«Der Aufwand für die Büezer-Beizer ist riesig»

Do, 25. Mär. 2021
«Nur mit einer Grossbaustelle in der Nähe würde ich das Feldschlössli als Büezer-Beiz öffnen», sagt Wirt Turi Eiholzer. Foto: Simone Rufli

Seit Anfang März ist es den Restaurants erlaubt, über Mittag «Berufstätige im Ausseneinsatz» zu bedienen. Im Fricktal haben nur drei Betriebe eine entsprechende Bewilligung eingeholt. Zwei dieser «Büezer-Beizen» haben gar nie geöffnet; zu gross sei der Aufwand, zu gering die Nachfrage. Geöffnet ist das Restaurant Post in Bözen.

Simone Rufli 

«Im Januar und Februar, als es tagelang so kalt war, hätte die Idee vielleicht eine Chance gehabt. Aber jetzt», Turi Eiholzer, Wirt im Restaurant Feldschlössli in Hornussen, sitzt in der leeren Gaststube und schüttelt den Kopf. «Jetzt sitzen auch die Bauarbeiter lieber an der Sonne.» Er habe zwar gleich am 1. März eine Bewilligung für sein Restaurant beantragt und binnen Minuten von der Kantonsärztin auch das Okay erhalten. Trotzdem hält Eiholzer die Türe bis auf weiteres geschlossen. «Ich habe zwei, drei Tage zugewartet, um die Nachfrage abschätzen zu können.» Er hebt zwei Finger in die Höhe. «Mehr war da nicht. Wir haben keine Grossbaustelle in der Nähe. Dafür bin ich in dieser Zeit zweimal kontrolliert worden; von der Polizei und vom kantonalen Laboratorium.» 

Der Plan, die Restaurants über Mittag zu öffnen, entstand im Februar im Nationalrat. Er sollte ermöglichen, dass Handwerker, Gärtnerinnen, kurz alle, die draussen arbeiten und frieren, wenigstens während der Mittagspause in der Wärme sitzen und essen können. Der Bundesrat griff die Idee auf und seit dem 1. März dürfen die Kantone nun Bewilligungen für sogenannte Büezer-Beizen ausstellen. 

Neben dem «Feldschlössli» in Hornussen, haben das Restaurant «Post» in Bözen und der Gasthof «Adler» in Oberhof eine Bewilligung beantragt und erhalten. Wie Turi Eiholzer hat auch Marco Müller vom «Adler» nie Gebrauch davon gemacht. «Was mach ich, wenn einer reinkommt und für ihn ist nicht reserviert? Der Chef muss für seine Angestellten reservieren. Und ich müsste jeden Arbeiter wegweisen, der unangemeldet bei mir essen möchte. Das will ich nicht.» Zudem sei das Bedürfnis, im Restaurant zu essen, offenbar nicht so gross. «Bei uns kommen die Leute das Essen abholen.»

Verwundert ist Marco Müller darüber nicht: «Die Schutzmassnahmen sehen vor, dass immer nur eine

Person an einem Tisch sitzt.» Da könne man kaum davon reden, dass man zusammen essen gehe. «Sie dürfen zu viert miteinander arbeiten, aber essen müssen sie an separaten Tischen. Das ist schwer nachvollziehbar», findet Müller. Das Take-away-Angebot des «Adler» werde hingegen gut genützt. «Zumindest am Donnerstag, Freitag und Samstag. An diesen Tagen bieten wir auch einen Heimlieferdienst an.»

Der einzige Betrieb im Fricktal, der seine Bewilligung als Büezer-Beiz nutzt, ist das Restaurant «Post» in Bözen. «Wir sind froh, dass wir Mahlzeiten für Chauffeure und Arbeiter in dieser Weise anbieten können. Eine Büezer-Beiz zu sein, bedeutet für uns auch, dass wir unsere Lehrlinge sinnvoll beschäftigen können», heisst es bei der «Post».

Für Heiner Kuster, Vorstandsmitglied von Gastro Aargau und selber Gastgeber in einem Hotel und Restaurant auf dem Mutschellen, liegen die Gründe auf der Hand, warum nicht mehr Betriebe zu Büezer-Beizen werden. «Der Aufwand ist riesig und kaum ein Wirt wird über Mittag so viele Mahlzeiten servieren können, dass er am Ende des Monats mindestens die Lohnkosten eingenommen hat.» Die kursierende Befürchtung, dass ein Wirt sich als Büezer-Beizer um den Corona-Erwerbsersatz für seine Angestellten bringen könnte, weiss Kuster zu entkräften. «Einen Abzug beim Erwerbsersatz gibt es nur für jene Wirte, die mit den Büezer-Mahlzeiten 50 Prozent oder mehr des normalen Umsatzes erwirtschaften.» Kuster schmunzelt: «Das ist eine Hürde, die ganz bestimmt keiner nimmt.» 

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