«Die Gemeinden müssen das Heft in die Hand nehmen»

Do, 06. Sep. 2018
«Die schlechte Botschaft: Die Läden kommen nicht zurück, zumindest nicht in der früheren Form», sagte Lukas Bühlmann am Wirtschaftstreffen. Foto: Valentin Zumsteg

Die beiden Fricktaler Bezirke entwickeln sich stark. Wie kann das Wachstum bestmöglich eingebettet werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Wirtschaftstreffen 2018 der FDP der Bezirke Rheinfelden und Laufenburg.

Valentin Zumsteg

Eigentlich ist es ein Luxusproblem: Das Fricktal fällt durch ein hohes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum auf. Das sorgt aber auch für Probleme, wie die Debatte um Bauland in Möhlin und andernorts exemplarisch zeigt. «Wachstum ist ein politisch schwieriges Thema», erklärte Manuel Mauch, Präsident der FDP des Bezirks Rheinfelden, am Montagabend zum Auftakt des Wirtschaftstreffens der beiden Fricktaler FDP-Bezirksparteien. Rund 60 Interessierte hatten sich im Hotel Schützen in Rheinfelden eingefunden.

«Der Entwicklung nicht einfach zuschauen»
«Wenn man das Wachstum fördern will, braucht es Fachwissen und Erfahrung», so Mauch. Deswegen stand der Anlass unter dem Motto «Wachstum bestmöglich einbetten». Referent des Abends war Lukas Bühlmann. Er ist Direktor von EspaceSuisse, dem Verband für Raumplanung. Seine Hauptbotschaft war klar: «Gemeinden und Städte sind gefordert. Es reicht nicht mehr, wenn man einfach zuschaut, wie sich die Gemeinde entwickelt. Die Gemeinde muss das Heft in die Hand nehmen.» Das Schweizer Volk habe 2013 Ja gesagt zum neuen Raumplanungs-Gesetz. Dieses soll die Zersiedlung stoppen und Neueinzonungen nur zulassen, wenn die Nutzungsreserven ausgeschöpft sind. «Doch solche Innenentwicklungen sind kein Sonntagsspaziergang», betonte Bühlmann.

Er empfiehlt den Gemeinden, ein räumliches Entwicklungskonzept zu erarbeiten. Wichtig sei, dass der Gemeinderat die Bevölkerung frühzeitig miteinbeziehe. «Die Leute reden gerne mit. Bei diesen Themen geht es um ihr direktes Lebensumfeld», betonte Bühlmann. Dem Fricktal wand er ein Kränzchen, da die Gemeinden unter der Leitung des Planungsverbandes Fricktal Regio schon früh ein Regionales Entwicklungskonzept geschaffen haben.

«Läden kehren nicht zurück»
Es ist davon auszugehen, dass die Einwohnerzahl im Fricktal weiterhin wächst. Die Bevölkerungsprognose des Kantons rechnet zum Beispiel für die Stadt Rheinfelden bis 2040 mit einer Zunahme um 34 Prozent. Auch im Raum Frick-Laufenburg-Stein werden Wachstumsraten von deutlich über 20 Prozent vorhergesagt.

Beim Verdichten brauche es für jede Gemeinde eine massgeschneiderte Lösung. «Häufig entpuppt sich der Ortskern als Brennpunkt der Innenentwicklung», schilderte Bühlmann. Denn trotz des Wachstums entleeren sich vielerorts die Zentren. Läden gehen zu und Beizen verschwinden. «Die schlechte Botschaft: Die Läden kommen nicht zurück, zumindest nicht in der früheren Form.» Entscheidend sei, grosse Detailhändler wie Migros und Coop als Frequenzbringer unbedingt im Zentrum zu halten oder ins Zentrum zu holen. «In den Gewerbezonen am Siedlungsrand sollten die Gemeinden grössere Verkaufsflächen verbieten. Auch Aldi und Lidl gehören ins Zentrum», findet Bühlmann.

Früher hätten die Läden in den Erdgeschossen die Liegenschaften zu einem grossen Teil finanziert. Heute sei das anders: «Mit den Erträgen aus den Wohnungen in den oberen Stockwerken sollten die Mieten in den Erdgeschossen verbilligt werden.» Auch das Gewerbe sei gefordert. Es gelte, die eigenen Schwächen zu erkennen und Gegensteuer zu geben. Fazit des Abends: Für eine positive Entwicklung braucht es die ganze Gesellschaft.

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