«Zusammen an einem Strick ziehen»
27.08.2026 LaufenburgGelungener Neuzuzügeranlass in Laufenburg
Seit dem letzten Anlass für Neuzugezogene in Laufenburg waren vier Jahre vergangen. Nun luden die Ortsbürgerkommission und der Stadtrat seither zugezogene Bürgerinnen und Bürger zu einer «Stadtvorstellung» samt ...
Gelungener Neuzuzügeranlass in Laufenburg
Seit dem letzten Anlass für Neuzugezogene in Laufenburg waren vier Jahre vergangen. Nun luden die Ortsbürgerkommission und der Stadtrat seither zugezogene Bürgerinnen und Bürger zu einer «Stadtvorstellung» samt Stadtführung und Festwirtschaft ein.
Andrea Worthmann
Stadtrat Christian Winter begrüsste auf dem Marktplatz die rund 50 angemeldeten Neuzuzüger im Namen der Stadt und der Ortsbürgerkommission.
Zum ersten Kennenlernen organisierte die Ortsbürgerkommission eine Stadtführung, welche in drei Gruppen stattfand. Eine Gruppe bewegte sich in Richtung Brücke und zur deutschen Seite Laufenburgs. Begleitet wurde sie von den Stadtführern Martin Breitenfeld und Brigitte Frank, welche die Stadtgeschichte sow ie A nekdoten in Hochdeutsch präsentierten. Eveline Dillinger zog mit einer Gruppe barrierefrei durch die Gassen. Kinderwagen- und rollatorfreundlich wurde den Neuzugezogenen die Stadt gezeigt. Mit der dritten Gruppe zog Ruedi Lüscher gen Rhein los und präsentierte auf seiner Tour in Mundart Geschichtliches.
Geschichtliches vom Lauffen und den Habsburgern
Erster Stopp: Die Infotafel am Münzgässchen, wo Lüscher anhand der Karte von der Fusion mit der Talgemeinde Sulz erzählte und die Trennung der Stadt durch Napoleon thematisierte. Seitdem gebe es die «Mehrere Stadt» auf der Schweizer Seite und die «Mindere Stadt» auf deutscher Seite. Ein paar Schritte die Gasse hinunter, am Rheinufer, brachte Lüscher der Gruppe die Geschichte der Flösser näher und zeigte anhand von Bildern, wie der «Lauffen» vor der Rheinstauung um 1910 aussah. Mit weiteren Infos und der lustigen Anekdote über den Bau der neuen Brücke 2004, an dem Deutschland und die Schweiz den Nullpunkt zur Höhenberechnung an Nordsee und Mittelmeer verorteten und somit insgesamt einen Höhenunterschied von 54 Zentimetern bei der Brückenzusammenführung hervorriefen, ging es weiter zum Gerichtsgebäude. Der prächtige Gerichtssaal mit Gemälden von den Habsburgern Maria Theresia, ihrem Mann Franz-Stefan und dem Sohn Josef sowie der grosse Ofen aus dem Klassizismus beeindruckten die Gruppe. Vom Gericht ging es weiter durch die Herrengasse zur katholischen Kirche. «In Laufenburg muss man laufen», scherzte der Stadtführer beim Aufstieg über die steile Treppe. An den Aussichtspunkten der Kirche und am Schlossberg erfuhren die Neuzuzüger noch, dass es damals ein Kapuzinerkloster gab, dass es neben der Burg in Laufenburg Schweiz auch auf der deutschen Seite eine Burg gab, und natürlich die Geschichte der «Madame Codeman» und ihrem Schlösschen. Denn nachdem eine Gruppe Schüler im späten 19. Jahrhundert verhindert hatte, dass ein reicher Basler Bankier seine Villa auf den Schlossberg baut, tat er dies auf der deutschen Seite. Später wurde das Schlösschen von dem Ehepaar Codeman gekauft.
Stadtammann spricht auf der Schlossbergmatte
Mit all den neuen Infos über die Stadtgeschichte marschierte die Gruppe zur Grimmermatte hinter dem Haus zum Schlossberg. Dort trafen auch die anderen Stadtführergruppen zum Ende ihrer Führung ein. Bei Erfrischungen und Snacks stellte sich Stadtammann René Leuenberger vor und nutzte den Moment, um den Neuzugezogenen «seine» Stadt näher zu bringen. Das Jahr 1207 sei besonders gewesen, denn in diesem Jahr wurde Laufenburg erstmals erwähnt; 2007 dann die 800-Jahr-Feier mit dem Motto «Zwei Länder, eine Stadt». «Das Motto ist uns sehr wichtig», so Leuenberger, «weil wir es gerne so leben.» Er betonte, dass es zwar den badischen und den Schweizer Teil der Stadt gebe, aber – und so hofft er auch für die Neuzuzüger – man sich hier als Laufenburger fühle, egal von welcher Seite man komme.
Neben den Fakten über Einwohnerzahl, beidseitig rund 13 500, der guten Infrastruktur und der baulichen Stadtentwicklung, erwähnte der Stadtammann auch die zwei Badis und die drei Bahnhöfe der Stadt. Auch das eine Besonderheit. Freizeitgestaltung und Traditionspflege sei mit den vielen Vereinen in Laufenburg sehr gut möglich. Als Beispiel dient die Narro Altfischerzunft 1386, die ihr Gründungsjahr bereits im Namen trägt. «Das sind die, die euch immer an den Faissen morgens um 5 Uhr wecken», sagte Leuenberger und erntete Lacher von denen, die das bereits kennen. Laufenburg biete 2300 Arbeitsplätze, habe 550 Schüler, 70 Kindergärtler sowie 36 Prozent Nichtschweizer. Letzteres sei nur eine Zahl, betonte der Stadtammann: «Wenn man in Laufenburg daheim ist, ist man nicht fremd, sondern man ist dabei.» Und wenn man sich gern engagieren möchte, ist dies mit der vielfältigen Vereinskultur leicht möglich und willkommen.
Ob Bauarbeiten, Wärmeverbund, Sanierungen oder beispielsweise Stromnetzumbau: «Es gibt immer wieder Arbeit», sagte Leuenberger, «und wir sind auch immer wieder auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Es ist wichtig, dass Behörden, Stadtrat und Bevölkerung zusammenarbeiten und an einem Strick ziehen – am besten in die gleiche Richtung.» Das wünsche er sich, damit Laufenburg weiterhin ein toller Ort zum Leben, zum Schaffen und für den gemeinsamen Austausch bleibe.
Vereine stellen sich vor
Im Anschluss stellten sich einige der Laufenburger Vereine mit ihrem Vereinsprogramm vor. Mit einer Auswahl an Liedern startete die Musikgesellschaft Sulz, gefolgt vom Männerturnverein Laufenburg, den Landfrauen und dem Turnverein Sulz. Der Kulturausschuss beider Laufenburg warb für kulturelle Veranstaltungen in der Stadt und verteilte Eintrittsgutscheine an die Neuzuzüger. Ausschussmitglied Martin Breitenfeld gab dabei ein gutes Beispiel an Stadtintegration ab, denn er selbst sei noch keine vier Jahre in Laufenburg und somit auch Gast der Veranstaltung. Als Stadtführer, Kulturausschussmitglied und Neuzuzüger war er in dreifacher Mission angetreten. «Last but not least» sang der Jodlerclub Laufenburg-Rheinfelden noch einige Lieder.
Nach den offiziellen Programmpunkten wurde die Festwirtschaft für Speis und Trank sowie den gemeinsamen Austausch eröffnet. Bis zum nächsten Zuzügeranlass soll nicht wieder so viel Zeit vergehen. «Wir streben einen Zyklus von zwei Jahren an», verriet Frank Fischer von der Ortsbürgerkommission, die schon für die letzten Anlässe verantwortlich war und auch die zukünftigen organisieren wird. Alles in allem ein gelungener Anlass, an dem sich die Gäste sichtlich wohlfühlten.


