«Eine grundlegende Sache ist für mich Ehrlichkeit und Authentizität»

| Sa, 11. Nov. 2017

Regula Laux ist Kommunikationsfachfrau aus Überzeugung. Den Entschluss, sich Anfang der 1990er-Jahre selbständig zu machen, hat sie nie bereut. Im Gespräch erklärt die Laufenburgerin, warum sie das Fach Medienpädagogik schon an den Schulen empfiehlt.

von Susanne Hörth

 

Frau Laux, wann haben Sie den Entschluss gefasst, in die Medien- und Kommunikationsbranche einzusteigen?

Regula Laux: Ich habe bereits als Jugendliche bei einer kleinen Zeitung gearbeitet. Der Lokaljournalismus ist ein  toller Einstieg, um den Journalismus von Grund auf kennenzulernen. Man beschäftigt sich mit so vielen unterschiedlichen Themen und Menschen. So kam es, dass ich nach dem Abitur  in Köln Politikwissenschaften und Medienpädagogik studierte.

 

Ist nicht gerade Letzteres in der heutigen schnellen, digitalisierten Welt für einen kompetenten Umgang mit den Medien unumgänglich?

Absolut. Damals war das Fach Medienpädagogik ein Versuch,  den Studiengang gibt es heute in der Form nicht mehr. Ich glaube aber, dass er nötiger wäre denn je. Denn genau die Verbindung von Medien, Soziologie, Psychologie und Pädagogik halte ich für ganz wichtig.

 

Der richtige Umgang mit den Medien ist unbestritten ein wichtiges Thema. Ab wann sollte dafür sensibilisiert werden?

Schon in den Schulen sollte es gezielt Medienunterricht geben, in dem der Umgang mit den Medien und das kritische Hinterfragen thematisiert werden.  Kinder bedienen schon in jungen Jahren virtuos Laptops und Handys, die Sensibilisierung für die Gefahren und für einen bewussten Umgang hinken dem aber oft hinterher.

 

Was zeichnet eine gute Kommunikationsperson aus?

Glaubwürdigkeit. Früher gab es im Dorf den Pfarrer, den Lehrer, den Arzt und den Redaktor der Lokalzeitung. Alles natürliche Autoritäten, denen man geglaubt hat. Das ist heute nicht mehr so. Es wird viel mehr hinterfragt, was ich  grundsätzlich auch für richtig halte. Im Medienbereich, besonders im Netz, ist das aber leider oft anders. Meinungen werden gebildet, Hypes entstehen ohne dass den Usern die Mechanismen dahinter bewusst sind und eine kritische Reflexion stattfindet.

 

Was tun Sie selbst, damit Sie glaubwürdig sind?

Ich glaube, bei meiner Arbeit ist gesunder Menschenverstand wichtig. Dass ich mich selber immer wieder frage, kann das sein. Bevor ich also etwas aufgreife und weiterverbreite, gehe ich der Sache auf den Grund, hinterfrage es.

 

Kann dieses Hinterfragen auch dazu führen, dass Sie einen Auftrag ablehnen?

Wenn ich ein Mandat, einen Auftrag übernehme, muss ich dahinterstehen können. Wenn das nicht der Fall ist, dann bin ich nicht glaubwürdig. Eine grundlegende Sache ist für mich Ehrlichkeit und Authentizität. Etwas vorspielen zu wollen, bringt nichts. Irgendwann kommt es raus und vorbei ist es mit der Glaubwürdigkeit.

 

Ist dieses authentische, offene Umgehen mit Informationen lernbar?

Ja. Wir bieten in unserer Firma entsprechende Kommunikationskurse an. Dabei sagen wir den Teilnehmenden aber auch immer wieder, dass sie nicht versuchen sollen, jemanden zu spielen. Sie sollen sich selbst treu bleiben. Gefeilt werden kann an einzelnen Dingen, zum Beispiel, wie man sich vorbereitet, wie man spricht, wie man auftritt und wirkt.

 

Sie betreiben gemeinsam mit Ihrem Mann die Kommunikationsfirma X-Media. Man kennt Sie beide von  verschiedenen Aufträgen. War ein Vergrössern Ihrer Firma nie ein Thema?

Nein, an dem Punkt waren wir nie,  obwohl wir zwischendurch rein arbeitsmässig auch schon mal am Anschlag waren. Je nach Auftrag ziehen wir Fachleute bei. Gute Grafiker beispielsweise. Ich sehe in unserer überschaubaren Grösse viele Vorteile.

 

Welche zum Beispiel?

Momentan findet auf dem Markt der Kommunikationsagenturen – wie in vielen anderen Bereichen auch - eine Veränderung statt. Ich bin überzeugt, dass die ganz Kleinen – wenn sie gut sind –  und die ganz Grossen die besten Überlebenschancen haben. Die Mittelgrossen werden es schwer haben, weil sie weder die Vorteile der Kleinen haben (effizienter, flexibler und günstiger), noch über die  internationalen Vernetzungen der grossen Agenturen verfügen.

 

Seit zehn Jahren sind Sie Geschäftsführerin und Kommunikationsverantwortliche im Laufenburger Rehmann-Museum. Per Ende Jahr legen Sie diese Tätigkeit nieder. Warum?

Es war eine absolut spannende Zeit, die ich nicht missen möchte. Im Laufe der Jahre hat der administrative Teil meiner Arbeit aber immer mehr Raum eingenommen. Und wenn ich ehrlich bin, gehören Anträge schreiben, Buchhaltung und Finanzen nicht gerade zu meinen Kernkompetenzen.  Ich fühle mich wohler beim Ideen Entwickeln und Umsetzen, beim kreativen Netzwerken. Für solche Dinge möchte ich wieder mehr Zeit haben. Ein Anfang ist das international angelegte Buch über Urban Art-Werke und ihre Künstler , das ich zurzeit mit meinem Mann Jean-Marc Felix mache.  Dafür sind wir sehr viel unterwegs.

 

Was geben Sie einem jungen Menschen, der in den Kommunikations-/Medien-Bereich einsteigen möchte, als Tipp mit auf den Weg?

Um auf den Anfang unseres Gespräches zurückzukommen: Lokaljournalismus finde ich einen hervorragenden Einstieg. Man kann hier vieles lernen, sowohl, was das eigene Auftreten anbelangt, als auch zu den verschiedenen Facetten der Gesellschaft. Und wenn einem Jungjournalisten das Gebiet gefällt, kann er/sie ja noch studieren. Ich würde manchmal gerne nochmals studieren. Ein Studium bietet heute so viele weitere Aspekte als bei mir damals.

(Regula Laux hält inne. Ein Strahlen zieht über ihr Gesicht). Mein Mann und ich waren kürzlich in New York. Dort haben wir an einem Haus das Schild «Cuny Graduate School of Journalism» entdeckt. Natürlich wollten wir mehr darüber erfahren und erhielten eine spontane Führung durch den Direktor. Ich war überwältigt. Die haben eigene Studios,  eine Radiostation, und sie geben eine eigene Zeitung heraus. Und das nicht nur im geschützten Unirahmen, sondern auf dem freien Markt. Ich dachte nur: Hier würde ich gern nochmals anfangen zu studieren.»

 

 

Medien- und Kommunikationsfachfrau Regula Laux

 

Im Anschluss an ihr Studium wurde Regula Laux nach einem Praktikum vom Radio- und Fernsehsender WDR in Deutschland angestellt. Schon nach kurzer Zeit betreute sie eine eigene Radiosendung. Ein Beitrag über  Frauen, die viel geleistet haben und trotzdem verkannt blieben,  kam gut an und die Moderatorin wurde aufgefordert, zu diesem Thema doch auch einen Fernsehbeitrag zu machen. Mit Unterstützung eines älteren, versierten Kameramannes drehte sie ihren ersten Film. Viele weitere folgten. Laux stand nicht nur hinter, sondern als Moderatorin auch vor der Kamera.

«Dann hat es mich aus persönlichen Gründen in die Schweiz, nach Luzern, verschlagen.» Die Annahme, dass sie mit ihrem  Fachwissen auch in der Schweiz beim Fernsehen oder Radio gut einsteigen kann, entpuppte sich als Irrtum. Ihr Hochdeutsch sei viel zu Deutsch, wurde sie abgewiesen. «Ich habe dann bei den Luzerner Neuesten Nachrichten als Ressortchefin Beilagen und Sonderseiten gearbeitet.» Ein Filmprojekt und die Adoption ihres Sohnes  zogen sie später für ein Jahr nach Südamerika. Zurück von Ecuador startete ihre fünf Jahre dauernde Karriere als Kommunikationschefin bei der Swissair Schweiz. Mittlerweile war die Familie Laux-Felix um ein drittes Kind angewachsen. Dies liess für Regula Laux keinen 100-Prozent-Job mehr zu. Sie reduzierte ihr Pensum und war bei der Charterairline Balair für Kommunikation und  Marketing zuständig.

Schon während ihrer Festanstellungen übernahm Regula Laux – seit dem Jahr 2000 wohnt die Familie im Eigenheim in der Altstadt Laufenburg – regelmässig Kommunikationsaufträge in den unterschiedlichsten Bereichen. Der Einstieg in die Selbständigkeit war somit nie eine direkte Entscheidung gewesen, sondern das Resultat eines rollenden Prozesses. Die Selbständigkeit hat Regula Laux nie bereut. Herausforderungen wie die Digitalisierung oder die sozialen Netzwerke spornen sie zu neuen Erfahrungen an, wohlwissend, dass sie nicht zu den „digital natives“ gehört. Sie schätzt die grosse Vielfalt und die Möglichkeiten der Medienbereiche. Sie weiss aber auch um deren Gefahren und Risiken. (sh)

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