Jetzt soll die Glocke nicht mehr scheppern

Di, 24. Nov. 2020
Andreas Sägesser hat den Aussenhammer revidiert und wieder in Betrieb genommen. Der Innenhammer wurde hingegen demontiert. Fotos: Valentin Zumsteg

Der Klang der Glocke beim Rheinfelder Obertor ist in den vergangenen Jahren als scheppernd empfunden worden. Jetzt tönt es wieder besser.

Valentin Zumsteg

Es ist eine Rheinfelder Besonderheit, dass die Glocke beim Obertor nicht zur vollen Stunde, sondern immer sieben Minuten früher schlägt. Die zwölf Schläge zur Mittagszeit sind also beispielsweise bereits um 11.53 Uhr zu hören. Das ist kein Fehler oder Defekt, sondern Absicht. Laut Überlieferung soll dies einst als Serviceleistung für die Bauern eingeführt worden sein, die ausserhalb der Stadtmauern auf ihren Feldern arbeiteten. Denn wer abends, wenn die Tore geschlossen wurden, nicht pünktlich in der Stadt war, musste die Nacht draussen verbringen. Man sprach deswegen auch von «Torschlusspanik». Wenn die Bauern also die Glocke hörten, hatten sie noch sieben Minuten Zeit, um rechtzeitig zurückzukehren.

«Schöne Tonentfaltung»
Diese Tradition wird bis heute gepflegt – und gehört zur überlieferten Stadtgeschichte. Allerdings ist das Läuten der Obertor-Glocke in den vergangenen Jahren von einigen Bürgerinnen und Bürgern als unangenehm empfunden worden. Und das hat einen Grund: «Das Läutwerk der Obertorturm-Glocke wurde im Jahr 2000 umgebaut. Seither wird der Glockenklang durch einen Innenhammer erzeugt, was das Scheppern des Glockenklangs verursacht», schildert Markus Klemm von der Stiftung Roniger. Ursprünglich sei man sogar davon ausgegangen, dass die vom Basler Sebald Hoffmann im Jahre 1605 hergestellte Glocke gesprungen sei.

Doch die Ursache war nicht eine Beschädigung, sondern der Innenhammer: «Das tönte nicht schön», erklärt auch Andreas Sägesser, Projektleiter bei der Firma «Muribaer Kirchentechnik». Er hat im Auftrag der Stiftung Roniger vergangenen Donnerstag das Problem gelöst: Er revidierte dazu den alten Aussenhammer und nahm ihn wieder in Betrieb. Der Innenhammer wurde hingegen demontiert, damit sich eine «schöne Tonentfaltung» ergeben kann.

«Hörbar besser»
«Die Glocke ist für ihr Alter in einem sehr guten Zustand. Sie wurde nie geläutet, sie ist immer als ‹Schlagglocke› benutzt worden», führt der Fachmann aus. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: «Der Klang ist gut hörbar besser. Ich habe mich dessen vergewissert.» Sägesser regt zudem an, das kleine Glockentürmchen auf dem Obertor mit einem Vogelschutz zu versehen, damit die Glocke und die ganze Anlage nicht mehr wie bis anhin so stark verschmutzt werden. Ein Nylonnetz tue da gute Dienste. Die Kosten für die nun getätigten Arbeiten an der Glocke belaufen sich auf einen vierstelligen Betrag, wie Markus Klemm gegenüber der NFZ erklärt. Die Stiftung Roniger übernimmt die Finanzierung.

Und so erklingt die alte Glocke wieder wohltönender – und wie bisher sieben Minuten zu früh.

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