«Es werden weiterhin Lernende gesucht»

Do, 04. Mär. 2021
«Viele Firmen wollen Nachwuchs ausbilden», erklärt Barbara Gisi. Foto: Valentin Zumsteg

Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt verändert. Was das für die Jugendlichen bedeutet, die eine Schnupperlehre oder Lehrstelle suchen, erklärt Barbara Gisi. Sie ist Fricktaler Teamleiterin bei «ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf» in Rheinfelden.

Valentin Zumsteg

NFZ: Frau Gisi, ist es für Jugendliche wegen Corona derzeit besonders schwierig, eine Schnupper- oder Lehrstelle zu finden?
Barbara Gisi:
Es ist für Achtklässler, die sich im Berufswahlprozess befinden, derzeit tatsächlich teilweise schwieriger, eine Schnupperstelle zu finden. Zahlreiche Firmen sind vorsichtiger oder es wird vermehrt im Homeoffice gearbeitet. Gerade im kaufmännischen Bereich oder bei den technischen Berufen ist das der Fall. Es ist aber nach wie vor so, dass kaum ein Lehrvertrag unterzeichnet wird, ohne dass vorher geschnuppert wurde. Jugendliche, die eine Lehrstelle im Detailhandel oder im Gastgewerbe suchen, konnten in den vergangenen Monaten oftmals nicht schnuppern, weil die Betriebe geschlossen waren oder sind. In diesen Branchen sind viele Lehrverträge für den Sommer noch nicht abgeschlossen, das kommt in diesem Jahr später.

Gibt es eine Veränderung bei der Anzahl der Lehrstellen?
Die Zahl der Lehrstellen ist 2021 leicht grösser als 2020. Es werden also weiterhin Lernende gesucht; die Firmen wollen Nachwuchs ausbilden. Bei einzelnen Berufen müssen die Jugendlichen aber flexibler sein und allenfalls mehr Bewerbungen schreiben. Bezüglich vieler Branchen hat sich nichts zu den Vorjahren geändert: Je nach Wunschberuf braucht es viel Engagement der Jugendlichen, damit es klappt.

Welche Lehrstellen sind denn besonders gefragt, welche weniger?
Die KV-Lehre oder Berufe im Gesundheitswesen und der Informatik sind seit Jahren stark gefragt. Auch der Detailhandel erfreut sich grosser Beliebtheit, dort kommt es aber auf die Branche an. Weniger begehrt sind Lehrstellen im Berufsfeld Gebäudetechnik oder in der Baubranche.

Die Ausgangslage ist für die Jugendlichen anspruchsvoll, wie Sie sagen. Ist die Nachfrage nach Beratungen in dieser Situation gestiegen?
Wir gehen proaktiv vor. Derzeit sind wir in den Schulhäusern und besuchen – wie schon in den Vorjahren – die Abschlussklassen. Dort klären wir ab, wer bereits eine Anschlusslösung hat und wer noch etwas sucht und vielleicht zusätzliche Unterstützung benötigt. Manchmal geht es darum, die Jugendlichen zu motivieren, damit sie nicht aufgeben. Manche denken, dass es derzeit unmöglich ist, eine Lehrstelle zu finden. Doch das entspricht nicht den Tatsachen. Mein Eindruck ist, dass sich gerade in ländlichen Regionen die Firmen stark bemühen, um Lehrstellen anbieten zu können. Wir stellen auch fest, dass die Lehre auf dem Land einen höheren Stellenwert hat als in städtischen Regionen.

Was raten Sie Jugendlichen, die Schwierigkeiten bei der Lehrstellen-Suche haben?
Wichtig ist, dass sie dranbleiben und bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt Jugendliche, die Schwierigkeiten mit der aktuellen Situation haben. Wir helfen gerne. Wichtig ist ebenso, dass die Jugendlichen offen bleiben und vielleicht etwas breiter suchen. Es gibt Studien, die belegen, dass zu jedem Menschen verschiedene Berufe passen. Flexibilität lohnt sich.

Gibt es aktuell mehr Lehrabbrüche?
Nein, das stellen wir nicht fest. Es gibt aber vereinzelt Lehrlinge, die quasi seit Monaten im Homeoffice sind und befürchten, dass die berufliche Ausbildung darunter leidet.

Sie beraten nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene auf ihrem Weg durch das Arbeitsleben. Was hat Corona hier verändert?
Ein Teil unserer Klientel wird uns von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zugewiesen. In diesem Bereich hatten wir im vergangenen Jahr viele Termine für eine Laufbahnberatung. Es kamen Leute aus den verschiedensten Branchen, stark vertreten waren das Gastgewerbe und der Detailhandel. Auf der anderen Seite haben wir Leute, die von sich aus eine Laufbahnberatung in Anspruch nehmen. Da stellen wir bis jetzt keine starke Zunahme fest. Klar zugenommen hat die Zahl der Über- 50-Jährigen, die sich bei uns melden.

Am Mittwoch, 17. März, von 9 bis 17 Uhr wird eine digitale Lehrstellenbörse angeboten. Die Anmeldung ist ab sofort möglich: www.beratungsdienste.ch/lehrstellenboerse

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