Sprühende Funken und flammendes Rad

  03.03.2020 Oeschgen, Tradition

Jedes Jahr aufs Neue und jedes Mal wieder ein tolles Erlebnis: das Scheibensprengen in Oeschgen. Ein Brauchtum zwischen Familienspass und althergebrachter Tradition.

Birke Luu

Wie jedes Jahr am Sonntag nach Aschermittwoch fand letztes Wochenende auf der Anhöhe Boll in Oeschgen das örtliche «Schiiebespränge» statt. Vorbereitet und durchgeführt wurde dies vom Oeschger Scheibensprenger-Verein. Ab dem frühen Nachmittag waren Besucher willkommen und konnten sich in die Kunst des Scheibensprengens einweisen lassen. Denn etwas Übung und Fingerfertigkeit ist notwendig, damit die hölzernen Scheiben nach Sonnenuntergang schliesslich zum leuchtenden Feuerschweif werden und gut sichtbar weit ins Tal hinabfliegen.

Glück oder Können
Rund 1000 handtellergrosse hölzerne Scheiben mit abgeflachten Rändern hatten die Vereinsmitglieder schon vor Weihnachten vorbereitet, damit ihre Besucher am Funkensonntag dann genügend Rohmaterial hatten. Des Weiteren waren zahlreiche lange Haselruten und eine grosse Feuerstelle mit Glut parat, so dass dem Ausprobieren und Erlernen dieses alten Brauchtums nichts im Wege stand. Die Besucher, allen voran auch die Kinder, waren herzlich eingeladen, ihre Fertigkeiten mit Hilfe der Unterstützung der Vereinsmitglieder unter Beweis zu stellen. Und so wurde bei angenehmen Temperaturen von diesem Angebot auch Gebrauch gemacht und ausprobiert und geübt: Die Holzscheiben wurden mit der Haselrute aufgespiesst und in die Glut gehalten bis ihre Ränder glühten. Danach wurden die glühenden Scheiben auf dem Stock in Rotation versetzt und schliesslich nach einer ausholenden Bewegung auf einer der kleinen Abschussrampen aufgeschlagen. Wenn alles passte, stoben die Funken und die glühende Scheibe flog mit einem Feuerschweif weit gen Tal. Nicht jeder Versuch gelang. Scheibe um Scheibe konnten die Besucher jedoch ihr Glück – oder Können – erneut versuchen. Ein Event mit Suchtpotential.

Uraltes Symbol der Sonne
Ungefähr um 19 Uhr, also nach dem Eindunkeln, fand dann der gemeinsame Höhepunkt des Abends statt. Alle Anwesenden liessen die Feuerscheiben ruhen und versammelten sich um das rund vier Meter hohe Holzspeichenrad. Über eine lange Eisenstange wurde es in Rotation versetzt und angezündet, so dass es zischend und lodernd weit über das Tal leuchtete. Seit über 40 Jahren eine zusätzliche Tradition, ein eindrückliches und unvergessliches Erlebnis dieses brennende Rad als uraltes Symbol der Sonne. Eine dramatische Note erhielt die Veranstaltung schliesslich durch das Wetter. Kräftige Windböen liessen zunächst das Feuerrad so richtig auflodern, doch allzu schnell löschte der einsetzende Regen dann die Flammen und vertrieb die Zuschauer ins schützende Zelt. So blieben leider viele der vorbereiteten Scheiben unbenützt.

Alles in allem war das Oeschger Scheibensprengen auch dieses Jahr wieder ein eindrückliches Event und eine tolle Möglichkeit für alle, ein altes Brauchtum selbst zu erleben und aktiv mitzumachen. Umso besser, wenn man dann auch noch den Bogen raus hatte und die Holzscheiben mit Funkenflug und Feuerschweif im hohen Bogen ins Tal segelten.

 

 

 

 

 


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