Man mag sich halt doch ein bisschen

Do, 22. Aug. 2019
Annäherung zwischen Möhlin und Rheinfelden: die Feuerwehrkommandanten Marc Leber (links) und Richard Urich. Foto: Ronny Wittenwiler

Sie zünden sich gegenseitig an. Doch am Ende des Tages gehen sie gemeinsam durchs Feuer. Was die Feuerwehren Rheinfelden und Möhlin sonst noch können, zeigen sie der Bevölkerung am 30. August.

Ronny Wittenwiler

Nein, Händchen haltend wollen sie dann schon nicht aufs Foto. Dafür, immerhin, gibt es einen gut freundschaftlichen Klaps. Hier beim Kreisel zwischen Möhlin und Rheinfelden kommen sich zwei Kommandanten näher: Richard Urich, Feuerwehr Möhlin; Marc Leber, Feuerwehr Rheinfelden. «Wir dachten, wir leisten ein wenig Entwicklungshilfe, deshalb ist jetzt Rheinfelden auch dabei», sagt Richard Urich, grinst und verdient sich damit ebendiesen freundschaftlichen Klaps – auf den Hinterkopf. Immer wieder kommt es zu diesem verbalen Schlagabtausch, der irgendwie bloss eines beweist: Man mag sich eben doch ein bisschen. Ohne Rheinfelden wäre das Leben in Möhlin bloss halb so schön. Und dass die beiden nebenher, wenn der Spass zu Ende und die Lage wirklich ernst ist, auch noch gut miteinander funktionieren: Das wollen die Feuerwehren Möhlin und Rheinfelden am 30. August einmal mehr unter Beweis stellen. Gemeinsam laden sie die Bevölkerung zur Nacht der offenen Tore.

Spektakel am frühen Abend
Die Aktion steht im Zeichen des 150-Jahr-Jubiläums des Schweizerischen Feuerwehrverbands. Überall im Land zeigen sich an diesem Abend des 30. August die Feuerwehren einer interessierten Bevölkerung. Statt für einen Alleingang haben sich die Feuerwehren Möhlin und Rheinfelden entschieden, gemeinsame Sache zu machen, und das kommt nicht von ungefähr. «Schon länger stand der 30. August als Datum fest für die gemeinsame Jahresübung der Feuerwehren Rheinfelden und Möhlin», sagt Richard Urich. «Da war für uns klar, dass wir diese in die Nacht der offenen Tore integrieren.» Die gemeinsame Jahresübung findet abwechselnd in Möhlin und Rheinfelden statt, dieses Mal ist Möhlin wieder an der Reihe – und so kommt es übernächsten Freitag zu spektakulären Szenen im Dorfzentrum. Man will sich schliesslich nicht lumpen lassen, wenn die Öffentlichkeit sich vom Funktionieren der hiesigen Feuerwehren überzeugen lassen will. Geplant sind zwei Einsatzübungen, zuerst steht das Gemeindehaus in Flammen – wir sprechen hier von der Theorie –, danach sind die Einsatzkräfte bei einem fiktiven Verkehrsunfall in der Nähe beim Bürgerhaus gefordert (siehe Infobox).

Die Feuerwehr bei den Leuten
«Wir möchten mit diesen Vorführungen über Brandbekämpfung und Strassenrettung auch die Chance nutzen, die Aufgaben und den Nutzen unserer Feuerwehren der Bevölkerung wieder etwas näher zu bringen, insbesondere auch Neuzuzügern», sagt Urich. «Manchmal herrscht der Irrglaube, bei unseren Feuerwehren würde es sich um eine Berufsorganisation handeln. Manch einer ist mit dem hiesigen Milizsystem nicht vertraut.» Nicht zuletzt, so Urich, gehe es auch darum, der Öffentlichkeit und damit dem Steuerzahler zu zeigen, dass es für funktionierende Einsätze entsprechendes Material braucht und dass die Mannen und Frauen damit umzugehen wissen.

Gemeinsam stark
Die eigentliche Zusammenarbeit der beiden Feuerwehren Möhlin und Rheinfelden begann vor über zehn Jahren. «Es war im Jahr 2007, als die Behörden entschieden hatten, mindestens eine gemeinsame Übung im Jahr abzuhalten», sagt Rheinfeldens Kommandant Marc Leber. Schon damals waren beide, Leber und Urich, in ihren jeweiligen Feuerwehren aktiv. Die Kooperation im Allgemeinen zwischen Rheinfelden und Möhlin funktionierte mal besser, mal etwas weniger gut. Das Zusammenspannen nun im Rahmen der Nacht der offenen Tore darf man aber durchaus als Statement verstehen. «Wir haben heute eine wirklich tolle Zusammenarbeit», sagt Leber. «Das möchten wir am 30. August unter Beweis stellen und der Bevölkerung noch stärker ins Bewusstsein rufen. Ich will, dass die Leute sehen, dass alte Grenzen aufbrechen.» Kommandant Urich pflichtet bei. Wenn auch eines bleibt zwischen den Feuerwehren Möhlin und Rheinfelden: Man zündet sich gegenseitig an. Doch am Ende des Tages geht man gemeinsam durchs Feuer.

Und wie steht es nun um die Entwicklungshilfe? «Ach», sagt Marc Leber und lacht: «Ich kenne doch den Richard. Der braucht solche Sprüche einfach.» Beide sind seit dem 1. Januar 2018 als Kommandanten ihrer Feuerwehr im Amt.


Mit dem Shuttle-Bus nach Möhlin

Die Nacht der offenen Tore in Möhlin am Freitag, 30. August, beginnt um 19 Uhr. Den Auftakt macht eine Einsatzübung beim Gemeindehaus Möhlin, Schwerpunkt Brandbekämpfung und Personenrettung. Um 20 Uhr folgt eine zweite Einsatzübung mit Schwerpunkt Strassenrettung, unmittelbar beim Bürgerhaus. Im Anschluss können beim Feuerwehrmagazin die Fahrzeuge der Feuerwehren Rheinfelden und Möhlin sowie die Gerätschaften besichtigt werden. Wer nach einer Wurst vom Grill seinen Durst etwas länger stillen will: Die Organisatoren sorgen zudem für einen Barbetrieb bis 2 Uhr. Ein permanenter Shuttle-Bus-Betrieb bringt die Bevölkerung von Rheinfelden (ab Feuerwehrmagazin) und Zeiningen (ab Feuerwehrmagazin) nach Möhlin und wieder zurück. (rw)

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