OSZF: Verkaufsgegner bleiben Podium fern

Di, 21. Jan. 2020
Ein Podium mit leeren Stühlen. Astrid Zeiner (von links), Eva Frei, René Heiz, Chris Eichenberger und Paul Herzog. Stehend am Mikrofon ist Moderator Alfons Kaufmann. Foto: Janine Tschopp

Der Schulverband Oberstufe Fischingertal lud am Samstag Gegner und Befürworter zu einem Podiumsgespräch zum Thema «Verkauf OSZF» nach Mumpf ein. Das Spezielle: am Podium nahmen nur Befürworter teil.

Janine Tschopp

FISCHINGERTAL. «Wir werden am Podium nicht teilnehmen», sagte Rolf Stampfli vom Referendumskomitee am Samstagmorgen, ein paar Minuten, nachdem Astrid Zeiner, Co-Präsidentin des Schulvorstands Oberstufenzentrum Fischingertal, die Veranstaltung eröffnet hatte. Stampfli begründete die Entscheidung mit Argumenten wie zum Beispiel: Es seien Informationen zurückbehalten worden. Es habe keinerlei Anfragen für eine Zusammenarbeit zum Podium gegeben. Das Referendumskomitee sei informiert, dass der Moderator Alfons Kaufmann ein Befürworter des Verkaufs der OSZF-Schule an die MBF sei. Er sei gegen eine Übernahme der Schulbauten zugunsten der Primarschüler im Fischingertal, entsprechend sei er befangen und nicht neutral.

«Das einzige, was wir ihnen hier und jetzt anbieten können, ist unsere Power Point Präsentation für die langfristige Erhaltung des OSZF-Gebäudes als zukünftiges Primarschulzentrum», führte Stampf li weiter aus. In seiner Präsentation erklärte er, dass das Schulhaus Klostermatte sämtliche Voraussetzungen für den Lehrplan 21 erfülle. «Es sind keine Investitionen nötig.» Zudem müsse man die Kinder nicht mehr «kreuz und quer durchs Tal schieben». Eine zentrale Primarschule Klostermatte bringe Kontinuität und Beständigkeit. «Wir würden gleich argumentieren, wenn das Schulhaus in Schupfart stehen würde», betonte Stampfli.

Obermumpf und Schupfart halten an ihrem Primarschulhaus fest
«Wir sind nicht der Meinung, dass wir Sie nicht fair behandelt haben. Ich finde es persönlich sehr schade, dass Sie am Podium nicht teilnehmen», richtete Astrid Zeiner das Wort an Rolf Stampfli.

Sie ging dann auf die Geschichte des 2005 eingeweihten OSZF-Schulhauses ein. Rückläufige Schülerzahlen, die Harmonisierung auf drei Jahre Oberstufe sowie Sparmassnahmen haben dazu geführt, dass das Schulhaus Ende Schuljahr 2018/ 2019 geschlossen werden musste. Nach verschiedenen Verkaufsbemühungen habe sich die Lösung abgezeichnet, das Schulhaus für 9,3 Millionen Franken an die Stiftung MBF zu verkaufen. Zeiner sprach von einem Geschenk und «der einzigen sinnvollen, nachhaltigen und möglichen Lösung zur weiteren Nutzung als Schule». Da die Gemeinden Schupfart und Obermumpf, die zusammen mit Mumpf den Primarschulverband Fischingertal bilden, ihre Schulstandorte im Dorf nicht aufgeben wollen, könne die Primarschule im OSZF nicht zu einem Standort zusammengeführt werden, erklärte Zeiner weiter.

«Wir haben ein grosses und gut unterhaltenes Schulhaus in Obermumpf. Es kommt nicht in Frage, dass wir unsere Schüler nach Mumpf in die Primarschule schicken», unterstrich später Eva Frei, Frau Gemeindeammann von Obermumpf. René Heiz, Gemeindeammann von Schupfart und Co-Präsident des Schulvorstands Oberstufenzentrum Fischingertal, sagte: «Unser Schulhaus ist in gutem Zustand.» Heiz und Frei, die beide Teilnehmer des Podiums waren, betonten, dass der Lehrplan 21 in ihren bestehenden Schulhäusern umgesetzt werden könne.

So waren alle Podiumsteilnehmer, auch Paul Herzog, Gemeindeammann von Wallbach, sowie Elternvertreter Chris Eichenberger aus Schupfart Befürworter des OSZF-Verkaufs an die MBF. Eine eigene Primarschule im Dorf zu haben, sei emotional wichtig, sagte Eichenberger, Vater von vier Kindern.

Gemeinderat Mumpf: keine Zeit
Spätestens seit der letzten Gemeindeversammlung in Mumpf ist bekannt, dass das Dorf über ein stark sanierungsbedürftiges Schulhaus verfügt. «Müssen alle Gemeinden büssen, weil Mumpf sein Schulhaus nicht saniert hat?», wollte Eva Frei wissen. Nicht nur bei dieser Aussage, sondern auch bei einigen Fragen, die von Besuchern der Podiumsveranstaltung kamen, wäre die Meinung der Gemeinde Mumpf gefragt gewesen. «Wir haben alle gleichzeitig eingeladen», sagte Astrid Zeiner und bedauerte, dass kein Vertreter des Mumpfer Gemeinderats am Podium anwesend war. Auf telefonische Anfrage der NFZ sagte der Mumpfer Gemeindeammann Stefan Güntert: «Man hat den Termin festgelegt, ohne ihn mit uns abzusprechen. Wir vom Gemeinderat hatten bereits andere Termine, welche wir wahrnehmen mussten.» Er verwies darauf, dass der Gemeinderat Mumpf am kommenden Samstag eine Informationsveranstaltung zum selben Thema organisiere.

Wie der NFZ vom 16. Januar zu entnehmen ist, will der Gemeinderat von Mumpf das OSZF mittlerweile nicht mehr verkaufen, mit den gleichen Argumenten wie das Referendumskomitee. Entsprechend bemerkte Eva Frei in der Schlussrunde: «Ich bedaure es sehr, dass der Gemeinderat von Mumpf heute nicht hier ist und dass er das Referendumskomitee im Stich lässt.»

So geht es also weiter, das Tauziehen im Fischingertal. Was bei den Diskussionen nie vergessen werden dürfe, das betonten Eltern an der Podiumsveranstaltung deutlich, sei das Wohl der Kinder.


Am 9. Februar fallen die Würfel

FISCHINGERTAL. Nachdem das Referendumskomitee (15. Januar), die Gemeinden Obermumpf (17. Januar) und Schupfart (20. Januar) über die bevorstehende Abstimmung informierten, veranstaltet am 25. Januar auch Mumpf eine Informationsveranstaltung. Die Würfel fallen dann am Sonntag, 9. Februar, nachdem die Stimmzettel in den vier Gemeinden Mumpf, Obermumpf, Schupfart und Wallbach ausgezählt worden sind. (jtz)


Schulanlagen umfunktionieren zu Hotels?

Kein Verständnis für mögliche Verhinderung des OSZF-Schulhausverkaufs

An der vom Obermumpfer Gemeinderat organisierten Informationsveranstaltung über den Verkauf des Oberstufenzentrums in Mumpf löste die Kehrtwendung der Mumpfer Exekutive heftige Diskussionen aus. Unmissverständlich plädierten die Votanten für den Verkauf, nicht zuletzt, um die Primarschule im eigenen Dorf zu erhalten.

Paul Roppel

«Ein Schulhaus erfolgreich zu verkaufen, ist fast wie einen Lottosechser zu haben», betonte Gemeindeammann Eva Frei an der vom Obermumpfer Gemeinderat organisierten Informations- und Diskussionsveranstaltung zur Referendumsabstimmung über den Verkauf des Oberstufenzentrums Fischingertal (OSZF) an die Stiftung MBF. Nun stelle man sich das irrwitzige Szenario vor, dass gleichzeitig die drei Schulhäuser von Mumpf, Obermumpf und Schupfart wegen Nichtgebrauchs auf den Markt kämen. Dies, weil das Gebäude des OSZF entgegen den Abmachungen nun nicht verkauft, sondern gemäss Referendumskomitee als Primarschulzentrum im Tal umfunktioniert werden soll. Geradezu als Luftschlösser titulierten die rund zwei Dutzend lebhaft diskutierenden Versammlungsteilnehmer die Vorstellungen des Referendumskomitees, die frei werdenden Schulhäuser als Hotelkomplexe, Büroräume, Wohnhäuser oder Seniorensiedlungen umzunutzen.

Primarschule im Dorf erhalten
«Aber die Schulanlage ist eine Basis für unser sehr aktives Dorf- und Vereinsleben», begründete Frei die unbedingte Weiternutzung des Schulhauses, der Aula und der Turnhalle. «Eine Schliessung ist für den Gemeinderat undenkbar», folgerte Frei. Zudem schränke das Raumplanungsgesetz derartige Nutzungen gerade für Obermumpf zusätzlich ein. «Die Obermumpfer Bevölkerung will ihre Primarschule im Dorf behalten», betonte Frei unisono mit den Versammelten. Die Anlage wurde nämlich für 1,65 Millionen Franken ertüchtigt, obwohl dazumal aus Spargründen sogar die Streichung des Altersausfluges und vieles mehr diskutiert worden sei. Zum Erhalt der Primarschulen sei zudem mit Schupfart der Gemeindevertrag «Austausch macht Schule» gegründet worden. Und 2017 sei zwischen Mumpf, Obermumpf und Schupfart der Primarschulverband gegründet worden mit dem Ziel, Kindergarten und Primarschulen im Ort zu erhalten.

Irritierende Aussagen
Heftig kritisiert wurde die Aussage des Mumpfer Gemeindeammanns Stefan Güntert, dass in seinem Dorf die Kinderzahlen sinken und deshalb der Weiterbestand seiner Primarschule in Gefahr sei (NFZ 26.11.2019). Die präsentierten Zahlen übers ganze Fischingertal zeigen speziell für Mumpf gerade das Gegenteil. Ebenso relativiert wurde seine Aussage, Obermumpf habe sich angeboten, ein Primarschulzentrum für die drei Gemeinden zu bauen. «Im Rahmen eines Brainstormings für die eventuelle Bereitstellung von Schulraum zeigte ich mich bereit, dies für unsere Schulanlage abzuklären, was aber nicht weiter verfolgt wurde», sagte Frei auf Anfragen aus dem Plenum.

Astrid Zeiner, Co-Präsidentin des OSZF-Schulvorstandes, zeigte auf, wie es zur Schliessung des Zentrums kam und wie die Behörden der vier Trägergemeinden bei der Suche nach Lösungen und dem vorgesehenen Verkauf an die MBF für 9,3 Millionen Franken involviert waren, welche dort nun die Heilpädagogische Sonderschulen (HPS) Rheinfelden und Frick zusammenführen will. «Eine Ablehnung des Verkaufs gefährdet den Standort der HPS im Fricktal und erwirkt eine ungenutzte Kosten verursachende Anlage, denn Obermumpf und Schupfart halten an ihren Schulstandorten im Dorf fest», sagte sie. Den erwähnten Lottosechser hätten die Fischingertalgemeinden übrigens schon gezogen: Der vorgesehene Verkauf des OSZF an die MBF müsse nur noch eingelöst werden, zog Eva Frei Bilanz. Der Obermumpfer Anteil aus dem Erlös beträgt zirka 2,4 Millionen Franken.

 

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