Frauen erobern das Wasser

So, 25. Jul. 2021
Pontonierin Muriel Mahrer beim Training. Foto: zVg

Muriel Mahrer (19) aus Möhlin ist seit drei Jahren bei den Pontonieren in Rheinfelden. Sie beobachtet, dass die Zahl der Frauen im Verein seit einigen Jahren zunimmt.

Andrea Marti

Muriel Mahrer ist 19 Jahre alt und hat ein Hobby, das man bei jungen Frauen in ihrem Alter eher nicht vermuten würde: Sie ist «Pontonierin». Sie sagt, sie sei noch nicht lange dabei, trainiert aber immerhin schon seit drei Jahren beim Pontonier-Verein Rheinfelden. Zum ungewöhnlichen Hobby kam sie, als eine ihrer Freundinnen, die bereits im Verein war, sie zu einem Schnuppertraining eingeladen hat. Muriel Mahrer war sofort fasziniert.

Seither trainiert sie zwei Mal pro Woche mit den Pontonieren auf dem Rhein, dazu kommen Wettfahren und Anlässe des Vereins, inzwischen ist sie sogar im Vorstand. Ein zeitaufwändiges Hobby also. Doch Muriel Mahrer schätzt den Sport enorm. Auf das Training am Montag- und Mittwochabend folgt jeweils noch ein gemeinsames Abendessen. Der Verein, erzählt Muriel Mahrer, sei deswegen auch «wie eine kleine Familie».

Doch der Zusammenhalt ist nicht das Einzige, was Mahrer am Pontoniersport fasziniert. Sie schätzt auch, wie abwechslungsreich es ist. «Kein Training ist wie das andere», sagt Mahrer. Je nach Strecke seien die Hindernisse, mit denen die Pontoniere umgehen müssen, unterschiedlich. Zudem ist das Wetter immer anders, der Wasserstand ändert sich, die Strömung nimmt zu oder ab. All das, sagt Mahrer, mache den Sport herausfordernd und spannend.

Teamgeist macht es einfacher
Zusätzlich Spass hat Muriel Mahrer, weil im Pontoniersport Teamgeist herrscht: Man trainiert immer zu zweit in einem Boot, meist wird das Fahrerpaar für Jahre nicht gewechselt. «Wenn man die Partnerin gut kennt, ist es deutlich einfacher», sagt Mahrer. Zudem könne man von Trainingspartnern viel Lernen: Vor allem erfahrenere Vereinsmitglieder können ihren jüngeren Kollegen während dem Training Tipps und Kniffe beibringen.

Kein Männersport
Die erfahreneren Pontoniere sind dabei meist Männer: Die Frauen bei den Pontonieren Rheinfelden sind im Vergleich zu den Männern alle eher jung (keine der Frauen ist älter als 31 Jahre) und erst seit etwa fünf Jahren zahlreich vertreten. Dass es sich aber um einen Männersport handelt, verneint Muriel Mahrer: «Klar, ich habe weniger Kraft als viele der Männer im Verein, aber das macht es nicht unmöglich für Frauen.» Frauen und Jungpontoniere (unter 21 Jahren) fahren im sogenannten «Weidling», ein Boot, welches im Gegensatz zum normalen «Übersetzboot» leichter und wendiger ist. An Wettkämpfen starten Frauen dann in einer separaten Frauen-Kategorie. Dass der Pontoniersport auch für Frauen ist, zeigen auch die Mitgliederzahlen: Von 15 aktiv trainierenden Mitgliedern des Pontonier-Vereins Rheinfelden sind inzwischen immerhin fünf Frauen – also ein Drittel. Die starke Zunahme von zwei auf fünf Frauen führt Muriel Mahrer vor allem darauf zurück, dass zwei Frauen Freundinnen für den Pontoniersport begeistern konnten. «Die meisten, die anfangen, haben dort vorher schon einen Freundeskreis, der sie zu einem Training einlädt», erzählt Mahrer. Zusätzlich zu dieser Mundpropaganda macht der Verein auch aktiv Werbung – mit dem jährlichen Fischessen, dem Ferienspass-Angebot, mit Besuchen in Schulen, Auftritten in den sozialen Netzwerken sowie speziellen Aktionstagen.

Das Frau-Sein ist nicht wichtig
Der Verein tut also viel, um neue Mitglieder zu finden – sollte ebenso viel getan werden, um speziell auch Frauen ins Boot zu holen? Muriel Mahrer verneint: Denn der Geschlechterunterschied spiele bei den Pontonieren Rheinfelden gar keine Rolle. Sie habe im Verein noch nie Situationen erlebt, in denen sie sich unwohl oder unwillkommen gefühlt hätte, weil sie seine Frau sei, sagt Mahrer. «Es gibt keinen Sexismus bei den Pontonieren Rheinfelden», ist sie überzeugt. «Wir begegnen einander auf Augenhöhe und trainieren alle zusammen. Das ist auch sehr wertvoll, weil alle voneinander lernen können», findet Mahrer. Der einzige Unterschied zwischen den Männern und Frauen, der Mahrer einfällt, ist, dass Männer «vielleicht ein bisschen kompetitiver sind». Aber das könne auch daran liegen, dass viele Männer schon erfahrener sind als die noch jungen Frauen. «Ich denke schon, dass wir Frauen kompetitiver werden, wenn wir bereit sind, auch wirklich intensiv Wettfahren zu absolvieren», meint Mahrer. Also auch da – kein Unterschied zwischen Männern und Frauen? «Nein», findet Muriel Mahrer. «Das Frau-Sein ist im Pontoniersport nicht wichtig.» Sowieso: Angesichts der steigenden Zahl Frauen – zumindest bei den Pontonieren Rheinfelden – scheint sich die Frauenförderung momentan selbst zu erledigen: Die Frauen erobern den Pontoniersport schon jetzt nach und nach.

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