Alle drei Fricktaler Standorte sind noch im Rennen

Di, 30. Mär. 2021

Regierung trifft noch keinen Vorentscheid

Bis der definitive Standortentscheid für eine Fricktaler Mittelschule gefällt wird, dauert es noch. Ob Rheinfelden, Stein oder Frick den Zuschlag erhält, soll sich auch mit der laufenden Anhörung herauskristallisieren. Laut Regierungsrat eignen sich alle drei Areale für die Errichtung der Mittelschule.

Susanne Hörth

Steigende Schülerzahlen an den Mittelschulen verlangen nach mehr Schulraum im Aargau. Das gleiche Bild zeigt sich in den beiden Basler Halbkantonen. Bislang besuchen dort viele junge Erwachsene aus dem Fricktal die Mittelschule. Ab Mitte der Zwanzigerjahre werden die beiden Basel schrittweise weniger Aargauer Schüler aufnehmen. Somit ist schon heute klar: Es braucht ab Schuljahr 2025/2026 Übergangslösungen. Denn die geplante neue Mittelschule im Fricktal wird erst auf Mitte 2029 für die rund 800 Schüler bezugsbereit sein. Wo die Provisorien hinkommen, ist zurzeit ebenso offen, wie die Antwort auf die Frage, welche der drei Fricktaler Bewerbergemeinden den Zuschlag für das neue Gymnasium erhält. Zur Wahl stehen das Areal Ebnet in Frick, das Gebiet Neumatt Ost in Stein und das Engerfeld in Rheinfelden.

Aus Sicht des Regierungsrates stehen sich drei gleichwertige Bewerbungen gegenüber, sagte Bildungsdirektor Alex Hürzeler am Freitagmorgen bei einer digitalen Medienkonferenz. Mit dieser Aussage ging er auch auf die Frage ein, warum der Regierungsrat noch keine Empfehlung für einen Standort abgebe. In der Gesamtbewertung würden die drei Gemeinden ähnlich gut abschneiden. «Alle weisen Vorteile auf, alle aber auch Nachteile», so Hürzeler. Mit der nun gestarteten Anhörung soll auch die breite Öffentlichkeit zur Findung des richtigen Ortes beitragen können.

Qual der Wahl
«Alle drei Angebote sind gut. Der Regierungsrat hat die Qual der Wahl und lässt jetzt die Politik zu Wort kommen», sagt Franco Mazzi. Wie der Rheinfelder Stadtammann haben auch seine Amtskollegen Beat Käser aus Stein und Daniel Suter aus Frick nicht erwartet, dass am Freitag schon eine Präferenz geäussert wird.

Franco Mazzi freut sich über die guten 47 Punkte, welche die Stadt Rheinfelden bei der Gesamtbewertung erhalten hat. Bei dieser werden Kriterien wie etwa Lage, Erschliessung ÖV, Synergien, Landerwerbskosten und andere beurteilt. Stein folgt mit 46 Punkten, Frick mit 40. Die Fricker Bewerbung verliert bei den höheren Landerwerbskosten 6 Punkte. Der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter führt dazu an: «Der Kanton hält in seinem Bericht fest, dass die Kosten an allen Standorten insgesamt gleich hoch sind, nämlich rund 135 Millionen Franken. Letztlich kommt es auf die Gesamtkosten an, weshalb der Punktevergleich stark zu relativieren ist.»

Zur Landfrage fügt Suter weiter an, dass der von Frick vorgeschlagene Ort auf einem Areal liegt, das bereits überbaut ist. «Nur bei der Wahl des Fricker Standorts müsste kein Land geopfert werden, das heute landwirtschaftlich genutzt wird. Das ist ein grosser Trumpf unserer Bewerbung.» Beat Käser sieht insbesondere in der ruhigen Lage des Steiner Bewerbungsareals und dem Synergiepotential der benachbarten Leichtathletikanlage grosse Vorteile für Stein. Zudem könne die hier ansässige Pharmaindustrie bei der weiteren beruf lichen Zukunft der Gymnasiasten eine wichtige Rolle spielen. Ein Nachteil in Stein ist, dass es hier durch die Umzonung von Landwirtschaftsland eine Kompensation bei der Fruchtfolgefläche verlangt. Nachteilig in Rheinfelden ist das zweigeteilte Areal, Vorteil dafür die vorhandene Baureife. Franco Mazzi nennt als wichtiges Argument für den Standort Rheinfelden, dass heute schon über 50 Prozent der Gymnasiasten aus dem Raum Rheinfelden kommen.

Wie nah alle Bewerbungen beieinanderliegen, machte auch Regierungsrat Alex Hürzeler bei der Medienkonferenz mehrfach deutlich. Bis 26. Juni dauert nun die öffentliche Anhörung. Die Überweisung der regierungsrätlichen Botschaft an den Grossen Rat ist auf den Spätsommer 2021 geplant. Das Kantonsparlament wird voraussichtlich im vierten Quartal entscheiden.


«Alle drei Standorte eignen sich für eine Mittelschule»

Der Regierungsrat trifft noch keinen Vorentscheid

Rheinfelden, Frick und Stein haben mit ihren vorgeschlagenen Arealen für die künftige Mittelschule einiges in die Waagschale gelegt. In seiner Anhörungs-Botschaft hält der Regierungsrat die Vor- und Nachteile aller drei Standorten fest und vergibt zudem zu bestimmten Kriterien auch Punkte.

Susanne Hörth

Als schöne Ausgangslage bezeichnete Regierungsrat Alex Hürzeler bei der Medienkonferenz die Auswahlmöglichkeit zwischen drei gut geeigneten Standorten für eine künftige Mittelschule im Fricktal. Rheinfelden hat sich mit dem Gebiet Engerfeld, Stein mit dem Areal Neumatt Ost und Frick mit dem Areal Ebnet beworben. Im Bericht zur nun gestarteten Anhörung vergleicht der Regierungsrat die drei Standorte. Alle Areale werden anhand verschiedener Kriterien «benotet», beziehungsweise mit Punkten versehen. Im Bericht werden zudem auch die Vor- und Nachteile – «die hat jeder», so Regierungsrat Alex Hürzeler – kurz aufgelistet. Rheinfelden führt mit 47 Punkten die Kriterienliste an, Stein hat 46 Punkte erhalten, Frick 40. Die hohen Landerwerbskosten in Frick sorgen für die Differenz. Hier sind die Kosten für den Landerwerb mit 26 Millionen Franken aufgeführt. In Stein betragen sie 9 Millionen, in Rheinfelden 10 Millionen Franken. Für die weitere Planung werden für jeden Standort zusätzliche 4 Millionen Franken einberechnet.

Die drei Grundstücke
Das Areal in Frick (zirka 30 000 Quadratmeter Fläche) grenzt direkt an die Oberstufenanlage Ebnet und ist nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Die gute Erreichbarkeit und das kompakte Areal für alle Nutzungen werden vom Kanton positiv gewertet. Nachteilig ist, dass für eine Bebauung die bestehende Firma Studer AG umgesiedelt werden muss. Dafür ist das Land hier bereits in der Bauzone. In Stein (zirka 39 800 Quadratmeter) ist eine Umzonung der bisherigen Landwirtschaftszone nötig, was eine Kompensation der Fruchtfolgefläche zur Folge hat. Diesem Nachteil stehen mehrere Vorteile gegenüber. So etwa, dass Stein bereits im Schulgesetz eingetragen ist. Auch das alle Nutzungen auf dem Areal möglich sind. Als Pluspunkt von Stein hervorgehoben wird zudem seine geografisch zentrale Lage im Fricktal. Handlungsbedarf bestünde bei dieser Gemeinde noch bei der ÖV-Erschliessung. Für das gut erreichbare Rheinfelden (26 000 Quadratmeter) führt der Regierungsrat zusätzlich zur direkten Lage neben der Schulanlage Engerfeld auch das grosse Angebot an Dienstleistungen und Einrichtungen auf. Das gilt auch bei Frick.

In Rheinfelden ist dank der Baureife des Areals eine rasche Realisierung möglich. Dass eine Strasse das Gelände quert, wird negativ bewertet, ebenso die möglichen Lärm- und Luftimmissionen. Letzter Punkt wird auch Frick als Nachteil angeheftet. Während Rheinfelden und Frick beim Erweiterungspotenzial mit «mittel» abschneiden, führt hier Stein mit «gross» die Bewertung an. Die direkt angrenzende Leichtathletikanlage Bustelbach wird ebenfalls als positiv gewertet. Alle drei vorgeschlagenen Areale sind laut Regierungsrat Alex Hürzeler für die Fricktaler Mittelschule geeignet. Noch in diesem Jahr wird entschieden, ob Frick, Rheinfelden oder Stein den Zuschlag erhält.

Übergangslösungen
Baldige Entscheidungen braucht es auch hinsichtlich Übergangslösungen für die Fricktaler Schülerinnen und Schüler. Denn die Mittelschulen der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt werden ab Mitte der Zwanzigerjahre schrittweise weniger Schüler aus dem Aargau aufnehmen können. «Für die Übergangsphase bis zur geplanten Inbetriebnahme der Mittelschule im Fricktal im Jahre 2029 werden verschiedene Varianten geprüft. Alle basieren auf einem schrittweisen Aufbau der neuen Schule im Fricktal. Die Fricktaler Schülerinnen und Schülern sollen jederzeit Zugang zum gleichen Angebot an Bildungsgängen an Mittelschulen haben wie in den übrigen Kantonsteilen. Zudem ist mit den Partnerkantonen vereinbart, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung dort abschliessen können, wo sie sie begonnen haben», hält der Regierungsrat dazu fest. Ab Schuljahr 2029/2030 soll dann die neue Kanti im Fricktal rund 820 Schülerinnen und Schüler in 37 Abteilungen aufnehmen können.

Noch offen ist zurzeit, wo die ebenfalls geplante neue Mittelschule im Aargauer Mittelland hinkommt. Mit der Durchführung einer Anhörung zur Standortfestsetzung wird noch zugewartet. Grund dafür ist unter anderem der höhere Zeitdruck im Fricktal.

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