Mit Ukulele, Projektwochen und Lagern die Gemeinschaft fördern

So, 13. Sep. 2020
Martin Krieg hat sich immer im Kollegium eingebracht, war hilfsbereit, seine Meinung wurde geschätzt. Als Urgestein unter den Rheinfelder Sekundarlehrern war er häufig die Anlaufstelle für Fragen aller Art. Foto: Birke Luu

Ende Juli ging Martin Krieg in Pension. Über 40 Jahre lang unterrichtete er, 30 Jahre davon als Sekundarlehrer in Rheinfelden. Dabei initiierte er neue Projekte und förderte durch verbindende Rituale eine gemeinsame Schützenmatt-Identität.

Birke Luu

Um ein Haar wäre er schon ganz am Anfang gescheitert. Martin Krieg schloss seine Ausbildung zum Lehrer mit 116 anderen Diplomanden ab, jedoch nur zwei des ganzen Jahrgangs erhielten eine Festanstellung. Es herrschte damals absoluter Lehrerüberfluss. «Viele wanderten in andere Berufe ab, wir anderen schlugen uns irgendwie durch.» Im Rahmen eines extra geschaffenen Arbeitslosenprojekts brachte er zunächst Kindern in der französischen Schweiz die deutsche Sprache näher. Schliesslich fand er endlich die ersehnte erste Stelle. In Hottwil betreute er als Primarlehrer elf Kinder, die über fünf Klassenstufen verteilt waren. Kein einfacher Job, aber sein Einstieg in eine lange Schullaufbahn.

Schulzeitung gegründet
Nach ein paar Ortswechseln und der zusätzlichen Ausbildung als Sekundarlehrer landete er dann vor 30 Jahren am Schützenmatt-Schulhaus in Rheinfelden. «Freunde hatten uns damit hergelockt, dass es hier weniger Nebel gebe», gibt der heute 63-Jährige schmunzelnd zu. Für das Schützenmatt war sein Kommen ein Segen. Äusserst schwierige Schulzustände verlangten nach einem Neubeginn – und dieser gelang. Martin Krieg und eine weitere neue Lehrerin krempelten als Konrektor und Rektorin die Schule um, verhalfen ihr wieder zu einem guten Ruf. «Meine Kollegin und ich haben uns zusammengesetzt und Ideen ausgetüftelt», erinnert er sich gerne. Ihr Ziel war, gemeinsame Schulrituale wie das Chlausturnier und die Herbstwanderung einzuführen, also etwas sich jährlich Wiederholendes, welches das Jahr gliedert, die Klassen verbindet und dadurch eine gemeinsame Schützenmatt-Identität schafft. Zusätzlich gründete er eine Schulzeitung, doch das war bei Weitem noch nicht alles. Martin Krieg bezeichnet sich zwar nicht als Organisationstalent, aber als Organisations-Enthusiast kann man ihn auf jeden Fall beschreiben. Unzählige Klassenlager, Wanderungen und aufwendige Projektwochen mit bis zu 30 Kursangeboten und dem Einbezug der Eltern hat er aus der Taufe gehoben, geplant und durchgeführt. Und alles mit Elan und grösster Begeisterung. So sind rückblickend auch die Lager – «Jedes Lager war das Beste» – und die gelungenen Projektwochen – «sensationelle Tage» – seine grössten Schulhighlights.

Ein Lehrer der alten Schule
Doch zwischen aussergewöhnlichen Events brauche es auch den normalen Schulalltag ohne allzu viel Ablenkung, wie der Baselbieter, der erst 2014 von Maisprach nach Rheinfelden zog, betont. Unterrichten tat er als Allrounder, als «Zehnkämpfer», der überall einsetzbar war. Gerne gab er die meisten Fächer in seinen Klassen selbst, um einen guten Gesamtüberblick über seine Schüler zu haben, aber natürlich auch der Vielfalt wegen. Lieblingsfächer allerdings, die hatte er – als Schüler wie auch als Lehrer. «Als Kind liebte ich Geschichte und Geografie, meine Lehrer inspirierten mich in diesen Fächern. In Französisch hingegen war ich nicht so gut.» Und als Lehrer? «Da ist mein Favorit dann Französisch geworden – und nun litt ich selbst darunter, dass es nicht das Lieblingsfach meiner Schüler war», lacht er bei dieser Erinnerung. Glücklicherweise kam sein anderes Lieblingsfach, Musik, deutlich besser bei den Schülern an. «Mir ist das Musische fürs Gemüt immer wichtig gewesen», erklärt der Pensionär, der als Lehrer gerne mit seinen Ukulelen oder afrikanischen Trommeln Schwung in die Klassen brachte und auch vor Auftritten an Jugendfesten und anderen Feiern nicht zurückschreckte.

Neben all den positiven Erinnerungen gibt es auch einzelnes, bei dem Martin Krieg ernst wird. Nicht lustig sei es gewesen, als Schüler sein Klassensparschwein geplündert hätten. Und auch an sein erstes Skilager denkt er mit Stirnrunzeln zurück. «Zwei Schlitzohren haben damals während der Gondelfahrt die Türen aufgedrückt, die dann an der Bergstation die Gondel blockierten und dadurch für einen anwachsenden Zug auf das Gondelseil sorgten.» Die ganze Nacht lang hätte das Seil sicherheitshalber überprüft und er als Lagerleiter der Seilbahndirektion Rede und Antwort stehen müssen. Keine angenehme Situation also. «Ein Lager zu leiten sei 24 Stunden Intensivarbeit unter höchster Anspannung», möchte er all jenen Eltern mitgeben, die den Begleitlehrern zu Lagerbeginn gerne mal «Schöne Ferien» wünschen.

Veränderungen
Ein Lager zu leiten, sei heute viel anspruchsvoller als früher. Und nicht nur das hat sich in den letzten 40 Jahren an den Schulen geändert. «Die Lehrmittel wechseln heute viel schneller, man arbeitet regelmässiger mit den verschiedensten technischen Hilfsmitteln», sprich Computern und Co. Die Schüler hätten inzwischen auch sehr viel individuellere Bedürfnisse, seien im positiven Sinne anspruchsvoller, aber auch gleichzeitig schwieriger zu motivieren. Reizüberflutung ist hier das Stichwort. Sehr positiv hätte sich die Arbeit im Lehrer-Kollegium geändert. Wo früher Einzelkämpfer dominierten, herrsche heute Teamgeist. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern sieht er sehr positiv. «Sie ist viel intensiver und regelmässiger als früher, so dass es einfacher ist Kontakt aufzunehmen», freut sich Martin Krieg.

Vor sechs Jahren musste er mitsamt der Sekundarschule vom Schulhaus Schützenmatt ins Engerfeld ziehen, wo die Sekundarschule seitdem Teil der Kreisschule Unteres Fricktal ist. So richtig dort angekommen ist er nicht, am Schützenmatt hängt noch immer sein Herz. Dieses hängt auch an den Schülern, die ihn jung gehalten haben. Ob er heute nochmal den Lehrer-Beruf ergreifen würde – das sei eine schwierige Frage. Besser man fange ohne so viel Vorwissen und dafür mit frischer Energie und einem Schuss Unbedarftheit an, wie er schliesslich meint. Nur einmal hätte er während seiner Laufbahn gewankt, hätte den Job als Museumspädagoge sehr attraktiv gefunden. Aber er blieb, half dafür in seiner Freizeit unter anderem am Römerfest mit, war zehn Jahre in der Museumskommission des Fricktaler Museums und wurde Präsident eines an Archäologie interessierten Vereins in Liestal.

Seit seiner Pensionierung fehlen Martin Krieg zwar die Kontakte mit Kollegen und Schülern, aber er fühlt sich sonst «superwohl», ist beschäftigt mit Reisen, Hobbys und seinen Enkelkindern. Hin und wieder trifft er im Städtli auf ehemalige Schüler. Dann freut er sich – ganz besonders, wenn er merkt, dass er bei seiner früheren Prognose falsch gelegen hat und sich der Jugendliche so positiv entwickelt und die Chancen der hiesigen Wachstumsregion genutzt hat. Manchmal ist halt der Anfang nicht ganz einfach, das kennt er vom eigenen Berufseinstieg. Umso befriedigender, wenn dann doch eine langjährige, erfüllende Laufbahn daraus wird.

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