Rheinfelder Chirurg operiert in Gambia

Sa, 21. Dez. 2019
Es gab viel zu tun: Tibor Horvath hat bereits seinen zweiten Einsatz in Afrika geleistet. Foto: zVg

Drei Wochen lang hat der Rheinfelder Chirurg Tibor Horvath im westafrikanischen Gambia einen ehrenamtlichen Einsatz geleistet. Zusammen mit Kollegen sind 55 Operationen durchgeführt worden.

Valentin Zumsteg

«Wir konnten vielen Menschen helfen und ihre Lebensqualität dadurch deutlich steigern», erklärt Tibor Horvath. Von Mitte November bis Anfang Dezember war der Rheinfelder Chirurg zusammen mit Schweizer und deutschen Kollegen für die Hilfsorganisation «Drive to Help» in Gambia im Einsatz. Operiert wurde in der ASB Health Clinic in Serrekunda. «Die Klinik befindet sich im ärmsten Teil des grössten Ballungsgebietes von Gambia. Für das Projekt ist ein ganzer Container mit medizinischem Hilfsmaterial gespendet worden. Die Klinik verfügt jetzt über ein eigenes Röntgengerät», schildert Horvath, der bereits 2012 einen grösseren Einsatz in Äthiopien geleistet hatte.

Schwere Verbrennungen
Diesmal ist er zusammen mit dem Unfallchirurgen Daniel Trötschler vom Spital Zweisimmen eine Woche vor den anderen Freiwilligen nach Gambia gereist, um die Patienten zu untersuchen und die Operationen zu planen. Im Vorfeld wurde das Projekt via Fernsehen und Radio im ganzen Land angekündigt.

«Es gibt sehr viele Leute in Gambia, die nach einer Verletzung keine angemessene medizinische Versorgung erhalten und daher langfristig in ihrer Bewegung eingeschränkt sind», schildert Horvath. Der Fall eines Zehnjährigen ist ihm gut in Erinnerung: Der Bub hatte vor Jahren schwere Verbrennungen bei der Achselhöhle erlitten. Da die Verletzungen damals nicht richtig behandelt wurden, kam es zu Versteifungen. Er konnte den rechten Arm kaum mehr bewegen. «Wir haben die Narben weggeschnitten und eine Hauttransplantation vorgenommen. Er wird wieder die volle Beweglichkeit erlangen», erzählt Horvath.

Verkümmerte Gliedmassen
Horvath hat zahlreiche alte Verbrennungen gesehen, da viele arme Leute in ihren Hütten mit Feuer kochen und es immer wieder zu Unfällen kommt. «Es gab leider auch Fälle, wo wir nicht mehr helfen konnten», so Horvath. Die medizinische Versorgung in Gambia ist bescheiden. Einige Einheimische gehen deshalb zu Wunderheilern, wenn sie verletzt sind. Das zeitigt teilweise verheerende Folgen: «Ich untersuchte vier Kinder, bei denen ein gebrochener Arm vor Jahren abgebunden worden ist. Dadurch sind die Muskeln abgestorben. Das ist irreparabel.» Insgesamt konnten in der kurzen Zeit 55 Operationen durchgeführt werden. «Wir spürten viel Dankbarkeit. Wenn es den Menschen dort besser ginge, würden vielleicht weniger von ihnen versuchen, nach Europa zu flüchten. Mir ist wieder einmal deutlich geworden, welch grosses Glück es ist, wenn man in der Schweiz oder in Europa geboren wurde und leben darf», so Horvath. Für ihn ist klar, dass dies nicht sein letzter humanitärer Einsatz in Afrika war: «Vielleicht gehe ich bereits im nächsten Jahr wieder.»

www.drive-to-help.de

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