«Die Patienten hatten Angst um ihr Leben»

| Do, 17. Sep. 2020
«Das Virus existiert und es ist eine ernste Sache. Für manche Menschen ist es lebensgefährlich. Solange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir vorsichtig sein», erklärt Arjeta Fejzullahu. Foto: Valentin Zumsteg

Im Gesundheitszentrum Fricktal sind bislang über 4000 Corona-Tests durchgeführt worden. 117 davon fielen positiv aus. 35 Corona-Patienten mussten im Spital Rheinfelden stationär behandelt werden. Pflegefachfrau Arjeta Fejzullahu berichtet, was sie dabei erlebt hat.

Valentin Zumsteg

Die vergangenen Monate waren intensiv für Arjeta Fejzullahu und ihre Kolleginnen und Kollegen. Die Pf legefachfrau ist stellvertretende Leiterin der Abteilung C2 im Spital Rheinfelden. Hier sind während des Lockdowns die Corona-Patienten, die stationär aufgenommen werden mussten, behandelt worden. Es war in den vergangenen Monaten eine reine Isolierstation. «Wir gingen anfänglich davon aus, dass nur die Zentrumsspitäler Corona-Patienten behandeln werden. Doch schnell zeigte sich, dass es auch die Regionalspitäler braucht. Das war für uns überraschend und auch erschreckend», erklärt die 39-Jährige, die seit gut fünf Jahren beim GZF arbeitet. Die Arbeit auf der Abteilung habe sich sofort komplett verändert. Es mussten strengste Schutzmassnahmen getroffen und alle Arbeitsabläufe sowie Dienstpläne geändert werden.

«Es wurde viel geweint»
«Die betroffenen Patienten hatten Angst um ihr Leben. Sie wussten nicht, was sie erwartet. Niemand hatte Erfahrung mit einer solchen Pandemie. Die Patienten hatten aber auch Angst um das Personal, sie wollten uns auf keinen Fall anstecken. Es wurde viel geweint. Es war eine sehr emotionale Zeit», blickt Fejzullahu auf die Phase des Lockdowns zurück. Gleich in den ersten Wochen verschlechterte sich der Zustand eines Corona-Patienten derart, dass er in ein Zentrumsspital verlegt werden musste, wo er künstlich beatmet wurde. Das sorgte für zusätzliche Besorgnis. «Wir mussten lernen, mit der neuen Situation umzugehen.» Auch unter dem Personal sei der Gesprächsbedarf gross gewesen. «Um mich selber hatte ich keine Angst. Ich machte mir aber Sorgen um meine Familie», erklärt die Mutter von zwei Töchtern.

Insgesamt sind im Gesundheitszentrum Fricktal bislang 4035 Corona-Tests durchgeführt worden, 117 davon fielen positiv aus. 35 Corona-Patienten mussten im Spital Rheinfelden stationär aufgenommen werden, ein Patient ist derzeit noch in Behandlung. Aktuell werden auf der Corona-Abklärungsstation täglich im Durchschnitt 60 Tests gemacht.

Das Personal des Gesundheitszentrums spürte in den vergangenen Monaten viel Solidarität. «Der Applaus und die Zeichen der Anerkennung haben in diesem Moment sehr gutgetan.» Es wurden kleine Geschenke für die Mitarbeitenden abgegeben und ein Restaurant offerierte allen Pflegenden Pizza. Auch Bäckereien versorgten das Personal kostenlos. «Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Pflegeberufe sind. In Widerspruch dazu steht aber, dass in der Schweiz viel zu wenig Pflegekräfte ausgebildet werden. Da ist die Politik gefragt. Der Beruf muss für die Jungen attraktiv sein, dazu gehört nicht nur ein guter Lohn, sondern vor allem die Anerkennung der qualifizierten Arbeit, die wir täglich leisten», findet Arjeta Fejzullahu.

«Das Virus ist eine ernste Sache»
Wenig Verständnis hat die erfahrene Pflegefachfrau für jene Leute, die derzeit auf die Strasse gehen und gegen die Corona-Schutzmassnahmen demonstrieren. Am liebsten würde sie diese Skeptiker auf ihre Station mitnehmen und sie mit der Angst der Patienten und ihrer Angehörigen konfrontieren: «Das Virus existiert und es ist eine ernste Sache. Für manche Menschen ist es lebensgefährlich. Solange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir vorsichtig sein. Ich hoffe, dass die Leute die Schutzmassnahmen einhalten und wenn nötig Masken tragen. So kann man sich gegenseitig schützen. Das hilft uns mehr als der Applaus für die Pflegenden.»

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