Verantwortung muss man wahrnehmen

So, 07. Feb. 2021
Peter Sacher sieht die Chancen der Landwirtschaft in der Zukunft und ist gerne Bauer. Foto: Hans Zemp

Peter Sacher befürwortet überlegte Schritte

Auf dem Zuzger Dornhof trägt Peter Sacher seit Neujahr Mitverantwortung bei der Betriebsführung. Zusammen mit seinem Cousin bewirtschaftet der 33-Jährige den 60 Hektarbetrieb in einer Betriebsgemeinschaft.

Hans Zemp

Während seiner obligatorischen Schulzeit zog Peter Sacher neben der Landwirtschaft auch die Ausbildung in einem Beruf der Holzbranche oder gar bei der Polizei in Betracht. Diejenige zum Landwirt erhielt nach Abschluss der Volksschule in Zuzgen und Möhlin den Vorzug. In Gipf-Oberfrick und Kaisten lernte er auf Betrieben mit vorwiegend Milchwirtschaft und Ackerbau. Die Ausbildung rundete er mit dem einjährigen Besuch der landwirtschaftlichen Schule in der Liebegg ab. Wieder daheim machte er sich beim Bau des Schweinestalls nützlich, bevor er im Jahr 2008 seine Rekrutenschule als Trainsoldat absolvierte. Seine nächste Station erlebte Peter Sacher wieder auf dem elterlichen Betrieb. Unvergessen bleiben ihm seine beiden, je dreimonatigen, Auslandaufenthalte auf Landwirtschaftsbetrieben. In Südjütland lernte er 2011 auf einem 140 Hektarbetrieb mit 140 Kühen und etwas Ackerbau die dänischen Verhältnisse in der Landwirtschaft kennen. Die zweite Auslandstation absolvierte er nahe der holländischen Grenze in Deutschland ebenfalls auf einem Milchwirtschaftsbetrieb mit 700 Kühen. Wieder zurück in der Schweiz besuchte der junge Landwirt auf der Liebegg die Betriebsleiterschule und schloss diese mit der Meisterprüfung ab.

In den Gesellenjahren kann man viel lernen
Peter Sacher beurteilt seine erlebte Ausbildungs- und Gesellenzeit als positiv. Er lernte neue Optionen, andere Bewirtschaftungsformen, aber auch andere Denkweisen kennen. «Es führen viele Wege zum Ziel», bilanziert er. Er hat aber auch gesehen, dass sehr viel, was man daheim macht, ebenso zielführend ist. «Zusammen mit dem von daheim und dem in der Fremde Erlebten lässt sich schon ein brauchbarer Rucksack schnüren», hat er beobachtet. Auch im Ausland koche man mit Wasser, obwohl die Töpfe meist etwas grösser seien als die in der Schweiz.

Wertvoll ist ihm ebenso das Beziehungsnetz, das er in all den Jahren aufbauen konnte. Schliesslich bleibe der Erfahrungsaustausch ein Leben lang interessant. Dies sei in einer Zeit der fast galoppierend ändernden Gesetze und Bestimmungen in der Landwirtschaft und den immer neuen Bedürfnissen der Kunden wichtig. Er denkt da vorab an biologischen Landbau, Tier- und Pf lanzenschutz. All diese Sachen und mehr waren vor bald einmal 25 Jahren mit ein Grund, warum sich die Dörfer von Landwirtschaftsbetrieben leerten.

Kühe sind dem jungen Bauern wichtig
Der Zuzger Dornhof wird in einer Betr iebsgemei nschaf t bew i r tschaftet. Den Bereich Schweine deckt schwerpunktmässig Cousin Christian ab. Für das Rindvieh ist seit Neujahr Peter Sacher verantwortlich. Hier gilt es, 36 Kühe, dazu Jungvieh und einige Mastkälber zu betreuen. Der Ackerbau und die Wiesland-Pf lege wird gemeinsam gemacht. «Wenn man zu zweit anpackt, kann die Schlagkraft gesteigert werden. Auch lässt sich die Freizeit deutlich besser organisieren.»

Auf die Frage, wo heute die besten Chancen der Landwirtschaft liegen, meint der Jungbauer: «Mich persönlich dünkt, dass man nicht alles auf eine Karte setzen und jeden Modetrend mitmachen soll, sondern Veränderungen etwas gemütlich angehen muss. Die Verbesserungen dort vornehmen, wo sie sinnvoll sind.» Alle Veränderungen seien schliesslich meist recht teuer und mit Sicherheit nie dauerhaft. Seriosität sei oft klüger. Wenn ein Betriebsbereich serbelt, blieben so noch andere Betriebsstützen. Schliesslich seien die Marktpartner nicht immer gleich vertrauenswürdig. Labels würden oft viel zu rasch geändert, angepasst oder abgesetzt. Peter Sacher ist überzeugt, dass man nicht mit allen Veränderungen besser lebt, vor allem nicht, wenn sie vulkanartig hereinbrechen. Gut überlegte Schritte bringen meist den besseren Erfolg. Dies hat er bei seinem Vater und dem Onkel schon gesehen.

Der besondere Reiz in der Landwirtschaft
Als Landwirt habe man doch recht grosse Freiheiten, dies auch in der Arbeitseinteilung, obwohl man Saison und Wetter mit einbeziehen muss. Diese Entscheidungsfreiheit mache Freude. Klar sei für das, was man mache, die Verantwortung zu übernehmen. Die Konsequenzen müssen getragen werden. Dafür arbeite man daheim, habe den kurzen Arbeitsweg und die Familie um sich herum.

Die Arbeit mache besonders dann viel Freude, wenn einem auf dem Betrieb das Glück beisteht. Ein faires Arbeiten daheim und unter allen Berufskollegen sei unabdingbar. So könne einander ohne schlechtes Gewissen in die Augen geschaut werden. Und dies diene dem guten Schlafen, lacht er. Ein hohes Ziel für Peter Sacher ist es, dass er den Hof einmal in guten Zustand der nächsten Generation übergeben kann.

Die Bevölkerung wünsche von den Landwirten oft ganz viele Sachen, nicht wissend, dass Umsetzungen oft viel Zeit benötigen. Darum wäre es für Peter Sacher wichtig, dass die landwirtschaftlichen Schulen auf der teuren Versuchsebene mehr Verantwortung übernehmen würden. Es wird aber aus Kostengründen sehr viel bei den Bauern belassen.

Peter Sacher beobachtet und erlebt auch, wie der Druck auf die Landwirtschaft massiv ist. Beweis sind die häufigen Volksabstimmungen über Agrarbelange. «Ich denke da auch an die beiden, in diesem Jahr kommenden Vorlagen», sind seine Gedanken dazu. Diskussion über die Landwirtschaft findet er in Ordnung. Die breite Besserwisserei bringe aber nicht nur Gescheites, sei oft gefährlich und die Umsetzung teuer. Da blieben auch in Zukunft die brasilianischen Rindsfilets viel günstiger als das Schweizer Fleisch.

Hobbies zum Ausgleich
Peter Sacher wirkt aktiv bei den Schützen mit. Mit seiner Gattin Andrina unternimmt er gerne Wanderungen oder sonstige Ausf lüge. Für ihn macht das Mitwirken in der Feuerwehr Sinn. Gerne beobachtet er, wie sich die Kulturen entwickeln. Diese Augenscheine bringt er häufig mit Velotouren oder mit Wandern in Verbindung.

«Landwirt sein macht dann viel Freude, wenn man mehr positive als negative Erlebnisse hat», ist der Jungbauer überzeugt.

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