Dschungelpfad und Ritterburg

| So, 16. Aug. 2020

Kleinere Etappen des Fricktaler Höhenwegs mit etwa zweieinhalb Stunden Dauer eignen sich auch für Familien: Besonders eindrucksvoll ist der Tiersteinberg zwischen Schupfart und Frick mit Dschungelpfad und Ritterburg.

Boris Burkhardt

Mit rund 200 Stundenkilometer raste Lothar am 26. Dezember 1999 auch über den Grat des Tiersteinbergs, Hausberg der Gemeinden Schupfart, Wegenstetten, Wittnau und Gipf-Oberfrick, und hinterliess eine Schneise der Zerstörung im Wald. Die vier Gemeinden und der Kanton Aargau beschlossen, den Wald auf dem Tiersteinberg nicht mehr herzurichten, sondern sich selbst zu überlassen, und schufen mit den südlich gelegenen Höhenzügen Homberg und Horn mit 165 Hektaren das grösste zusammenhängende Naturwaldreservat im Kanton. Um Naturfreunden und Wanderern den entstehenden Urwald zugänglich zu machen, wurde der Dschungelpfad vom Fazedellerkreuz bis zum Buschberg eingerichtet.

 

Aussicht und Burgruine

Mit 749 Höhenmeter ist der Tiersteinberg die höchste Erhebung auf dem Fricktaler Höhenweg, dem insgesamt 60 Kilometer langen Wanderweg von Rheinfelden über Zeiningen, Frick und Mettau. Für einen Halbtagesausflug mit der Familie eignet sich die Etappe vom Flugplatz Schupfart am westlichen Fusse des Bergs nach Frick dennoch vorzüglich: Neben dem Dschungel wartet eine phantastische Aussicht auf das Rheintal und den Schwarzwald, eine Burgruine und eine faszinierende Kulturlandschaft in den Hügeln oberhalb Gipf-Oberfricks auf kleine und grosse Wanderer. Die Strecke vom Flugplatz bis zum Bahnhof Frick ist in guten zweieinhalb Stunden zu laufen.

Den Flugplatz Schupfart auf 545 Metern erreicht man mit dem TNW-Bus 90 von Möhlin nach Wegenstetten. Auch der Flugplatz selbst lohnt einen Besuch, bevor er losgeht: Bei gutem Wetter starten hier Propellermaschinen und Segelflugzeuge – man wird sie während der gesamten Wanderung am Himmel sehen. Es besteht sogar die Möglichkeit mitzufliegen, eine Person im Segel-, bis zu drei im Motorflugzeug. Im Restaurant Air-Pick gibt es kühle Getränke und Mittagessen.

 

Es wird steil

Natürlich ist es sportlich ratsamer, nicht zu lange zu verweilen und bald den Aufstieg von 200 Höhenmetern in Angriff zu nehmen. Wie sich auch auf den anderen Etappen des Fricktaler Höhenwegs zeigt, wird im Fricktal für Höhenmeter kein unnötiger Platz verschwendet. Das bedeutet im Klartext: Es wird steil.  

Relativ zügig, das ist der Vorteil, wenn der Weg keine Umwege macht, gelangt man am Fazedellerkreuz auf 703 Metern an. Hier informieren Schautafeln im Detail über das Naturwaldgebiet, den Dschungelpfad und die Artenvielfalt, die vor allem durch das Totholz entsteht. Der Dschungelpfad führt einen knappen Kilometer auf dem Grat des Tiersteinbergs entlang. Das Unterholz ist dicht; Birken, Eichen und Tannen bilden das Blätterdach, sodass die Wanderer von allen Seiten von Pflanzen umgeben sind. Es steht jedem frei, den Wald mit Phantasie zu füllen und wahlweise zum Dornendickicht Dornröschens zu machen oder zum Düsterwald, den der Hobbit Bilbo und die dreizehn Zwerge durchqueren müssen.

Im letzten Drittel führt der Pfad durch einen lichten Nadelwald. Am Ende des Dschungelpfads liegt der Rastplatz Buschberg mit einem Grillplatz. Hier wurde ein Aussichtspunkt freigemacht, der einen grandiosen Blick auf Schupfart und dahinter ins Rheintal und den Schwarzwald eröffnet. Der blauen Ausschilderung des Fricktaler Höhenwegs folgend gelangt man nach nur wenigen Gehminuten zur Ruine Alt-Tierstein. Die Burg ist in den Hang gebaut; über eine Treppe gelangt man in den oberen Bereich, von dem man rund zehn Meter tief auf den Rastplatz am Fusse der Burg schauen kann. Die Grundmauern sind noch in gutem Zustand, sodass es auch hier nur etwas Phantasie braucht, um tapfere Ritter und holde Burgfräulein zu werden.

Tatsächlicher Besitzer der Burg war mindestens seit dem Jahr 1082 das Geschlecht Thierstein (wie Burg und Berg gelegentlich auch ohne h geschrieben), höherer Reichsadel des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Hochvögte des Bistums Basel und Grafen im Sisgau. Sie bewohnten die Burg bis ins 15. Jahrhundert und hatten eine weitere Burg auf dem Homberg. Im 14. Jahrhundert breiteten sie sich nach Westen aus und bauten unter anderem die Farnsburg im Oberbaselbiet, die Burg Pfeffingen im Birseck und die Burg Neu-Thierstein zwischen Büsserach und Erschwil im Solothurner Bezirk, dem sie noch heute ihren Namen geben. Das Wappen derer von Thierstein, die rote Hindin (Hirschkuh) auf dem Dreiberg, haben sowohl der Bezirk Thierstein wie die Gemeinde Gipf-Oberfrick übernommen.  

Von der Burg geht es noch einmal kurz bergauf; dann folgt der langgezogene Abstieg über die Kulturlandschaft der Flur Chaltenbrunnen, die zur Gemeinde Gipf-Oberfrick gehört. Die Wanderstrecke hinunter in den Ort führt zwischen Höfen und Hainen, Feldern und Weiden zumeist über Makadamwege, die sich über die zahlreichen Hügel und Anhöhen dahinschlängeln und deren unterer Verlauf weithin sichtbar ist. Wie von Riesen mit runden Steinen aufeinandergewürfelt wirken die Hügel und Anhöhen, die sanft ineinander übergehen. Der weite Blick auf Frick und den Bözberg verstärkt diesen übernatürlichen Eindruck noch.

 

Es kann heiss werden

Ganz real ist jedoch die stechende Sonne, falls es ein heisser Tag sein sollte. Unter die wenigen Bäume, die auf den Weiden stehen, drängen sich Schafe und Ziegen in den Schatten. Den Wanderern bleibt nur Sonnencreme und Nackenschutz. Nach einem letzten, sehr steilen Hang bergab gelangt man ins Dorf an den Bruggbach, wo ein kühlender Brunnen steht. Zum Bahnhof Frick sind es jetzt nur noch wenige Minuten unter der Bahnlinie hindurch links.  

 

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