Draussen gross geworden

Fr, 13. Dez. 2019
Beat Waldmeier in einem der Pflanzgärten der Gemeinde, wo Nordmanntannen und einige wenige Blautannen aufgezogen werden. Foto: Ronny Wittenwiler

Waldmeier, Weihnachtsbäume und – auf Wiedersehen

Ihre Vorfahren stammen aus dem Kaukasus, er kommt aus Ryburg. Beide verlassen sie nun kurz vor Weihnachten den Möhliner Forstwerkhof. Die Rede ist von Nordmanntannen und von Beat Waldmeier, «hundsgewöhnlicher Arbeiter».

Ronny Wittenwiler

Wie jedes Jahr verkauft der Forstbetrieb Region Möhlin wieder Weihnachtsbäume aus eigener Bewirtschaftung. Wenn an Heiligabend also auch in Möhlin süsser die Glocken nie klingen, dann steht möglicherweise ein Gewächs aus der Heimat im Zentrum. Nur die Kassen klingeln deswegen noch lange nicht: Der Weihnachtsbaumverkauf der Gemeinde ist nämlich vielmehr Tradition und Dienstleistung denn Big Business.

Für sechzig bis achtzig Franken wechselt eine durchschnittliche Tanne den Besitzer und sie ist 180 bis 200 Zentimeter gross. «Die Exemplare sind dann zwischen acht und zwölf Jahre alt», sagt Beat Waldmeier. Der Forstwart, 64 Jahre alt, Grösse unbekannt, hat mit den Nadelbäumen eines gemeinsam: Auch er ist von klein auf draussen an der frischen Luft gross geworden.

500 Weihnachtsbäume jedes Jahr
Gegen 500 Bäume verkauft der Forstbetrieb Möhlin jedes Jahr kurz vor Weihnachten. «Früher waren es sogar rund 1000», sagt Waldmeier, auch im Wissen, dass heute so mancher Weihnachtsbaum in der guten Stube zuerst beim Grossverteiler gestanden hat. Waren es einst, vor dreissig und noch mehr Jahren, vor allem Fichten und Weisstannen, sind es heute fast ausschliesslich Nordmanntannen, mit denen das Weihnachtsgeschäft betrieben wird. Sie halten relativ lange, verlieren bei der erstbesten Bescherung nicht gleich ihre Nadeln. Ähnliche Beständigkeit, bei Wind und Wetter, wird demjenigen nachgesagt, der auf den Tag genau heute zum letzten Mal für den Forstbetrieb offiziell im Einsatz steht. Und so wird aus dieser Geschichte über die Möhliner Weihnachtsbäume auch ein bisschen eine Geschichte über ihn. «Fragen Sie unseren Beat Waldmeier», sagte Revierförster Urs Steck vorgestern Mittwoch zur NFZ, «der weiss ganz genau Bescheid über unsere Weihnachtsbäume.»

Pension und Passion
Und so steht jetzt ebendieser Beat Waldmeier mitten in einer der Pflanzgärten der Gemeinde, in denen die Tannen heranwachsen und vom Forstpersonal das ganze Jahr hindurch gehegt und gepflegt werden. Bereitwillig gibt er Auskunft, dass die heutigen Weihnachtsbäume also praktisch nicht mehr im tiefen, tiefen Wald heranwachsen, sondern in Kulturen. «Wir beziehen sie als kleine Stöckchen aus Baumschulen.» Somit sind die Möhliner Weihnachtsbäume keine Importware aus dem Irgendwo, sondern praktisch Eigengewächse aus dem hiesigen Forstbetrieb – genau wie Waldmeier. Nach einem halben Jahrhundert ist für ihn nun Schluss. Es rufen Pension und Passion.

*

NFZ: Beat Waldmeier, wenn wir den Artikel über die Weihnachtsbäume veröffentlichen, werden Sie Ihren letzten Arbeitstag haben. Das weiss ich seit einer halben Stunde. Blicken wir also mit Ihnen ein bisschen zurück.
(Er winkt ab.)

Kommen Sie schon. Sie sind schliesslich ein bisschen prominent.
Ich bin ein hundsgewöhnlicher Waldarbeiter.

Den man auch wegen seiner kunstvollen Schnitzereien kennt. Die Motorsäge legen Sie mit Ihrer Pensionierung kaum beiseite?
Nein.

Indem Sie Ihre Arbeit auf der Gemeinde verlassen, verlassen Sie also nicht gleich den Wald?
Nie.

Niemals?
Niemals! Die Ameisen mache ich jetzt auch noch.

Was soll das heissen?
Alle Haufen.

Alle Haufen?
Die Kontrolle der Waldameisenhaufen. Ich habe einen Kurs besucht.

Sie waren ein halbes Jahrhundert im Wald.
6. April 1970.

Dann haben Sie angefangen?
Am 23. März kam ich aus der Schule, am 24. habe ich den Schulsack verbrannt und am 6. April im Wald angefangen.

Was hat das Ihnen bedeutet, im Wald zu sein und dort zu arbeiten?
Alles.

Bürojob wäre nie infrage gekommen?
Jesses nei au. Use in d Natur.

Habe ich etwas vergessen?
Keine Ahnung.

Für Sie gut so?
Von mir aus, aber hören Sie auf jetzt.

*

Irgendwie redete der Mann schon immer lieber über den Wald und die Arbeit als über sich selbst.

Die Nordmanntanne (…) ist heute die meistgenutzte Baumart als Weihnachtsbaum. Benannt wurde sie im Jahre 1842 nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann (1803–1866), nachdem er sie 1835 im Kaukasus nordöstlich von Borshomi (im heutigen Georgien) entdeckt hatte. (Quelle: Wikipedia)

Der Forstbetrieb Region Möhlin lädt die Bevölkerung von Möhlin zum Christbaumverkauf im Forstwerkhof ein. Der Verkauf findet statt am Freitag, 20. Dezember, von 16 bis 18 Uhr, und am Samstag, 21. Dezember, von 9 bis 11 Uhr.

Category: 

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses