Pferde sind ihre Leidenschaft

Mi, 11. Sep. 2019
Jürg und Sarina Soder mit ihrem Pferd «Tequila». Foto: Janine Tschopp

Jürg Soder lernte zwar ursprünglich Landwirt, wusste aber bald, dass ihn das Reiten noch mehr interessiert. So gründete er eine Reitschule. Seit einigen Jahren funktioniert der Betrieb in Möhlin als Reitpension, die er zwischenzeitlich an seine Tochter Sarina übergeben hat.

Janine Tschopp

Man hat das Gefühl, dass hier auf dem Birkenhof in Möhlin die Uhr noch anders tickt. Gelegentlich führt ein Besitzer sein Pferd über den Hof. Andere Pferde stehen friedlich in ihren Boxen oder auf ihrem Weideplatz. Ein weiterer Pferdebesitzer übt mit seinem Liebling auf dem Aussenplatz über die Hindernisse zu springen. Dann gibt es noch vier Hofkatzen, die den Birkenhof beleben.

«Ich würde es wieder tun»
So idyllisch, wie es an diesem sonnigen Donnerstagmorgen scheint, ist das Leben auf dem Birkenhof nicht immer. Jürg Soder und seine Tochter Sarina sind während sieben Tagen von morgens früh bis abends spät im Einsatz. Beide haben ihren Job freiwillig gewählt und wollen es nicht anders haben. «Ich würde es wieder tun», sagt Jürg Soder.

Auch seine Tochter Sarina scheint mit ihrer Arbeit sehr glücklich zu sein. «Ich habe bei meinen Eltern ‹durchgestiert›, dass ich Pferdefachfrau lernen durfte», erzählt sie. Sie wusste, dass sie ein Job im Büro nicht glücklich gemacht hätte. Bei der Berufswahl war ihr wichtig, in ihrem Alltag Körper und Kopf einsetzen zu können. «Als ich früher um vier Uhr von der Schule heimkam, stellte ich meinen Schulsack als erstes in eine Ecke und ging reiten», erinnert sich die 25-Jährige, die seit ihrem sechsten Lebensjahr reitet und Mitglied beim Juniorenkader war. Sie genoss es, auf einem Hof aufzuwachsen und sie hatte schon immer den Wunsch, eines Tages den Betrieb ihrer Eltern zu übernehmen.

Die vierte Generation
Jürg Soders Grossvater baute den Betrieb und übergab ihn später an die nächste Generation. «Meine Eltern führten den Hof als klassischen Bauernbetrieb mit Tieren und verschiedenem Getreide», erzählt Jürg Soder. Obschon er Landwirt lernte, sagt er: «Ich wollte nicht Bauer sein, sondern reiten.» Er erzählt, dass er als 14-Jähriger sein erstes Pferd bekam. Zusätzlich zur Ausbildung als Bauer liess er sich auf einem Landesgestüt in Deutschland zum Reitlehrer ausbilden. Während 20 Jahren führte er anschliessend den «Birkenhof» mit Pferden und baute Hopfen für die Brauerei Feldschlösschen an. Als er mit Hopfen aufhörte, konzentrierte er sich vollkommen auf Pferde. Er bildete Sportpferde aus, leitete die Reitschule und beschäftigte sich mit der Pferdezucht. Mit dem Neubau 2015 kam es zu einer Neuausrichtung. «Ich baute eine existenzsichernde Anlage», beschreibt Jürg Soder. Es entstand eine Anlage, die darauf ausgerichtet ist, dass Pensionspferde gepflegt und betreut werden können. So haben derzeit 38 Freizeit-, Spring- und Dressurpferde einen schönen Platz im Birkenhof und werden dort gefüttert, gepflegt und rund um die Uhr betreut. Vier dieser Pferde gehören der Familie Soder, die anderen 34 sind Pensionspferde. Das heisst, sie haben einen Besitzer, der regelmässig vorbeikommt, sein Pferd aber im «Birkenhof» gegen Entgelt «wohnen» lässt.

Vor kurzem hat Jürg Soder den Pensionsbetrieb an seine Tochter Sarina übergeben. Für die Landwirtschaft mit der zwölf Hektaren grossen Grasfläche ist der 56-Jährige verantwortlich. «Das Heu für die Tiere produzieren wir selber», sagt er.

Tiere wurden anfälliger
Was ist in den 30 Jahren, seit Jürg Soder den Hof führt, anders geworden? «Das Pferd hat sich nicht verändert. Vorne frisst es, und hinten scheisst es, das war schon immer so», lacht er. Verändert habe sich die Stellung, welche das Tier bei seinem Besitzer hat. Die Pferde werden heute im Vergleich zu früher eher «verbibäbelet». Auch in der Zucht merke man, so der Fachmann, dass die Tiere im Laufe der letzten Jahrzehnte anfälliger wurden. Aufgrund der Vielfalt der Fütterung zum Beispiel sei die Pferdehaltung im Laufe der letzten Jahre komplexer geworden. Dass man Pferde und den Reitsport liebt, ist laut Jürg Soder eine Grundvoraussetzung, um einen Reiterhof zu führen. Denn es ist alles andere als ein 0815-Job. Der Tag beginnt um 6.30 Uhr, wenn die Pferde auf die Weide gelassen werden. Mehrmals täglich werden die Tiere gefüttert und die Boxen gemistet. Abends um 18 Uhr sind die Vierbeiner wieder im Stall, und dann beginnen die Reitstunden. «Bevor ich ins Bett gehe, mache ich immer noch Kontrollgänge, ob es allen Tieren gut geht», erklärt Sarina Soder.

Wie ist es für eine junge Frau im eigenen Betrieb von frühmorgens bis spätabends engagiert zu ist? Kommt das Privatleben zu kurz? «Nein, ich habe genug Zeit für meine Kollegen.» Es sei auch möglich, in die Ferien zu fahren, solange sie dies mit der Familie gut abspreche.

Sarina Soder erzählt, dass es Mut gebraucht habe, in die grossen Fussstapfen ihres Vaters zu treten. «Ich hatte Bedenken, dass man mich nicht akzeptiert», schildert sie. Sie sei nun sehr froh, dass sie sich getraut habe. Und schön sei, dass ihr Vater da sei und sie jederzeit unterstützen könne.

So konnte sie, wie das ihr Vater auch schon getan hat, ihre Berufung zum Beruf machen.

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