«Wolfsrudel» vor Gericht
22.04.2026 RheinfeldenAb nächstem Montag stehen fünf junge Männer in Rheinfelden vor Gericht. Sie sollen eine Vielzahl von Delikten begangen haben. Wegen des grossen öffentlichen Interesses wird die Verhandlung im Feuerwehrgebäude durchgeführt. Die Hauptangeklagten sollen schon fast ...
Ab nächstem Montag stehen fünf junge Männer in Rheinfelden vor Gericht. Sie sollen eine Vielzahl von Delikten begangen haben. Wegen des grossen öffentlichen Interesses wird die Verhandlung im Feuerwehrgebäude durchgeführt. Die Hauptangeklagten sollen schon fast berufsmässig kriminell gewesen sein. (vzu)
Das kriminelle «Wolfsrudel»
Aufwändiger Gerichtsfall beginnt am nächsten Montag
Wegen des grossen öffentlichen Interesses wird der Gerichtsfall gegen fünf junge Männer, die eine Vielzahl von Delikten begangen haben sollen, im Obergeschoss des Rheinfelder Feuerwehrmagazins durchgeführt. Die Hauptangeklagten sollen fast schon berufsmässig kriminell gewesen sein.
Valentin Zumsteg
Mit einem Fall dieses Ausmasses muss sich das Bezirksgericht Rheinfelden nur selten befassen: Fünf junge Männer stehen ab dem kommenden Montag vor den Schranken der Justiz. Sie müssen sich verantworten, weil sie zwischen 2022 und 2024 in unterschiedlichen Zusammensetzungen eine Vielzahl von Delikten begangen haben sollen (die NFZ berichtete). Der Kern der Gruppe, der sich im Chat «Wolfsrudel» nannte, bestand aus vier Mitgliedern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, dass sie «nach Art eines Berufs» Diebstähle verübt haben. Dies ist der Anklageschrift zum Hauptbeschuldigten zu entnehmen, welche der NFZ seit letztem Sommer vorliegt. Er soll zwischen Mitte 2022 und Mitte 2024 fünfzehn Diebstähle beziehungsweise Diebstahlversuche begangen haben, hinzukommen weitere Delikte.
Erst Erpressung, dann Sabotage auf Glasfaser-Netz
Für Schlagzeilen sorgte die Bande Ende 2023 mit mehreren Sabotageakten auf das Glasfaser-Netz in Rheinfelden. Bereits zuvor hatten sie laut Staatsanwaltschaft versucht, den Betreiber dieses Netzes zu erpressen. Dazu griffen sie die Internet-Adresse der Firma mit einem sogenannten «Stresser» an. Dieser überhäufte die Firma mit einer Vielzahl von Anfragen, wodurch die Telefonleitungen und Internetverbindungen im Einzugsgebiet nicht mehr verfügbar waren. Kurz danach schickten sie dem Unternehmen ein Erpresserschreiben in Englisch. Darin verlangten sie die Überweisung von drei Bitcoins. Im Falle der Bezahlung würden die Angriffe gestoppt. Die Firma ging nicht auf die Forderung ein. Ähnliche Cyberangriffe gab es auch auf eine Bank und die SBB.
Im November 2023 soll die Bande in einen Gewerbebetrieb in Möhlin eingedrungen sein. Dort richteten sie einen grossen Schaden an, gleichzeitig nahmen sie unter anderem Datenträger, Laptops und weiteres Computerzubehör mit. Daneben erbeuteten sie Bargeld und Bankkarten. Eine Karte verwendeten sie in der Folge, um am Selecta-Automaten beim Bahnhof Möhlin Kleineinkäufe zu bezahlen. Auf dem Schreibtisch des Geschäftsführers des Gewerbebetriebes hinterliessen sie ein Erpresserschreiben. Sie verlangten 100 000 Franken in Bitcoins, sonst würden sensible Unternehmensdokumente und Daten vernichtet. Die Firma bezahlte nicht.
Raubüberfall auf Kiosk geplant
Mehrfach drang die Gruppe in Liegenschaften ein – zum Beispiel bei Sanierungsobjekten im Dianapark in Rheinfelden. Dort richteten sie Sachbeschädigungen an und legten Feuer. Laut Staatsanwaltschaft hat das «Wolfsrudel» zudem detailliert einen Raubüberfall auf den Bahnhofskiosk in Möhlin geplant, es kam aber nie zur Ausführung. Spielzeugwaffen, die echten Pistolen ähnlich sehen, wurden dafür allerdings bereits gekauft.
Die Staatsanwaltschaft fordert für die drei Hauptbeschuldigten Freiheitsstrafen von zehn, acht und sechs Jahren. Die Verhandlung im Feuerwehrgebäude dauert voraussichtlich sieben bis acht Tage. Mit einem Urteil wird im Juni gerechnet.

