Sie war schon immer ein grosser Fan von Basler Läckerli

So, 09. Mai. 2021
«Läckerli verleiden nicht», sagt Miriam Baumann und isst diese auch schon gerne zum Frühstück. Foto: Janine Tschopp

Schon als kleines Mädchen ernährte sie sich gerne von Süssem und ass an Weihnachten regelmässig ein Kilogramm Läckerli. Seit 14 Jahren ist Miriam Baumann-Blocher, die in Rheinfelden wohnhaft ist, Inhaberin und Geschäftsführerin vom «Läckerli Huus».

Janine Tschopp

Miriam Baumann-Blocher ist als Tochter von Christoph und Silvia Blocher in einer über die Landesgrenze bekannten Unternehmer- und Politikerfamilie aufgewachsen. Sie kam 1975 als drittes von vier Kindern zur Welt. «Ich hatte eine schöne Kindheit. Wir waren behütet, genossen aber auch viele Freiheiten. Unsere Eltern erzogen uns zu selbständigen Menschen und gaben uns wichtige Werte mit.» Ihr Vater ist eine Persönlichkeit, die stark polarisiert. Insbesondere, als er sich aktiv in der Schweizer Politik engagierte. Wie ging die Familie damit um? «Ich kannte es nicht anders, und als Kind hinterfragt man nicht. Kinder wachsen so auf, wie sie aufwachsen.»

Ihr Vater, der direkt nach der Schule eine landwirtschaftliche Lehre absolvierte und erst später die Matur und das Jurastudium abschloss, wünschte sich, dass sich auch seine Kinder für eine Lehre entscheiden. «Es kam anders. Meine beiden Schwestern studierten Wirtschaft und mein Bruder wurde Chemiker», erzählt Miriam Baumann.

Sie sei immer gerne in die Schule gegangen. Nach der Matur besuchte sie die Berufsberatung und liess sich alle Möglichkeiten aufzeigen. «Damit ich nichts verpasse.» So kam sie darauf, Lebensmittelingenieurin an der ETH zu studieren. «Das passte gut. Erstens esse ich gerne und finde Lebensmittel generell eine spannende Materie. Zudem müssen Menschen immer essen. Das heisst, die Arbeit geht nicht aus», sagte sie sich damals.

Nach dem Studium arbeitete sie als Produktionsleiterin zuerst in einer Bonbonfabrik und später bei einem Getränkehersteller.

Schon immer Fan von Basler Läckerli
«Meine Grossmutter lebte in Muttenz und brachte uns an Heiligabend jeweils Original Basler Läckerli. An Weihnachten hatte ich den ganzen Kilosack schon gegessen», lacht Miriam Baumann. Sie habe als Kind immer sehr viel Süsses gegessen. Auch heute ernähre sie sich am liebsten von süssen Lebensmitteln.

Als Lebensmittelingenieurin und Läckerli-Fan schrieb sie Peter Klein, dem damaligen Besitzer des Läckerli Huus, einen Brief. «Ich kannte ihn bis zu diesem Zeitpunkt nur lose.» Er teilte ihr mit, dass sie sich als Geschäftsführerin bewerben könne. «Ich wollte das Läckerli Huus nicht nur führen, ich wollte es auch kaufen.» Das war ihre klare Bedingung. «Nach einem Jahr Überzeugungsarbeit hat es dann geklappt.»

Seit 1. Januar 2007 ist Miriam Baumann Besitzerin, Geschäftsführerin und Verwaltungsratspräsidentin des Läckerli Huus. Sie habe den Schritt nie bereut. Als sie anfing, spürte sie bei den Mitarbeitenden Dankbarkeit. «Sie waren froh, dass wieder ein Chef präsent war. Einigen hat das gefehlt, weil Herr Klein, der das Unternehmen während 30 Jahren geleitet hatte, am Schluss krankheitsbedingt oft abwesend war.» Zudem freuten sich viele, dass das Geschäft in der Schweiz bleibt und nicht ins Ausland verkauft wird. Wie Miriam Baumann erzählt, gab es auch Mitarbeitende, welche den Wechsel nicht schätzten und ihre Konsequenzen zogen.

«Wir haben das Läckerli Huus entstaubt und trotzdem die Wurzeln nicht verloren», fasst die Unternehmerin die letzten 14 Jahre in einem Satz zusammen. Als einen wichtigen Meilenstein seit ihrer Übernahme nennt sie den Umzug von Münchenstein nach Frenkendorf. «Das war ein mutiger, aber auch ein guter Schritt.» Die Fabrik in Münchenstein, wo seit 1906 produziert wurde, war langsam in die Jahre gekommen. «Man hätte in den nächsten zehn Jahren sanieren müssen», berichtet Miriam Baumann. Lebensmittel produzieren und gleichzeitig umbauen sei keine ideale Kombination. So entschloss sie sich damals, die Fabrik an einem neuen Ort aufzubauen. «Wir wollten in der Region Basel bleiben und fanden Land in Frenkendorf.» 2014 startete das Läckerli Huus an seinem neuen Standort. «Die grosse Herausforderung war, dass unsere Produkte den Kunden noch immer gleich gut schmecken, obschon sie auf anderen Anlagen und teilweise auch mit neuen Technologien hergestellt werden.»

In Rheinfelden zu Hause
Am Anfang ihrer Zeit im Läckerli Huus wohnte Miriam Baumann noch in Schaffhausen. «Ich wollte in die Region ziehen.» So kam sie nach Rheinfelden, wo sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (6 und 3 Jahre alt) lebt. «Rheinfelden ist sehr persönlich, nicht zu gross und nicht zu klein. Es ist gut gelegen. Wir können zu Fuss ins Städtli und an den Rhein spazieren.» Ihr Mann und sie sind beide an einem See aufgewachsen und schätzen es, nahe am Wasser zu wohnen.

Die Familie wohnt derzeit in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung. Dass die Kinder ein gemeinsames Zimmer haben, sei nicht tragisch. Viel schlimmer sei, dass ihr Mann und sie sich das Büro teilen müssten, schmunzelt die Unternehmerin. Entsprechend sei geplant, dass die Familie eine grössere Wohnung beziehen werde. «Wir möchten in Rheinfelden bleiben. Es gefällt uns hier, und unsere Kinder sind hier eingeschult.»


Chefin eines Traditionsunternehmens

Miriam Baumann-Blocher (46) ist seit 1. Januar 2007 Inhaberin und Geschäftsführerin des Läckerli Huus. Das Unternehmen, welches 1904 in Basel gegründet wurde, stellt Original Basler Läckerli, Rahmtäfeli, Pralinés, Truffes sowie weitere Schokolade- und Biscuitsspezialitäten her. Die Produktionsstätte befindet sich seit 2014 in Frenkendorf (zuvor Münchenstein). Der Betrieb beschäftigt 100 Mitarbeitende in Frenkendorf und 50 in den zehn Filialen in der deutschen und französischen Schweiz. (jtz)

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