Platz in der 1. Mannschaft als Ziel

Sa, 20. Nov. 2021
Liam Chipperfield im «Joggeli» in Basel, wo er hofft, bald einmal regelmässig für den FCB zu spielen. Foto: Edi Strub

Liam Chipperfield peilt eine Karriere als Stammspieler beim FCB an

Es ist für einen jungen Fussballer selten ein Vorteil, Sohn eines grossen Spielers zu sein, stellte der Schweizer U-17-Nati-Trainer Yves Débonnaire kürzlich fest. Doch der Rheinfelder Liam Chipperfield scheint auf dem Sprung, diese These zu widerlegen. Er hat trotz nur 17 Jahren und einem legendären Fussballer als Vater gute Chancen, bald regelmässig für die 1. Mannschaft des FC Basel aufzulaufen.

Edi Strub

«Ich erinnere mich noch heute deutlich an diesen Moment, obschon ich damals erst sieben Jahre alt war», erzählt Liam Chipperfield im Rotblau-Bistro im St. Jakob Park. Der FC Basel brauchte noch einen Punkt, um Meister zu werden. «Und da erzielte mein Vater (Scott Chipperfield) durch einen Kopf ball das 2:0 gegen den grossen Rivalen YB. Der Jubel war unbeschreiblich.» Im «Blick» konnte man lesen, dass Chipperfields Vater, ausser sich vor Freude, über die Bande zu springen versuchte, und dabei mit einem Fotografen zusammenstiess. Doch alles lief glimpflich ab. Und für Chipperfields Sohn – Liam – war von diesem Augenblick an klar, dass auch er einmal beim FCB spielen wollte. Als vielbejubelter Profi und Torschütze.

Elf Jahre später ist Liam Chipperfield auf gutem Wege, dieses Ziel zu erreichen. Er ist zwar erst siebzehn, hat beim FCB jedoch einen Profivertrag und trainiert regelmässig mit der 1. Mannschaft. Zweimal kam er auch schon zum Einsatz. Im Testspiel gegen den FC Schaffhausen vor einem Jahr, wo er auch gleich ein Tor schoss, und im Cup in dieser Saison gegen den FC Rorschach-Goldach.

Liam Chipperfield wohnt in Rheinfelden im Haus seiner Eltern. «Hier ging ich zur Schule und hier habe ich auch meine Kollegen.» Liam war eine Zeitlang in der Junioren-Abteilung des FC Rheinfelden, bevor er zum FC Basel wechselte. Angefangen mit Fussball hat er jedoch in Kaiseraugst. Er wohnte damals mit seinen Eltern in Kaiseraugst und dort durften selbst die kleinsten Knirpse beim FC mitmachen. «Bei den ersten Trainings hatte ich noch immer meine Windeln am Hintern.»

Vorbild für Liam Chipperfield war natürlich sein Vater, Scott Chipperfield. Der in Australien geborene «Chippy» ist eine Fussballlegende in Basel. 367mal spielte er für den FCB, er schoss 83 Tore und gewann mit dem FCB sechsmal die Meisterschaft. Viermal sogar das «Double» – Meisterschaft und Cup. Es war die Zeit der grossen Erfolge des FCB.

«Ich sass immer mit meiner Mutter im ‹Joggeli›, wenn der Vater spielte. Ich glaube, wir liessen kein Heimspiel aus. Auch bei den Auswärtsspielen waren wir oft dabei.» Daneben spielte Liam Chipperfield in den Juniorenmannschaften des FCB. Zuerst bei den U-15, dann bei den U-17, den U-19 und nun bei den U-21 in der Promotionsliga. Immer vorausgesetzt, dass er sich nicht für die 1. Mannschaft bereithalten muss. Kürzlich war das beim Match in Baku gegen den FC Karabach der Fall, wo er jedoch nicht zum Einsatz kam.

Liam Chipperfield wartet natürlich auf den Moment, wo er regelmässig in Meisterschaftsspielen zum Einsatz kommt oder zumindest im Aufgebot ist. «Es ist mein Traum, Teil der 1. Mannschaft zu werden. Ich hoffe, dass ich das irgendwann schaffe, aber das ist natürlich der Entscheid des Trainers.» Liam Chipperfield spielt im Mittelfeld und da gibt es viel Konkurrenz beim FC Basel. «Es sind gegenwärtig etwa sieben oder acht, die für die drei Positionen in Frage kommen. Mehrere davon sind sehr erfahren.»

Bis es so weit ist, will Liam Chipperfield einfach hart trainieren. Denn das sei, was letztlich zähle, und das Einzige, was er selbst steuern könne. Er habe gehört, dass er als talentiert gelte, sagt er bescheiden, aber er bilde sich nichts darauf ein. Er müsse einfach hart arbeiten und sich so Schritt für Schritt verbessern. Zusätzlich zum fast täglichen Training in der Mannschaft geht Liam Chipperfield noch zwei oder dreimal in der Woche ins Fitness, um die Kraft im Oberkörper und den Beinen zu verbessern. Gegen die grossgewachsenen «Schränke» in den gegnerischen Mannschaften brauche es noch etwas mehr Gewicht. Er arbeite daran, aber es reiche noch nicht ganz. Grösser werde er wohl nicht mehr, aber etwas breiter könne er schon noch werden.

Auch anderes gelte es noch zu verbessern. Er spiele technisch gut, habe eine gute Übersicht, was wichtig sei in seiner Position. Er versuche auch immer wieder mal ein Tor zu schiessen oder eine schöne Vorlage zu geben. So versuche er sich beim Trainer «aufzudrängen». Beim Verteidigen sieht er noch Verbesserungspotential. Als Profi mit einem Vertrag bis 2023 habe er einen Lohn, von dem er gut leben könne. Wieviel es ist, wollte er der NFZ jedoch nicht verraten. Dass er sein Ziel, für die 1. Mannschaft des FCB regelmässig oder gar als Schlüsselspieler zum Einsatz zu kommen, verpassen könnte, daran mag Liam Chipperfield gegenwärtig nicht denken. Er weiss zwar, dass es anderen Talenten so ergangen ist. Doch er fühle, dass er es schaffen werde, wenn er nur richtig hart arbeite. Das ist sein Schlüsselwort. Eine kleine Rückversicherung hat er immerhin. Bei Novartis hat er eine kaufmännische Lehre gemacht und darauf müsste er wohl zurückgreifen, wenn es mit der Profikarriere nicht klappt. Aber das sei jetzt kein Thema. Er sei im «Tunnel» und sehe für sich nur ein Ziel: Für «seinen» FCB als Profi spielen zu dürfen – wie es sein Vater so erfolgreich tat, als er gegen YB vor elf Jahren das entscheidende Tor schoss.

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