Filigrane Kunst aus Stein und Erinnerungen an Tibet

| Sa, 17. Feb. 2018

Der Rheinfelder Steinbildhauer Nemey Strasser stellt seine Werke nur selten aus. Derzeit sind sechs Skulpturen in der Schalterhalle der Aargauischen Kantonalbank zu sehen.

Von Valentin Zumsteg

In einer Bank geht es um Geld – doch manchmal auch um Kunst. «Ich freue mich, dass ich meine Werke hier ausstellen darf. So kann ich der Öffentlichkeit wieder einmal zeigen, was ich geschaffen habe», erklärt Nemey Strasser. Sechs Skulpturen präsentiert der Rheinfelder Steinbildhauer mit tibetanischen Wurzeln derzeit in der Schalterhalle der Aargauischen Kantonalbank. Die Werke, die er alle vor ein paar Jahren geschaffen hat, sind verspielt. Trotz des schweren, harten Materials wirken sie fragil und strahlen Leichtigkeit aus.

 

Seit 55 Jahren in Rheinfelden

Dass die Ausstellung in diesem Jahr geklappt hat, fügt sich für Nemey Strasser gut. «Ich kann zwei Jubiläen feiern. Ich bin seit 55 Jahren in Rheinfelden und ich konnte kürzlich meinen 65. Geburtstag feiern», erzählt er.

Was er mit seinen Werken ausdrücken will, behält er bewusst für sich. «Bei der Arbeit mache ich mir viele Gedanken. Doch der Betrachter soll die Skulpturen unvoreingenommen anschauen können», so Strasser. Das Bildhauer-Handwerk hat er in der Schweiz gelernt. «Ich bin aber auch von der tibetanischen Gedankenwelt beeinflusst», erzählt Strasser.

 

Erinnerungen an die Flucht

Er war sieben Jahre alt, als er zusammen mit seinem Vater von Tibet nach Indien flüchtete. Seine leibliche Mutter hatte er bereits im Alter von zwei Jahren verloren. «Die Flucht war beschwerlich und hart.» In Indien lebte er in einem Kinderheim, weil sein Vater nicht für ihn sorgen konnte. Mit zehn Jahren wurde Nemey von der Schweizer Familie Strasser adoptiert. Er kam nach Rheinfelden und wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf. Sein Adoptivvater war der bekannte Kunstmaler Jakob Strasser. Martha Strasser, die Adoptivmutter, förderte ihn stark. «Wir haben viel mit Ton und Holz gearbeitet», erklärt Nemey Strasser. Er machte eine Lehre als Steinbildhauer und hat später viele Grabsteine und Kunstwerke geschaffen. Ein Brunnen von ihm steht vor dem Altersheim Lindenstrasse, auch bei der Bezirksschule Rheinfelden und bei der Gemeindeverwaltung Kaiseraugst sind Werke von Nemey Strasser zu sehen. Vor ein paar Jahren musste er sein Atelier allerdings aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Tibet, seine alte Heimat, konnte er nie mehr besuchen. Die Erinnerungen an seine Kinderjahre sind aber stark, wie er sagt. Heute leben noch zwei Schwestern von ihm dort. «Ich habe sie seit 57 Jahren nicht mehr gesehen.»

Jetzt möchte er sich wieder verstärkt dem Kunstschaffen widmen. Er sucht aber noch geeignete günstige Räumlichkeiten für ein Atelier. Die Ausstellung in der Kantonalbank ist bis Ende März zu sehen.  

 

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