«Ich gehe bei jedem Wetter trainieren»

Mi, 15. Jan. 2020
Die junge Sulzerin Lea Huber holte letztes Jahr Gold an der Jugend EM in Pila. Foto: Mirjam Held

Die 15-jährige Lea Huber ist Europameisterin im Mountain-Biken

Sie ist jung, lebensfroh, zielorientiert und extrem ehrgeizig. Die Sulzerin Lea Huber kam, sah und siegte. In nur drei Jahren hat sie sich an die Spitze des Jugend-Mountainbike-Sports gekämpft.

Mirjam Held

Lea öffnet die Tür. Ein junges Mädchen, mit einem scheuen Lächeln auf dem Gesicht. Die 2004 geborene Sulzerin setzt alles auf den Mountainbike-Sport. Die ganze Familie ist sportlich unterwegs. Papa Urs Huber ist dem Mountainbike-Sport ebenso verfallen wie Lea und ihr jüngerer Bruder Jan. Beide fahren sie im Nationalkader und sind sehr erfolgreich. Die jüngste Schwester Anja setzt auf Leichtathletik und feiert dort ihre Erfolge. Manchmal ist das für Mama Martina Huber organisatorisch nicht gerade einfach. Oft teilen sich die Eltern am Wochenende auf. Urs geht an die Velorennen, Martina an die Leichtathletik-Wettkämpfe.

Lea ging lange mit ihrer Schwester Anja ins Geräteturnen, was ihr viel Freude bereitete. Immer mal wieder fuhr Lea zum Plausch ein Velorennen und belegte dort meistens den letzten Platz. «Das störte mich keineswegs», sagt Lea schmunzelnd.

Dann im Jahr 2016 packte sie der Ehrgeiz. Sie hörte auf mit dem Geräteturnen und stürzte sich ins Abenteuer Mountainbiking. Drei Wochen vor dem ersten grossen Rennen begann Lea täglich zu trainieren. «Meine Konkurrenz trainierte schon lange. Halt nur einmal wöchentlich mit dem Verein. Ich trainierte drei Wochen lang täglich. Vielleicht war das der grosse Unterschied.» Etwas Unglaubliches geschah. Sie fuhr vom «No Name» an die Spitze und wurde Aargauer-Meisterin. Das brachte selbst den Speaker des Rennens aus der Fassung. «Er musste erst bei meinem Vater nachfragen, wer ich überhaupt sei. Man kannte mich noch nicht», sagt sie lachend. Nach diesem Sieg änderte sich das ganz schnell.

Das Blatt wendet sich
Der Ehrgeiz hatte Lea gepackt. Zusammen mit ihrem Bruder Jan stieg sie in den Mountainbike-Leistungssport ein.

Die ganze Familie richtet ihr Leben nach dem Sport der Kinder. Es gibt keine gemeinsamen Ferien mehr, die nicht dem Sport gewidmet sind. Im Herbst wären die einzigen Tage, an denen man unabhängig und ohne Velo in die Ferien könnte. Nur sind bis dahin die Ferientage von Urs schon längst aufgebraucht.

Lea erzählt: «Damit man ein Team und eine Lizenz haben kann, braucht es einen Verein.» Vier engagierte Trainer gründeten das Biketeam Sulz. Alle fünf jungen Fahrer, die dem Team angehören, sind sehr erfolgreich in ihren Kategorien.

Lea war schon zwei Mal an der Jugend-EM in Pila. 2019 holte sie Gold und wurde somit Europameisterin im Cross Country.

Schule und Freizeit
Lea besucht die Sportkanti in Aarau. «Wir haben nur 25 Lektionen pro Woche, was mir genügend Freiraum fürs Training gibt, dafür dauert sie fünf Jahre. Ich kann viel trainieren und bin flexibel, wenn ich ein Rennen fahre.» Die Schule unterstützt die jungen Sportler dabei, eine anspruchsvolle Ausbildung und den Sport unter einen Hut zu bringen.

«In meiner Freizeit lese und backe ich gerne. Im Winter fahre ich Snowboard und als Ausgleich zum Training mache ich Langlauf.» Viel Freizeit hat Lea nicht. «Manchmal fragen mich meine Kollegen im Sommer, ob ich in die Badi komme. Oft verstehen sie es nicht, wenn ich sage, dass ich ins Training gehe.» Bei jedem Wetter sitzt Lea auf ihrem Bike. «Nur wenn es bitterkalt ist, gehe ich lieber auf die Rolle. Das Risiko, krank zu werden, ist mir zu gross», sagt sie.

Ihre sozialen Kontakte pflegt sie in der Mountainbike-Szene. Aus Konkurrentinnen werden in der Freizeit Freundinnen. Gemeinsam fährt man in Trainingslager, feiert Erfolge und hilft sich über Misserfolge hinweg. Eine ihrer besten Freundinnen und sogleich auch härteste Gegnerin auf der Rennstrecke ist Teamkollegin Noëlle Rüetschi. Die beiden Mädchen pushen sich gegenseitig, verbringen aber auch gerne ihre Freizeit miteinander.

Doch wird es Lea nicht manchmal zu viel? «Nein, das Training nie», antwortet sie, «eher das Drumherum.» Der lange, beschwerliche Schulweg oder die Physiotherapie, Arztbesuche und sonstige Termine. «Das ist echt manchmal viel und braucht so viel Zeit», sagt Lea nachdenklich.

«Einmal musste ich für die Schule einen 20-minütigen Vortrag vorbereiten, die Woche davor war ich in einem Trainingscamp und am Wochenende fuhr ich ein wichtiges Rennen. Das war sehr stressig und ich musste eine Nachtschicht einlegen.»

Die Rolle des Vater als Trainer
Dass Urs der Vater und gleichzeitig auch der Trainer ist, ist nicht immer ganz einfach. «Es kommt natürlich manchmal vor, dass es Meinungsverschiedenheiten zwischen uns gibt, dann brauche ich etwas Zeit für mich. Aber sobald wir im Training sind, ist das vergessen und ich kann mich voll konzentrieren», schmunzelt sie.

Gibt es auch Tage, an denen sie kein Velo fährt? «Ja», sagt Lea, «aber dann gehe ich auf die Rolle oder mache sonst Sport. Nur wenn es die Gesundheit nicht erlaubt, mache ich Pause.»

Lea besitzt einen eisernen Willen und ein grosses Durchhaltevermögen. Vergangenen Juli flog sie mit dem Nationalkader an die Europäischen Olympischen Jugendspiele nach Aserbaidschan. Ohne ihre Eltern. Sie fuhr auf den 12. Platz im Strassenrennen in Baku. War es nicht schwer so ganz ohne Eltern? «Nein. Es war okay», sagt sie ganz gelassen. «Im Sportlercamp sind eh nur Sportler geduldet. Das war schon gut so.»

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