Möhlin, Rheinfelden und die Reise zum Mond

Do, 24. Okt. 2019
Hier, nördlich des Bahnhofs Möhlin, soll ein neues Quartier entstehen. Von der Planung bis zur Realisierung dürften noch Jahre vergehen. Foto: zVg

Infoveranstaltung zum Entwicklungs- und Wohnschwerpunkt Bahnhof Möhlin

Es sei kaum anzunehmen, dass vor 2030 ein neues Wohnquartier nördlich des Bahnhofs Möhlin entstehen wird. Solche und ähnliche Antworten lieferten am Montag die Behörden von Rheinfelden und Möhlin.

Ronny Wittenwiler

Nördlich des Bahnhofs Möhlin, in diesem bruchstückhaften Rheinfelder Osten: wenn hier im 2028 die Mittelschule eröffnet und nochmals Jahre später vielleicht über tausend Menschen ein neues Quartier besiedeln – dann wird sich kaum jemand an den 21. Oktober 2019 zurückerinnern. Jener Tag, an dem Rheinfeldens Stadtammann Franco Mazzi von einem «Privileg» sprach, dass Rheinfelden und Möhlin die Chance erhalten würden, dieses Gebiet gemeinsam zu entwickeln.

Pläne im Grenzgebiet
Bedeutungsschwanger war er allemal, dieser erste Tag der neuen Woche. Erstmals sprachen die Behörden von Möhlin und Rheinfelden nämlich vor eingeladener Öffentlichkeit über die Pläne einer gemeinsamen Entwicklung des unbebauten Areals beim Bahnhof Möhlin. Vor einem Monat zeichneten sie anlässlich einer Medienorientierung bereits ein umfassendes Bild. Die NFZ berichtete: Die 12,5 Hektaren nördlich des Bahnhofs Möhlin sind im Richtplan des Kantons als Entwicklungsschwerpunkt von kantonaler Bedeutung und als Wohnschwerpunkt eingetragen. Teils auf Rheinfelder Boden gelegen, teils auf Möhliner, sollen dort langfristig Wohnraum und attraktives Gewerbe mit Arbeitsplätzen entstehen und wenn möglich 2028 die Fricktaler Mittelschule gebaut werden, für die sich Möhlin und Rheinfelden gemeinsam als Standort bewerben.

Erste Hürde: Sommergemeinde
Noch ist das eine Vision und wenn Amerika in den nächsten fünfzehn, vielleicht zwanzig Jahren, die ersten Astronauten zum Mars schicken will, dann starten Möhlin und Rheinfelden hier nun immerhin eine Art Reise zum Mond, denn noch so viele Hürden sind zu nehmen, damit aus der Vision Realität wird. Bereits an den Gemeindeversammlungen im Juni entscheiden die Stimmbürger, ob sie überhaupt erst einen Countdown zünden wollen. Wird der Kredit für die Testplanung abgelehnt, dann dürfte es das bereits gewesen sein mit der gemeinsamen Vision. «Die Gemeindeversammlung ist somit ein erster Prüfstein», sagt Gemeindeammann Fredy Böni.

Ein Planen in Dekaden
In dieser Testplanung prüfen Teams aus Städtebau, Architektur, Landschaftsarchitektur, Mobilität und Nutzung die möglichen Optionen zur Gebietsentwicklung. «Die Testplanung bewegt sich auf einer hohen Flugebene», sagt die ins Boot geholte Entwicklungsplanerin Joëlle Zimmerli, und ohnehin gaben die Verantwortlichen am Montag zu Protokoll: Ein langer Prozess sei es, nichts wolle überstützt sein, die Gemeindeversammlung habe immer wieder Entscheide zu fällen, es sei kaum anzunehmen, dass vor dem Jahr 2030 auf dem Areal neuer Wohnraum entstünde. «Sollte die Mittelschule realisiert werden, dann wird man kaum gleich mit der Wohnentwicklung beginnen», sagte Gemeindeammann Fredy Böni und Rheinfeldens Stadtbaumeister Urs Affolter betonte, die Kadenz der baulichen Entwicklung liege in den Händen der Stimmbürger. Auch gebe es Steuerungsinstrumente, die Qualität der Entwicklung zu lenken, sagte Stadtammann Mazzi und nannte namentlich die kantonale Standortförderung oder etwa die Arbeitsgruppe Mobilität des Planungsverbands Fricktal Regio.

Bevölkerung soll sich einbringen
Mitreden sollen auch möglichst viele Möhliner und Rheinfelder bereits an einem nächsten Termin. Im Januar und Februar laden die Gemeinden zu zwei Workshops, an denen sich die Bevölkerung aktiv darüber einbringen soll, wie sich die Vision zu entwickeln hat, dort im Norden des Bahnhofs, im Grenzgebiet zwischen Rheinfelden und Möhlin. Entweder mit – oder ohne Mittelschule.

Workshop am 11. Januar 2020, Thema: «Natur und Durchgrünung.» Workshop am 1. Februar 2020, Thema: «Angebote, Wohnen und Erscheinungsbild.»


Kredit für die Testplanung
Rund 500 000 Franken, aufgeteilt zu je einem Drittel auf die Gemeinden Möhlin und Rheinfelden sowie die Schweizer Salinen AG (mit Abstand grösste Landeigentümerin).

Arealentwicklung
Sie erfordert zwingend eine Teilzonenplanänderung in beiden Gemeinden (vorgesehen 2023).

Mittelschule I
Definitiver Standortentscheid voraussichtlich im zweiten Quartal 2021. Neben Möhlin/Rheinfelden bewerben sich die Gemeinden Stein sowie Frick.

Mittelschule II
700 Fricktaler besuchen derzeit eine solche, wovon 350 allein aus den Gemeinden Kaiseraugst, Magden, Rheinfelden und Möhlin stammen. (rw)

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