starker Sturm auf, dass das Schiff nicht auf der Schweizer Seite des Rheins, in Rheinsulz, anlegen konnte. Auf deutscher Seite war dies im dritten Versuch in Badisch Laufenburg möglich. Uns blieb nichts anderes übrig, als über die Rheinbrücke wieder in die Schweiz zurückzulaufen.» Keinen Abstecher nach Deutschland gab es hingegen im Corona-Jahr 2021. «Die Karfreitags-Tour an den Rheinfall führt auf dem Hinweg über Schweizer und auf dem Rückweg durch deutsches Gebiet. Das wollten wir auch im Corona-Jahr so machen. Ich schrieb bis nach Berlin. Aber die deutschen Behörden blieben hart: Eine Heimfahrt durch deutsches Gebiet gab es nicht. So benutzten wir hin und zurück die gleiche Strecke». Trotz Corona und untersagter Durchfahrt durch Deutschland: Pasta mit Hackfleisch gab es am Rheinfall gleichwohl.


