Neue Auflagen sorgen für Unmut

| Do, 23. Feb. 2017
Unter dem neuen Namen Sanitätsverein soll das Schwaderlocher Schiff in ruhigere Gewässer steuern. Auf dem Bild (von links): Brigitta Röthlisberger (Aktuarin), Nicole Meyer (Ausbildungsverantwortliche) und Marco Caminada (Präsident). Foto: Bernadette Zaniolo

Der Schweizerische Samariterbund (SSB) stellt hohe Anforderungen an die Samariter. Zu hohe, tönt es aus Fricktaler Samariterkreisen. Dies führte unter anderem dazu, dass der Schwaderlocher Verein aus dem SSB austrat und sich einer IVR-zertifizierten Rettungsschule anschloss.

von Bernadette Zaniolo

Etliche Samaritervereine im Fricktal kämpfen schon seit Jahren gegen den Mitgliederschwund an. Das führte unter anderem dazu, dass der Rheinfelder und der Oeschger Verein in den letzten Jahren aufgelöst wurde. Dazu beigetragen haben könnten auch die Änderungen in den Ausbildungen. «Besonders die neuen Bedingungen, unter denen die Ausbilder Kurse durchführen können und wie die Mitglieder geschult werden müssen», so Nicole Meyer. Sie war beim Schwaderlocher Verein Samariterlehrerin, bis dieser im November 2016 aus dem SSB austrat. Die Anpassungen wurden aufgrund von engeren Kontrollen über die Laienausbildung des Interverbandes für Rettungswesen (IVR), der Dachorganisation des medizinischen Rettungswesen der Schweiz nötig.

«Doch das Fuder, mit dem der SSB diese Richtlinien umsetzt, ist überladen. Ja man könnte von einem Geschwulst sprechen, ein völliges Wirrwar», so Meyer. Albert Knecht, der 40 Jahre den Schwaderlocher Verein präsidierte, bezeichnete es gegenüber den NFZ gar als «eine Katastrophe. Die Aufgabe des Samariters ist es, erste Hilfe zu leisten, bis professionelle Hilfe eintrifft. Wir stellen keine Diagnosen. Das ist Aufgabe von Fachkräften wie Arzt oder Rettungssanitäter.» Die neuen Richtlinien des Schweizerischen Samariterbundes sind gemäss Knecht ein «fertiger Leerlauf. Wir hätten die Vorgaben nicht erfüllen können.»

So stand der Verein vor der Wahl, die Tätigkeiten einzuschränken, unter anderem hätte er keine Nothelferkurse und Postendienste bei anderen Vereinsanlässen mehr anbieten können, mit einem anderen Verein fusionieren oder die Tätigkeit komplett aufgeben müssen, so Marco Caminada. Er ist seit 2015 Präsident des Schwaderlocher Vereins.

 

«Ein kleiner Preis»

«Der Name ʼSamariterʻ konnten wir leider nicht behalten, da dieser an die Mitgliedschaft im SBB gebunden ist. Dies ist aber ein kleiner Preis dafür, dass unser Verein auch weiterhin besteht und unsere Mitglieder dem Rettungswesen erhalten bleiben», so Aktuarin Brigitta Röthisberger. Sie hat buchstäblich «die Nase voll vom SSB. Wir haben bis heute keine Austrittsbestätigung erhalten. Geschweige denn, dass man Auskunft erhält, wie gewisse Vorgaben zu verstehen sind bzw. ausgelegt werden.»

«Früher waren wir Nothelfer. Heute wird verlangt, dass jeder Laie top ausgebildet ist. Mein persönliches Gefühl ist, dass das Ganze etwas abgehoben ist», sagt die Samariterlehrerin des Laufenburger Vereins, Ruth Hinden. So wie die Schwaderlocher vermutet auch sie, dass die neuen Vorgaben des SSB ein Druckmittel für Fusionen sein könnten. Das funktioniere jedoch nicht, sagen Caminada und Knecht, denn von ihren Mitgliedern hätten sie klar das Signal erhalten, dass sie nicht bereit sind, ins Auto zu steigen und in einen anderen Ort zu den Übungen zu fahren.

Die Führungscrew des neu gegründeten Sanitätsvereins Schwaderloch betont jedoch, dass man auch weiterhin freundschaftlich mit den Samaritervereinen im oberen Fricktal verbunden bleibt und an gemeinsamen Übungen, wie etwa der Feldübung, teilnehmen werde. Durch die Partnerschaft mit der SBS Training & Rettung GmbH «sind wir auch weiterhin in der Lage diverse IVR-zertifizierte Kurse für Privatpersonen und Firmen anzubieten», so Nicole Meyer.

 

Etwas komplex

«Wir haben das Vertrauen verloren, nachdem wir nur zögerliche und ungenaue Antworten vom SSB auf unsere Fragen erhielten», so Marco Caminada, Präsident des alten und neuen Schwaderlocher Vereins. Wie er gegenüber der NFZ sagte, sei der Infoabend, an dem die Vereine und andere Organisationen und Funktionäre vom SSB über die neuen Vorgaben orientiert wurden, sehr emotional verlaufen. Dies, weil an diesem Abend und später auch klare Antworten fehlten und die Vorgaben überrissen seien. Hier ein Beispiel: Damit man IVR-zertifizierte Kurse wie etwa einen Nothelferkurs anbieten kann, muss man über die nötige Ausbildung verfügen. Gemäss den Vorgaben des Interverbandes für Rettungswesen (IVR), der Dachorganisation des medizinischen Rettungswesens der Schweiz, hat die Schwaderlocher Ausbildnerin Nicole Meyer ein sehr hohes Niveau und sie ist auch Ausbildnerin der Regionalfeuerwehr. Weil sie aber die vom SSB gemachte Auflage, etwa das Vorweisen von 120 Kursstunden in den letzten fünf Jahren nicht belegen kann, wurde Meyer aus ihrer Sicht degradiert.

«Meine Qualifikation wurde vom SSB quasi über Nacht auf das Kindergarten-Niveau zurückgestuft und ich müsste unnötige Weiterbildungskurse machen, was auch mit Kosten verbunden ist. Der IVR verlangt nur 14 Stunden innert zwei Jahren», so Meyer.

 

 

 

 

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