Mehr Tiere werden abgegeben

Di, 27. Aug. 2019
Wer den Tierlignadenhof besucht, darf keine Berührungsängste haben. Foto: Susanne Hörth

Tierlignadenhof Kaisten öffnete die Türen für Besucher

Rund 150 Tiere leben derzeit auf dem Tierlignadenhof in Kaisten. Dank Spenden und viel Engagement geht es dem Betrieb derzeit gut.

Susanne Hörth

Seit über 20 Jahren bietet der Tierlignadenhof in Kaisten Hunden, Katzen, Pferden, Eseln, Schweinen, Hühnern, Enten und vielen anderen Tieren ein Zuhause auf Lebzeit. «Es sind alles Tiere, die uns gebracht wurden. Sei es, weil sie niemand mehr wollte. Sie dort, wo sie bisher waren, nicht mehr bleiben konnten, weil sie ‹ausgedient› oder alt sind», sagte Stefanie Sutter am Samstagnachmittag. Die 31-Jährige führt den Hof zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Janina. Am Samstag war der Kaister Tierlignadenhof einer von acht Betrieben, die am ersten Lebenshoftag Schweiz teilnahmen. Initiiert wurde er von der Stiftung ProTier. Ziel war es, interessierten, neugierigen aber auch skeptischen Menschen die Möglichkeit zu bieten, die Höfe mit ihren Tieren, ihren Betreuern und den dazugehörenden Konzepten hautnah zu erleben.

In Kaisten erfuhren die zahlreichen Besuchern von Stefanie und Janina Sutter auch von den teils traurigen Vorgeschichten der hier lebenden Tiere. Auf dem Tierlignadenhof sind sie nun Teil einer grossen, harmonischen Gemeinschaft. In dieser gibt es durchmischte Gruppen, aber auch Artgenossen, die in ihren Stallungen und den dazugehörenden Weiden lieber unter sich bleiben. So etwa die Ziegen. Dann sind da aber auch die Einzelgänger, wie etwa das einst auf kleinstem Platz gehaltene Zuchtschwein Rosa. Heute geniesst sie es, einen ganzen Stall für sich zu haben.

Tiere helfen, steht an erster Stelle
Auf dem Tierlignadenhof hat es einige Veränderungen gegeben. Nach dem Tod von Gründerin Monika Spoerlé haben die Zwillinge Sutter definitiv das Ruder übernommen und steuern das Schiff mit einer treuen Helfermannschaft in eine positive Zukunft. «Wir konnten sehr viel in die Liegenschaften, die Ställe und die Gehege investieren», freuen sie sich. Es wurde saniert, neue Gehege gebaut, Stallungen erweitert und verbessert. «Was sich nicht verändert hat, ist der Grundgedanke unsere Hofes. Wir wollen allen Tieren hier auf Lebzeiten das Beste bieten.» «Es geht uns gut», sagte Stefanie Sutter und blickte zufrieden um sich. Auf dem grossen Hofplatz tummelten sich zwischen den Besuchern mehrere Hunde, ein paar Pferde stupsten sich gegenseitig an, zwei Esel wollten gestreichelt werden und auch das eine oder andere Büsi verlangte nach Aufmerksamkeit. Mit «gut» meinte Stefanie Sutter gleich mehrere Dinge. Das Stiftungsteam des Tierlignadenhofes darf sich über viele Helfer und Unterstützer freuen. Keine Selbstverständlichkeit. Dessen sind sich alle bewusst. Um die täglichen Kosten für Futter bis hin zu Tierarzt und Mitarbeiter stemmen zu können, ist der Tierlignadenhof auf Spenden angewiesen. Gleichzeitig aber auch auf gute interne Abläufe. Stefanie Sutter hat ihre Ausbildung zur Wildtierpflegerin, welche sie parallel zu ihrer kaufmännischen Arbeit auf einem Büro absolvierte, schon vor einiger Zeit abgeschlossen. Mittlerweile wohnt sie auf dem Hof, kann sich so schon frühmorgens um die Tiere kümmern. Nach wie vor arbeitet sie mit einem 40-Prozent-Pensum ausserhalb. Mit dem hier verdienten Geld finanziert sie auch ihre weitere, zwei Jahre dauernde und 20 000 Franken teure Ausbildung zur Tierheilpraktikerin. Dass während dieser Zeit die Wochenenden und auch die Ferien für die erneute Ausbildung herhalten müssen, nimmt sie mit einem Lächeln. «Wenn ich die Ausbildung habe, kann ich damit unseren Tieren und auch anderen helfen.»

Ein weiteres Ziel ist es, auf dem Tierlignadenhof in absehbarer Zeit einen Ausbildungsplatz für Tierpfleger anbieten zu können. Kraft für all ihre Aufgaben erhält Stefanie Sutter laut eigenen Angaben von ihren Tieren, die Liebe zu ihnen. Traurig macht es sie, dass zunehmend mehr Tiere abgegeben werden, weil sie nicht mehr gewollt sind. Auf dem Kaister Hof leben aktuell rund 150 Tiere. «Wenn wir helfen können und es die Vernunft zulässt und es vom Platz her geht, nehmen wir sie auf.»

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