Gastbeitrag zum Thema Gesundheitsversorgung
Oivier Kreis, eidg. Dipl. Apotheker, Inhaber Löwen Apotheke, Frick
Stellungnehmend aufgrund der vielen Leserbriefe und Artikel zum Thema Selbstdispensation schicke ich Folgendes voraus: Als Apotheker anerkenne ich die Problematik ...
Gastbeitrag zum Thema Gesundheitsversorgung
Oivier Kreis, eidg. Dipl. Apotheker, Inhaber Löwen Apotheke, Frick
Stellungnehmend aufgrund der vielen Leserbriefe und Artikel zum Thema Selbstdispensation schicke ich Folgendes voraus: Als Apotheker anerkenne ich die Problematik des Hausärztemangels und unterstütze gute Lösungen. Die beiden Berufsstände Arzt und Apotheker decken zwei Gebiete im Gesundheitswesen als Experten gleichermassen ab. Beide haben Studium, Medizinaldiplom, Fachtitel und bilden sich lebenslang weiter. Sie stärken gemeinsam die Grundversorgung und sorgen mit vielen anderen Akteuren für einen gesunden Kanton Aargau – ohne Interessenskonflikt. Die Bevölkerung im Kanton Aargau hat durch das interdisziplinäre System viele Vorteile. Die wiederum diskutierte Selbstdispensation wäre keiner dieser Vorteile. Sie ist ein klassischer Spaltpilz.
Das Augenmerk muss auf Patientensicherheit, faire Vergütung und effiziente Zusammenarbeit gelegt werden. Die Medikamentenabgabe durch den Arzt spaltet und schafft mehr Probleme, als Hausärzte in den Kanton Aargau ziehen.
Das Vier-Augen-Prinzip stärkt die Zusammenarbeit, und die Patientensicherheit wird grossgeschrieben. Safety First! Gerade wenn wir als Menschen Hilfe benötigen, sollten Interessenskonf likte keine Rolle spielen. Hierbei gibt es im Übrigen auch dem Kostennarrativ der Ärzteschaft entgegengesetzte Studien. Eine Studie des CSS-Instituts aus dem Jahr 2023 hat gezeigt, dass im Kanton Zürich die Medikamentenkosten nach Einführung der Medikamentenabgabe durch den Arzt je Patient um 20 bis 30 Franken anstiegen. Die Selbstdispensation entpuppt sich hier als Perpetuum mobile für den Geldsäckel der Ärzteschaft. Das schafft kein Vertrauen.
Im Kanton Aargau besteht ein flächendeckendes und krisenerprobtes Apothekennetz – sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten. Dieses Netz stellt der Bevölkerung Gesundheits- und Präventionsdienstleistungen zur Verfügung. Die Angebote sind wohnortnah, ohne Voranmeldung zugänglich und im Vergleich kostengünstig. Dank des organisierten Notfalldienstes ist die Versorgung rund um die Uhr, auch an Wochenenden sowie Feiertagen, sichergestellt.
Die Selbstdispensation ist ein Systemumbau, keine einfache Verlagerung der profitabelsten Medikamente von der Apotheke zum Arzt. Sie ist eine Bankrotterklärung.
Die bewährte Qualitätssicherung wird durcheinandergewirbelt und das Apothekennetz nachhaltig geschwächt. Das Vier-Augen-Prinzip geht verloren. Gleichzeitig wird die Wahlfreiheit eingeschränkt, während der Hausarzt noch mehr administrative und fachfremde Arbeiten erledigen muss. Es entsteht ein unübersichtliches und ineffizientes System – sicher keine Lösung. Die Grundversorgung muss als Gesamtes gestärkt werden. Mit nachhaltigen und guten Lösungen – nicht mit Spaltpilzen.
Replik auf den Artikel «Hausärzte schlagen Alarm». NFZ vom 16. April.