Bezaubernde Bilder

Mi, 07. Apr. 2021

Ein Besuch im Atelier von Doris Horvath

Die Abstraktmalerin Doris Horvath stellt im reformierten Kirchgemeindehaus Kaiseraugst ihre aktuellen Werke aus.

Andreas Fischer

Draussen regnet und stürmt es an diesem Donnerstagnachmittag im März, und auch im Atelier von Doris Horvath gäbe es Grund für trübe Stimmung. Eben hatte sie ein grosses Gemälde in hellen Farben beendet, zuletzt hatte sie die Schnäbel von Vögeln mit Pastellkreide rot angemalt und einen Fixateur draufgespritzt. Doch nun hat sich dieser durch die Farbschichten durchgefressen, der Teer darunter kommt zum Vorschein. Drei Monate hat Doris Horvath an dem Bild gearbeitet. Ob sie es retten kann? «Auf jeden Fall, aber ich weiss nicht, was dabei geschieht. Vielleicht entsteht etwas ganz Neues, man muss loslassen und vorwärtsschauen.»

Doris Horvaths Bilder vermitteln jene Helligkeit, die sie selber ausstrahlt. Schockieren, sagt sie, sei nicht ihre Art von Kunst. Die Menschen sollen Freude haben, sie sollen glücklich sein im Anblick ihrer Werke. Und weiter: «Meine Arbeiten sollen in der Einfachheit bleiben. Sie sollen direkt berühren, direkt ins Herz gehen, nicht, dass man zuerst eine A4-Seite lesen muss, um sie überhaupt zu verstehen. Für den Weg über den Kopf gibt es andere Medien, besonders die Sprache.» Sie sei keine Wortkünstlerin, sie wolle mit Bildern, nicht mit Worten bezaubern.

Doris Horvath absolvierte eine vierjährige Ausbildung an der Assenza Malschule in Münchenstein. Sie will Gegenständliches nicht naturalistisch abbilden. «In Zeiten, wo jedes Smartphone eine Kamera hat, ist es meiner Meinung nach nicht angesagt, konkret zu bleiben«, sagt sie, und: «Du kannst die Natur sowieso nicht schöner malen, als sie ist.» Doris Horvath will Atmosphären zum Ausdruck bringen. Inspirationen dazu erhält sie auf Reisen. Schon als ganz junge Frau reiste sie viel, nach Indonesien, Australien, in viele Länder Europas. Auch heute ist Reisen eine ihrer Leidenschaften, die sie auch beruflich ausleben kann. Für das Reiseunternehmen Baumeler leitet sie Malferien auf der Nordfriesischen Insel Amrum, auf der kanarischen Insel La Gomera, im Walliser Binntal und an anderen Orten. Der Zugang zu einem Ort, erzählt sie, sei ganz anders, wenn er über die Kunst geschieht.

Auf der Vulkaninsel La Gomera und im für seine Mineralien bekannten Binntal arbeitet man mit den Materialien vor Ort. In der Erde wühlen, mit der Erde arbeiten, sie mörsern, sieben, auftragen, wegkratzen, wieder neu auftragen, das sei eine Tätigkeit, die einen mit der Natur verbinde, sagt Doris Horvat. Und die glücklich mache. Derzeit ist Doris Horvath an einer Reihe, bei der sie Wabenrähmchen verarbeitet, also Holzrahmen, welche die Bienen mit Hilfe von Wachs zu einer Wabe ausbauen. Auch diese Rähmchen waren ihr «vor die Füsse gefallen», anfangs des Lockdowns im Frühling letzten Jahres, bei einer Wanderung oberhalb von Magden. Ein Imker wollte sie verbrennen, Doris Horvath nahm sie mit in ihr Atelier, ohne zu wissen, was daraus entstehen soll. Auch der Zukunft schaut die Künstlerin zuversichtlich entgegen. Die Pandemie hat für sie als freischaffende Künstlerin schwerwiegende Folgen, die Malreisen mussten abgesagt werden, Ausstellungen ebenso, Kurse finden keine statt. Aber auch hier gilt gemäss Doris Horvath: loslassen und vorwärtsschauen. Vielleicht entsteht etwas ganz Neues. Die Ausstellung im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst wird am ersten Gottesdienst, am Sonntag, 11. April um 10 Uhr eröffnet.

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