Für die Forschung in die Ferne

  23.10.2014 Gipf-Oberfrick, Porträt, Oberes Fricktal, Persönlich, Herznach

Seit einem Jahr wohnen Daniela Bühler und Michael Oggenfuss in Redcliffs, in der Nähe von Christchurch in Neuseeland. Die Stadt wurde bei den Erdbeben 2010 und 2011 stark beschädigt. «Der Aufbau geht nur langsam voran. Ein Stadtzentrum gibt es nicht mehr und somit auch nur wenige Cafés und Geschäfte», sagt Michael Oggenfuss. Er ist in Gipf-Oberfrick aufgewachsen und war die letzten zwölf Jahre als Kantonspolizist in Brugg und Aarau tätig. Auch Daniela Bühler ist eine Fricktalerin, sie stammt aus Herznach und hat die letzten sieben Jahre im Seetal als Logopädin gearbeitet.
Ihre Arbeit ist die Motivation für die Auswanderung. Daniela Bühler hat ihren Master zum Thema «Pragmatische Fähigkeiten bei Kindern mit Spracherwerbsstörungen»  in London verfasst und schreibt nun an der University of Canterbury ihre Doktorarbeit. «Ich befasse mich mit frühen sprachlichen Kompetenzen bei Kindern und deren möglichen Auswirkungen auf die soziale und emotionale Entwicklung.» Ihre Forschungsarbeit beschränkt sich bis jetzt hauptsächlich auf Literatur zum Thema sowie das Sichten von Videomaterial. «Im nächsten Jahr treffe ich die fünfjährigen Kinder, welche bereits an einem Langzeitprojekt teilnehmen, und kann sie auf ihre sozialen Kompetenzen hin untersuchen. Es gibt bereits Videoaufnahmen dieser Kinder, als sie zwei und dreieinhalb Jahre alt waren. Diese analysiere ich und versuche mehr über ihre Sprache und Kommunikationsmöglichkeiten herauszufinden.»  So möchte Daniela Bühler Zusammenhänge erkennen und herausfinden, warum sprachliche Schwierigkeiten oft auch mit sozialen Defiziten verbunden sind. «Das Ziel ist, Eltern künftig frühzeitig Beratung und Unterstützung anzubieten.»


Daniela Bühlers Arbeit ist quasi länderübergreifend. «Ich habe zwei Supervisors vor Ort und eine dritte Professorin betreut mich von Oxford aus. Die Arbeit macht mir viel Freude und ich bin gespannt, was wir herausfinden werden.» Auch für Michael Oggenfuss brachte Neuseeland eine berufliche Umstellung. Der Kantonspolizist ist  im Gartenbau tätig. «Es hätte sogar die Möglichkeit gegeben, als Polizist zu arbeiten, aber aufgrund meiner limitierten Englischkenntnisse und der unterschiedlichen Kultur wollte ich diesen Schritt nicht wagen.» Ihm gefällt die Arbeit an den Hängen in und rund um Christchurch. «Ich muss zwar immer alles rauf und runter tragen, aber die schöne Aussicht auf das Meer und die Berge entschädigt mich für die Strapazen.» Gewöhnungsbedürftig sei die Wetterabhängigkeit gewesen. «Bei Regen arbeiten wir nicht und verdienen auch  nichts.»

«Manchmal ist Geduld gefragt»

Die Lebenskosten in Neuseeland lassen sich mit jenen in der Schweiz vergleichen. Allerdings ist der durchschnittliche Verdienst viel kleiner als in der Schweiz. Da der verfügbare Wohnraum in Christchurch durch die Erdbeben reduziert wurde, sind die Preise für die Mieten gestiegen. «Gute Häuser sind für uns fast unbezahlbar.»
Die Neuseeländer nehmen Daniela Bühler und Michael Oggenfuss als entspannt und zufrieden wahr. «Die Freiräume sind viel grösser als in der Schweiz und das Leben läuft gemächlicher ab. Und auch nicht so durchorganisiert. Das führt dazu, dass man manchmal etwas Geduld aufbringen muss zum Beispiel im Umgang mit Amtsstellen.» Da die Neuseeländer unkompliziert, freundlich und interessiert seien, konnten sich die beiden Fricktaler schnell einen Bekanntenkreis aufbauen.
Trotz kleiner Nachteile im Alltag sind sich Daniela Bühler und Michael Oggenfuss einig, dass sich das Abenteuer Neuseeland gelohnt hat. «Die Lebensqualität, die Hilfsbereitschaft und das freundliche Umfeld, wiegen alle Beschwerlichkeiten des Auswanderns auf.»
Für immer wollen die beiden der Schweiz nicht den Rücken kehren. «Wir planen nach dem Abschluss von Danielas Arbeit wieder in die Schweiz zurückzukommen. Das wird voraussichtlich Ende 2016 sein.»
Zuerst steht den beiden aber eine andere «Züglete» bevor. «Wir erwarten im Dezember unser erstes Kind und sind deshalb momentan auf der Suche nach einer passenden Bleibe.» Das Baby wird übrigens eine Schweizerin oder ein Schweizer. «Die Regelung, dass alle im Land geborenen Kinder automatisch die neuseeländische Staatsbürgerschaft erhalten, wurde 2006 abgeschafft.»


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote