«Es fehlen die Leute, die mit Herzblut arbeiten»

  12.05.2022 Fricktal, Gastronomie

Gastronomie: die Kundschaft ist da, die Fachkräfte fehlen

In der Fricktaler Gastronomie läuft es gut. Bankette für Familien-, Vereins- oder Firmenfeiern erfreuen sich einer grossen Nachfrage. Den Wirten fehlt aber oft das Fachpersonal.

Bernadette Zaniolo

«Es läuft super», sagt der Wölflinswiler Ochsen-Wirt Jörg Lenzin auf Anfrage. Er schiebt jedoch ein Aber nach: «Uns fehlen die Profis im Service. Ausgebildetes Personal, das die Kunden auch beraten und die Kasse bedienen kann. Dies ist im à la carte-Bereich wichtig.» Den Fachkräftemangel begründet er einerseits mit dem schlechten Image der Gastroberufe und andererseits habe der Lockdown dazu beigetragen. «Welche Eltern finden es cool, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter einen solchen Beruf erlernt», wirft Lenzin in den Raum. Der Lockdown habe es gefördert, dass viele Arbeitnehmer den Wochenendstress nicht mehr wollen. Zudem hätten viele Wirte ihr Personal wegen der Unsicherheit «geschickt», also entlassen. Lenzin nicht. Er freut sich auch, dass er wieder Personal einstellen konnte, denn aktuell falle seine Frau aufgrund eines Unfalls aus und eine Mitarbeiterin sei im Mutterschaftsurlaub.

Der «Ochsen» in Wölflinswil hat «nur» noch vier Tage pro Woche geöffnet (Donnerstag bis Sonntag). Was heisst das auf das Personal bezogen, beziehungsweise auf eine 100-Prozent-Anstellung, wollte die NFZ von Jörg Lenzin wissen. «100 Prozent heisst an vier Tagen je zirka 10 Stunden Leistung.» Das Sitzplatzangebot in der Gartenwirtschaft des Ochsen ist derzeit auf 60 bis 70 Prozent beschränkt. Lenzin begründet dies mit der Gewährleistung der Qualität «und die Kunden sind nicht bereit, zu warten.» Während Corona hätten viele Gäste aufgrund der Vorschriften (Platzzahlbeschränkung pro Tisch und Abstandsregeln) reserviert. Das habe die Planung erleichtert. Heute kommen die Gäste im à la carte-Bereich wieder eher spontan beziehungsweise ohne Anmeldung. Lenzin ist zuversichtlich, dass er bald wieder alle Plätze in der Gartenwirtschaft zur Verfügung stellen kann.

Zahl der Mittagessen schwankt
Sepp Hohler vom Gasthof Anker in Mumpf sagt, dass er viele Bewerber auf die offenen Stellen habe. «Die Leute, die mit Herzblut in der Gastronomie arbeiten wollen, fehlen jedoch», so sein Fazit. Dazu kommt, dass die meisten Stellensuchenden eine 100-Prozent-Anstellung wollen oder sprachliche Barrieren bestünden.

Da der «Anker» keine Laufkundschaft hat und die Zahl der Mittagessen sehr schwankend ist (zwischen 13 und 74 pro Tag), wirke sich dies auch auf personelle Entscheide aus. Am Wochenende (Freitag bis Sonntag) sei es oft so, dass das Restaurant um 18 Uhr voll besetzt sei und um 22 Uhr dann leer. Aus wirtschaftlichen Gründen ist der «Anker» deshalb an zwei Nachmittagen pro Woche zwischen 14 und 17 Uhr geschlossen. Hohler ist jedoch optimistisch. «Wir sind auf gutem Weg, dass es wieder wie vor Corona läuft». Aktuell sucht er vor allem Hilfskräfte für die «kalte Küche» und allgemeine Reinigungsarbeiten. Und während die Redaktorin zum nächsten Termin eilt, ist Hohler mitten in den Bestellungs-Vorbereitungen; dies notabene an seinem freien Tag.


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