Zwanzigjährige brillieren mit den schwierigsten Stücken
09.07.2026 RheinfeldenAm Wochenende ist das Solsberg-Festival mit einem Kammerkonzert in der Stadtkirche Rheinfelden zu Ende gegangen. Auf dem Programm standen während elf Tagen Veranstaltungen mit klassischer Musik in Olsberg, in Rheinfelden und in der Barockkirche St. Peter im Schwarzwald. Erstmals ist das Festival ...
Am Wochenende ist das Solsberg-Festival mit einem Kammerkonzert in der Stadtkirche Rheinfelden zu Ende gegangen. Auf dem Programm standen während elf Tagen Veranstaltungen mit klassischer Musik in Olsberg, in Rheinfelden und in der Barockkirche St. Peter im Schwarzwald. Erstmals ist das Festival mit Meisterkursen für hochbegabte junge Cellistinnen und Cellisten ergänzt worden – einer sogenannten Academy.
Edi Strub
Bewerben für die Teilnahme konnten sich die jungen Talente mit einem Video, auf dem sie ihre ausserordentlichen Fähigkeiten unter Beweis stellten. Ausgewählt für die Academy wurden schliesslich sechs Musiker aus aller Welt – zwei aus China sowie je eine oder einer aus Luxemburg, Österreich, Spanien und der Schweiz. Untergebracht waren sie während der Academy bei Gastfamilien in Rheinfelden und Umgebung. Für die Anreise wurde ihnen ein Zugticket 2. Klasse oder ein Flug in Economy vergütet. Geleitet wurden die Meisterkurse von Ivan Monighetti, dem «Cellovater» von Sol Gabetta. Monighetti hatte das Jungtalent Sol im Alter von zehn Jahren in seine Meisterklasse in Madrid an der berühmten Escuela Superior de Musica Reina Sofia aufgenommen. Das war sozusagen der Start von Sol Gabetta zu ihrer Weltkarriere. Auch an der Musikhochschule in Basel, wo Gabetta später studierte, war Moneghetti ihr Lehrer und Betreuer.
Einen Schritt weiter gehen
Aus diesen persönlichen Erfahrungen und Beziehungen erwuchs dann der Wunsch, im Rahmen des Solsberg Festivals ein Gefäss für die Förderung und Weiterbildung hochbegabter junger Cellistinnen und Cellisten zu schaffen. Immer schon hatte das Festival Konzerte mit jungen Musikern veranstaltet. Manchmal auch im Zusammenwirken mit Sol Gabetta. Nun wollten Sol Gabetta und der umtriebige Organisator des Festivals, Christian Müller, einen Schritt weiter gehen. Erstmals sollten für die jungen Cello-Talente Meisterkurse angeboten werden.
Während drei Tagen gab Ivan Monighetti Meisterkurse: er liess sich von den jungen Cellistinnen und Cellisten Stücke aus ihrem im Auf bau begriffenen Repertoire vorspielen, machte sie aufmerksam auf Dinge, die störten, und schlug – oft selber am Cello – Alternativen vor. Am Freitag hatte die jungen Leute dann die Möglichkeit, ihre am Kurs verfeinerten Interpretationen einem Konzertpublikum im Musiksaal der Kapuzinerkirche vorzustellen.
Am Montagnachmittag hatte zum Beispiel Luis Aracama aus Spa n ien sei ne Session m it Monighetti. Er spielte die berühmte Prélude aus der Suite Nr. 3 für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach. Jeder Cellist hat diese Solosuite (und die andern Solosuiten) von Bach gespielt. Auf den einschlägigen Portalen findet man gegen hundert Einspielungen – angefangen beim legendären Pablo Casals über Jacqueline Dupré, Mstislaw Rostropowich, Yp-Yo Ma, Pieter Wispelwey bis beispielsweise zum «Basler» Thomas Demenga. Diese Könner spielen die Suite sehr unterschiedlich. Manche sehr schnell, auf Eleganz und einen schönen Fluss bedacht, andere sehr viel langsamer. Nichts ist falsch, nichts einfach das einzig Richtige.
Das Schnippen des Meisters
Luis Aracama wählt für sein Vorspiel eine eher bedächtiges Tempo, beschleunigte und verlangsamte es aber in einem spannenden Rhythmus. Manchmal schnippte Monighetti mit den Fingern, wenn es ihm zu schleppend schien und der Drive verloren zu gehen drohte. Als zweites Stück trug Aracama eine der Caprices von Alfredo Carlo Piatti vor. Schnell, virtuos und unterhaltend. Piatti war ein italienischer Cellist des vorigen Jahrhunderts, der ein paar Bravourstücke für sein Instrument komponierte.
Luis Aracama bereitet sich auf einen Wettbewerb in Rumänien in ein paar Monaten vor. Am Abschlusskonzert am Freitagabend spielt er dann dieselben Stücke, ergänzt mit zwei Sätzen aus einer Solosonate von Györgi Ligeti – einem Vertreter der modernen musikalischen Avantgarde.
Auch Yiqi Chen aus China spielte am Abschlusskonzert diese Stücke. Der Kampf um den ersten Platz in Rumänien ist eröffnet. Chen spielt vor allem das Stück von Ligeti raffinierter und nachvollziehbarer strukturiert. Jedes dieser jungen Musiktalente sucht sich durch besonders gute Leistungen an Wettbewerben und Meisterkurse einen Platz im Konzertleben zu erobern. Musiker aus Asien verblüffen dabei immer wieder durch ihr stupendes Können bereits in sehr jungen Jahren.
Schweizer Talent
Einen hervorragenden Eindruck am Abschlusskonzert hinterliess auch die Schweizerin Emilie Richter. Sie spielte einen Satz aus der Sonate für Violoncello solo von Zoltán Kodály. Es ist ein Stück, das unglaubliche Anforderungen stellt an die Musikerin, aber Emilie Richter war dem in jeder Hinsicht gewachsen. Sie konnte nach ihrem Spiel am Freitag noch nicht sagen, was für sie nach dieser Academy kommen wird. Sie hat schon einmal mit der Stargeigerin Julia Fischer spielen dürfen, ein andermal mit dem Bruder von Sol Gabetta – Andrés. Zwischendurch wird sie auch vom argovia philhamonic oder den Festival Strings Lucerne engagiert. Aber etwas Festeres hat sich bislang noch nicht ergeben. Die Konkurrenz ist unerbittlich.


